Greenacher

Lieber Herr Bühler

Blick auf das Gemeindehaus Möhlin.

Blick auf das Gemeindehaus Möhlin.

Schön, dass Sie auch diesen Samstag geniessen können: Nach dem Aufstehen zwei, drei Kafis im Wintergarten, ein bitzli Zeitung schneuggen, Forellen posten auf dem Wochenmarkt, einen Aperol Spritz beim Italiener runterkippen –«das ist dann ein bisschen wie Ferien», schrieben Sie in Ihrer Kolumne kürzlich in dieser Zeitung.

Nun sind die Ferien allerdings fertig. Aber Sie als pensionierter Gemeindeammann von Stein geniessen laut Selbstdeklaration weiter: Zum Start in den Nachmittag flätzen Sie sich aufs Sofa, dann gehts zum Apéro mit Kollegen und nach dem Nachtessen gibts Television – Herr Bühler im Normalbetrieb.

Sorry also, dass ich Ihnen dieses abwechslungsreiche Rentnerleben versaut habe, wie Sie notieren: «Der Samstag kann einem aber auch gründlich verdorben werden. Wie zum Beispiel unmittelbar vor den Ferien, als mir bei der Lektüre der AZ das Frühstücks-Gipfeli im Halse stecken blieb.»

Achtung, lieber Herr Bühler – und sorry, liebe Bäckersleute! – Gipfeli zum Zmorge, dieses, wenn gut gemacht, krustige, buttrige Plundergebäck ist zwar saumässig gut, aber auch saumässig ungesund. Nun bin ich aber weder ihr Arzt noch ihr Lebensberater – obwohl ein frisches Müesli mit gesunden Beeri und Früchten vom Wochenmarkt unseren Gesundheitskosten und ihrem Cholesterinspiegel lieber wär.

Ich hätte, fabulieren Sie, in meiner Kolumne den Gemeindeammann von Möhlin so richtig in die Pfanne gehauen: «Er hat kein gutes Haar an ihm gelassen und ihn indirekt ermuntert, zurückzutreten.»

Ohweiohwei, Herr Bühler, das ist aber eine grobe Unterstellung, zumal jetzt, wo der Sommer vorbei, das Dolce far niente passé und darum die Faktentreue wieder angesagt ist:

Ich würd mich doch nie getrauen, einen solchen Potentaten zum Amtsverzicht aufzufordern. Nie und nimmer, Herr Bühler, Denken und Handeln sind zwei verschiedene Dinge!

Dass sie als Ex-Amme dem Noch-Amme aber Schiessschutz gewähren, kann ich irgendwie nachvollziehen. Gleich und gleich gesellt sich halt gern. In meiner Gipfeli-bleibt-im-Hals-stecken-Kolumne stand aber auch, dass «Demokratie keine Despoten erträgt».

Willkommen im Klub, Herr Bühler.

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