«Ich habe jetzt zwei Jahre nichts gesagt, aber nun kann ich nicht mehr schweigen.» Max Heller, langjähriger Gemeinderat und Gemeindeammann von Kaiseraugst ereifert sich hörbar. Erstmals seit seinem Rücktritt Ende 2012 äussert er sich politisch – und tritt gegen das Projekt Liebrüti Domus an.

Sympathisch sei ihm dieser Einsatz nicht unbedingt, betont Heller. «Aber ein Betonsilo ist keine Lösung für Alterswohnungen. Das habe ich auch schon vor drei Jahren gesagt.» Auch nach seiner Amtszeit als Gemeindeammann habe er sich noch einmal mit den Liebrüti-Eigentümern getroffen, so Heller. «Aber ich habe ihnen deutlich gesagt: Ich bin dagegen und ich bleibe dagegen.»

Heller blickt zurück in die Geschichte. «Die Liebrüti wurde mit der bestehenden Höhe akzeptiert, aber der Tenor lautete klar: Sie soll nicht höher werden. Und nun kommt ein Projekt mit einem Turm, der bis zu 12 Meter höher wird als die bestehenden Gebäude.» Und überhaupt: «Man erkennt auf den Fotomontagen diesen Höhenunterschied gar nicht.»

Zurückweisen, nicht ablehnen

Max Heller will zwar den Turm verhindern, in dem 108 neue Wohnungen für Senioren oder junge Erwachsene entstehen sollen.

Er sagt aber auch: «Ich bin nicht gegen eine Weiterentwicklung der Liebrüti. Deshalb muss der Antrag auch zur Überarbeitung zurückgewiesen und nicht abgelehnt werden.» Es gebe auch Varianten ohne den Turm, ist Heller überzeugt. Diese müssten nun eingehend geprüft werden.

Im Dorf stelle er einen gewissen Unmut über das Projekt und die Informationspolitik fest, so Heller, der sich selber ein gutes «Gspüri» attestiert. Deshalb ist er auch zuversichtlich, dass der Antrag zur Zonenplanänderung an der Gemeindeversammlung vom 3. Dezember verworfen wird.

«Ideal für Alterswohnungen»

Ganz anders ist die Gefühlslage bei der ehemaligen FDP-Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer, die lange Zeit selber in der Liebrüti gewohnt hat. «Ich bin in allererster Linie wegen der Alterswohnungen für das Projekt», so Mörikofer, «kommt Liebrüti Domus nicht zustande, sehe ich mittelfristig in Kaiseraugst keine vernünftigen Alterswohnungen.»

Der Wohnturm auf dem Liebrüti sei ideal: «So können die Senioren mit dem Lift Einkaufsmöglichkeiten, Arzt, Zahnarzt und ein Restaurant erreichen. Das kann an keinem anderen Standort gewährleistet werden», führt Stéphanie Mörikofer ihre Gedanken aus.

Und: «Das Projekt ‹Domus› schafft Wohnraum für etwa 160 bis 180 Personen, ohne einen einzigen Quadratmeter Freifläche neu zu überbauen.» Dieser Bevölkerungszuwachs sei für Kaiseraugst durchaus verkraftbar, ist die ehemalige Regierungsrätin überzeugt. Kurz: «Ich persönlich finde es ein gutes Projekt.»

Morgen Donnerstag, 20. November,
findet auf der Liebrüti-Piazza von 18 bis 21 Uhr ein Info-Apéro zum Projekt Liebrüti Domus statt.