Rheinfelden/Basel Bekleidungsgestaltung
Lernende tragen ihre eigenen Kreationen auf dem Laufsteg

Im Lehratelier für Bekleidungsgestaltung laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Derzeit lernen nur Frauen den Beruf, doch es gibt auch interessierte Männer.

Cornelia Thürlemann
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Katharina (l.) und Nadja (r.), zwei Auszubildende des Lehrateliers, mit Lehrmeisterin Marinette Avondet (Mitte) bei der Arbeit. cth

Katharina (l.) und Nadja (r.), zwei Auszubildende des Lehrateliers, mit Lehrmeisterin Marinette Avondet (Mitte) bei der Arbeit. cth

Manuel Lüdin (15) aus Zeiningen näht zwei Stoffstücke zusammen und probiert verschiedene Stiche aus. Manuel macht eine einwöchige Schnupperlehre im Lehratelier für Bekleidungsgestaltung in Rheinfelden. Neben ihm liegt die Bleistiftzeichnung eines Frauenkörpers, die er diese Woche angefertigt hat. «Seit ich klein bin, zeichne ich gerne», erzählt Manuel.

Er mag Sendungen wie «Shopping Queen» und interessiert sich für die Arbeiten des Modedesigners Harald Glööckler. Mit seiner Mutter suchte er nach Berufen, bei denen er seine Fähigkeiten, die Freude am Zeichnungen und Gestalten, einbringen kann. Sie stiessen auf den Beruf des Bekleidungsgestalters, früher Schneider genannt. Darauf bewarb sich Manuel für die Schnupperlehre.

Drei bis Ausbildungsplätze pro Jahr

Marinette Avondet, Leiterin des Lehrateliers und ausgebildete Modedesignerin, gibt Manuel Aufträge, bei denen er überprüfen kann, ob ihm die Arbeit gefällt, ob er über das nötige handwerkliche Geschick, Ausdauer und Kreativität verfügt und ob ihm die Umgebung gefällt. Das Lehratelier für Bekleidungsgestaltung am Berufsbildungszentrum in Rheinfelden bietet pro Jahr drei bis vier Ausbildungsplätze an. Die Berufslehre dauert drei Jahre.

Manuel Lüdin wäre nicht der erste männliche Jugendliche im Rheinfelder Lehratelier. Bereits vor zwei Jahren hat hier ein junger Mann hier die Lehre zum Bekleidungsgestalter abgeschlossen. «Ausschlaggebend ist nicht das Geschlecht, sondern die Motivation und Begeisterung für den Beruf», betont Lehrmeister Avondet. «Für mich ist wichtig, dass die jungen Menschen entschlossen sind, diesen Beruf zu erlernen.»

Eigene Ideen umsetzen

Manuel fühlt sich im Lehratelier wohl. «Ich wurde sehr gut aufgenommen.» Das Lehratelier-Team ist gerade mitten in den Vorbereitungen zu einer Modeschau. Am Freitagabend, 26. September, werden sie im Herrenmodefachgeschäft «Herrenstolz» in Basel ihre Kreationen zeigen. Alle Auszubildenden nähen auf die Modeschau hin eigene Kreationen nach ihren Massen, die sie dann gleich selber präsentieren werden. Die Erstlehrjahr-Lernende Madeleine hat sich für einen schwarzen Wolljupe mit gehäkeltem Spitzenabschluss und einem roten Jersey-Pulli entschieden, Valerie für ein Mantelkleid in hellem Jeans-Stoff. Joana für eine rosa Bluse mit einem speziellen Kragen. Rahel näht eine klassische Bundfaltenhose kombiniert mit einer ärmellosen Bluse.

Die Modeschau ist für die Auszubildenden ein Lernfeld, in dem sie alle Schritte bei der Entstehung eines Kleidungsstücks selber umsetzen. Auf dem Laufsteg erfahren sie gleich, wie ihre Kreation beim Publikum ankommt. «Zuerst haben wir recherchiert, was diesen Herbst Mode wird. Als Zweites haben wir einen Zeitplan erstellt, ein eigenes Kleidungsstück entworfen, Kosten kalkuliert, den Stoff eingekauft, Mass genommen, und mit dem Nähen begonnen», berichten die Lernenden. «Die Arbeit ist eine Herausforderung, aber es macht grossen Spass, bereits zu Lehrbeginn ein eigenes Outfit entwerfen und realisieren zu können.» Bei Schwierigkeiten und Fragen hilft Lehrmeisterin Avondet, die Hürden zu nehmen. Sie gibt Inputs, stellt Fragen, sitzt hin und zeigt vor. Nach dieser eigenen Arbeit für die Modeschau werden die Lernenden erste Auftragsarbeiten übernehmen.

Theater, Mode, Industrie und Handel

«Der Beruf Bekleidungsgestaltung bietet auch heute tolle Zukunftsperspektiven. Voraussetzung dafür sind Leistungsbereitschaft, Interesse und Flexibilität», erklärt Avondet. «Für viele Stellen in dieser Branche braucht es die Bereitschaft, einige Zeit im Ausland zu arbeiten.» Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig. In der Schweiz bietet die Schweizerische Textilfachschule (STF) in Zürich, Wattwil und St. Gallen eine Vielzahl anspruchsvoller und spezialisierter Studiengänge und Kurse an, dies in den Bereichen Mode, Stoffe und Marketing.

Weiter gibt es Fachhochschule-Studiengänge mit dem Abschluss Bachelor of Arts in Produkt- und Industriedesign oder Konservierung-Restaurierung. Beliebt ist auch der Arbeitsort Theater. Wer wie Manuel Lüdin Interesse an einer Schnupperlehre als Bekleidungsgestalter oder Bekleidungsgestalterin hat, kann sich übrigens direkt bei Marinette Avondet melden. Sie ist unter der Telefonnummer 061 273 82 82 erreichbar.