Das eigene Heim altersgerecht umbauen oder in eine Wohnung ziehen, die diesen Ansprüchen bereits genügt, wird für immer mehr Menschen zur wichtigen Frage im dritten Lebensabschnitt.

«Wir werden gesünder älter», sagt Andre Rotzetter, Geschäftsführer des Vereins für Altersbetreuung im Oberen Fricktal. Eigenständiges Wohnen bis ins hohe Alter ist daher keine Utopie. «Die Zeitspanne, die betagte Menschen in Pflegeheimen verbringen, wird immer kürzer.»

Eine Folge davon ist, dass weniger Pflegebetten benötigt werden, als noch vor wenigen Jahren prognostiziert. Der Kanton Aargau hat in diesen Tagen seinen Richtwert von 23 auf 19,7 Prozent korrigiert. Das heisst, dass für 19,7 Prozent aller 80-Jährigen ein Platz in einer stationären Pflegeeinrichtung zur Verfügung stehen soll. «Aber auch diese Zahl ist noch zu hoch», sagt Andre Rotzetter.

«Mit dem neuen Pflegebettenangebot im Altersheim Klostermatte in Laufenburg sowie im Salmenpark in Rheinfelden sollte der momentane Bedarf im Fricktal gedeckt sein», sagt Rotzetter. Immer mit Vorbehalt kurzfristiger Schwankungen.

«Bereits heute gibt es bei Neubauten von Mehrfamilienhäusern mit mehr als acht Wohneinheiten die Auflage, dass sie altersgerecht gebaut werden müssen», sagt Franco Mazzi, Stadtammann in Rheinfelden. Das Erstellen von Alterswohnungen mit und ohne Zusatzangeboten wie Spitex, Waschservice, Mahlzeitendienst und ähnlichen Dienstleitungen könnte in Zukunft von Interesse für private Bauherren sein, sagt Mazzi.

Alterswohnungen zur Verfügung zu stellen, liege nicht im Auftrag der Stadt. Der gesetzliche Auftrag nach Paragraf 11 Pflegegesetz laute: Die Gemeinden sind zuständig für die Planung und Sicherstellung eines bedarfsgerechten und qualitativ guten Angebotes der ambulanten und stationären Langzeitpflege, sagt Mazzi. «Im Rahmen der Regionalplanung haben wir vor einigen Jahren die ganze Situation Langzeitpflege und Betreuung im Fricktal untersucht. Dabei wurden alle Szenarien dargestellt, die sich durch die demografische Entwicklung im Fricktal ergeben könnten.» Ganz im Sinne von «besser ambulant als stationär» war eine Folge der Evaluation, dass sechs von insgesamt elf Spitexorganisationen im Fricktal zusammengelegt und gestärkt wurden. «Diese Spitex ist heute die grösste Spitex im Kanton, deckt ein Gebiet mit mehr als 51 000 Einwohnern ab und hat den Vorteil, dass sie alle Aufgaben professionell abdecken kann», sagt Mazzi. Damit trage sie massgeblich zum längeren Verbleib in der eigenen Wohnung bei.

Aber ist sie ihrer Aufgabe auch gewachsen, wenn sich in einigen Jahren die Zahl der 65-Jährigen verdoppelt und die über 80-Jährigen sogar verdreifacht hat? Der Vorteil der externen Betreuung liegt für Mazzi in ihrer Flexibilität. «Wir können diese Spitex bis 2030 bedarfsgerecht so aufstocken, dass die Betreuung jederzeit gewährleistet bleibt.»

Beim Verein für Altersbetreuung weiss man, 90 Prozent aller Menschen, die in ein Alters- oder Pflegeheim müssen, tun dies, wenn sie keine andere Wahl mehr haben.