Kinderkonzerte

Liestal verliert den besten Werbeträger

Kinderkonzerte im Liestaler Stedtli, Auftritt Andrew Bond.Kenneth Nars

Kinderkonzerte im Liestaler Stedtli, Auftritt Andrew Bond.Kenneth Nars

Kinderkonzerte Die Grossveranstaltung zieht dieses Jahr von Liestal nach Münchenstein um. Zum zehnten Mal hätten die Lilibiggs-Kinderkonzerte in diesem Jahr in Liestal gastieren sollen. Doch aus der Jubiläumsveranstaltung wird nichts.

Die Leitung der Kinderkonzerte hat sich entschlossen, nach den Vorfällen im vergangenen Jahr den Schweizer Tourneeauftakt nicht mehr an den Baselbieter Kantonshauptort zu vergeben. Stattdessen werden die Kinderkonzerte 2012 am 2. und 3.Juni in Münchenstein auf dem Gebiet der Grün 80 gestartet.

Eingreifen der Polizei

«Der Entscheid ist uns nicht leicht gefallen», sagt Michael Furler, der Präsident des ausrichtenden Vereins für Kinder- und Familienkultur. Doch die Begleiterscheinungen der letztjährigen Ausgabe seien derart «zermürbend» gewesen, dass im Verein nun endgültig der Eindruck vorherrsche, in Liestal nicht mehr willkommen zu sein. Der Widerstand mehrerer Detaillisten und Privatpersonen gegen die Rückkehr der Konzerte vom Obergestadeckplatz ins Stedtli hatte nicht nur im Vorfeld zu Protestaktionen und eingeschriebenen Briefen, sondern auch am Anlass selbst zu bizarren Szenen geführt.

Da mehrere der auftretenden Künstler ihre Autos wild parkierten, wurde die Polizei auf den Platz gerufen. Ein besonders eifriger Kinderkonzertgegner stellte mit dem Metermass fest, dass der Bühnenzugang 10 Zentimeter zu eng aufgebaut worden war und reklamierte umgehend. Dabei hatten die Verantwortlichen den Konzertbeginn am Samstag extra auf 16 Uhr nach hinten verschoben, um den Geschäften entgegenzukommen.

Umsatzeinbussen

Konflikthintergrund ist der Umstand, dass mehrere Liestaler Ladenbesitzer und Geschäftsführer die Kinderkonzerte für weniger Kundschaft und Umsatzeinbussen am betreffenden Wochenende verantwortlich machen. Hatte die wegen der Tour de Suisse einmalige Verlegung der Konzerte auf den Obergestadeckplatz 2010 für eine gewisse Entspannung gesorgt, kochte die schon lange schwelende Auseinandersetzung im vergangenen Mai wieder hoch. «Es wurde gegen uns Stimmung gemacht», fasst Furler zusammen. «Und irgendwann sagten wir uns, dass wir das nicht mehr nötig haben. Wir wollen mit unseren Konzerten Freude bereiten, nicht Konflikte schüren.»

Die Frustration über die Liestaler Widerstände ist beim Familienkultur-Verein umso grösser, als sich zahlreiche andere Schweizer Städte um den Grossanlass reissen. Jedes der zwölf Konzerte zieht Tausende von Zuschauern an, der Tourneeauftakt wird zudem live im Schweizer Radio übertragen. Für Liestals Stadtpräsidentin Regula Gysin waren die alljährlichen Kinderkonzerte einer der besten Liestaler Werbe- und Imageträger überhaupt.

Rückkehr nach Liestal bleibt unwahrscheinlich

Entsprechend gross ist Gysins Ärger und Enttäuschung über den Wegzug. Sie, die bereits mehrfach die Liestaler Detaillisten zu Toleranz und Gastfreundschaft aufgerufen hat, muss sich nun mit der Tatsache abfinden, dass es ihr trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen ist, den Grossanlass in der Kantonshauptstadt zu halten.

Furler bestätigt, dass das offizielle Liestal die Kinderkonzerte wie kaum eine andere Stadt unterstützte und diese sogar mit einem Kulturförderbeitrag mitfinanzierte. Gysin bezeichnet er als freundschaftlich verbundene «Geburtshelferin» der grössten Schweizer Konzertreihe.

Eine Rückkehr nach Liestal bleibt dennoch unwahrscheinlich – zumindest in den nächsten zwei, drei Jahren. Laut Furler benötigt jeder Veranstaltungsort eine spezifische Infrastruktur, welche die Organisatoren nicht allzu häufig verändern wollen. Davon wird in den kommenden Jahren nun Münchenstein profitieren.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1