Fricktaler Gemeindeseminar

Leistungsgrenze erreicht: Mehr Zusammenarbeit oder Fusionen im Fricktal?

Blick vom Cheisacherturm im Fricktal im Grenzgebiet von Gansingen, Laufenburg, und Mönthal. (Archiv)

Blick vom Cheisacherturm im Fricktal im Grenzgebiet von Gansingen, Laufenburg, und Mönthal. (Archiv)

An einem Gemeindeseminar haben sich Fricktäler über Vor- und Nachteile von mehr Zusammenarbeit oder Fusionen informieren lassen. Die regionale Zusammenarbeit dürfte tendenziell zunehmen. Beim Fusionieren sind Information und Kommunikation wesentlich.

«Das Thema Zusammenarbeit bis hin zur Fusion wurde auf vielfachen Wunsch aus den Mitgliedsgemeinden aufgenommen», erklärte Hansueli Bühler, Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio. Lange Zeit sei das Thema für den Planungsverband ein Tabu gewesen. «Die Gemeinden wollen sich nicht von oben her etwas diktieren lassen.»

Die Sicht des Kantons zeigte Yvonne Reichlin, Leiterin der Gemeindeabteilung auf. Gründe für eine Zusammenarbeit können unter anderem das Ausnützen von Kosten- und Qualitätsansprüchen sein. «Einer der wichtigsten Gründe ist das Erreichen der Leistungsgrenze», so die Referentin.

Zu den verschiedenen Formen der Gemeindezusammenarbeiten gehören unter anderem Verbände. «Im Aargau gibt es insgesamt 179 davon, die meisten im Bereich Abwasserversorgung, Schule und Zivilschutz», nannte Reichlin eine eindrückliche Zahl. Im Aargau gehören die Gemeinden durchschnittlich zwischen vier bis acht Verbänden an. Reichlin machte dazu auch deutlich: «Nicht nur der Kanton verlagert Aufgaben an die Gemeinden. Die gebundenen Ausgaben in den Gemeindebudgets werden auch stark durch Verbände beeinflusst.»

Die Sicherstellung der Aufgabenerfüllung wie auch die Verstärkung der regionalen Entwicklungsperspektive können vor allem für kleinere Gemeinden bei einer Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg ebenfalls ein Gewinn sein. Als nachteilig bezeichnete Yvonne Reichlin bei Zusammenarbeiten den Autonomieverlust der Gemeinde, bei nicht guter Überprüfung eine Verselbstständigung der Kosten oder aber auch längere und komplexere Entscheidungswege. In ihrem Fazit erklärte die Rednerin, dass die Intensität der Zusammenarbeit in Zukunft weiter zunehmen werde und: «Die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit ist steigend.» Tendenziell werde der Trend zu Gemeindezusammenschlüssen zunehmen.

Schweizweit positioniert sich der Aargau was Gemeindezusammenschlüsse anbelangt an 14. Stelle «Der Aargau ist damit nicht der Dynamischste», so Lukas Rühli, Mitglied des Kaders von Avenir Suisse in seinem Referat. Das Fricktal hat im Bereich Fusionen in jüngerer Vergangenheit durchaus Dynamik bewiesen. Im Vergleich zu anderen Regionen, kantonal wie gesamtschweizerisch falle das Fricktal durch seine durchschnittlich kleine Bevölkerungszahl pro Gemeinde auf.

Information und Kommunikation

Hans-Rudolf Galliker hat als Projektleiter den grossen Gemeindezusammenschluss im Glarnerland begleitet. Eindrücklich zeigte er den Teilnehmern des Fricktaler Gemeindeseminars in seinen Ausführungen den nicht immer einfachen Weg zum «neuen Kanton mit seinen drei neuen Gemeinden» auf. Er machte auch deutlich, wie wichtig Information und Kommunikation dabei sei. Eine gute Kommunikation brauche es ebenfalls nach dem Start einer Fusionsgemeinde.

Das bestätigte auch Peter Weber, Gemeindepräsident der seit 2010 bestehenden Fusionsgemeinde Mettauertal (fünf Partner). «Der Strukturprozess kommt erst nach erfolgtem Zusammenschluss. Es sind sehr intensive Aufgaben.» Eine Fusion sei eine sehr emotionale Sache. Für viele bedeute es den Verlust von Identität und Eigenständigkeit. «Mettauertal war noch nie so eigenständig wie heute», zeigte Weber auf, dass sich der Zusammenschlussschritt für die fünf Talgemeinden gelohnt habe.

Markus Leimbacher, der als Projektleiter verschiedener Fusionen über die Chancen und Risiken bei Zusammenschlüssen hätte referieren sollen, musste sich krankheitshalber kurzfristig vom Fricktaler Gemeindeseminar abmelden. An seiner Stelle berichtete Hansueli Bühler in seiner Funktion als Gemeindeammann von Stein über das Projekt «Gemeinden mittleres Fricktal».

Stein, Mumpf, Obermumpf und Schupfart klären zurzeit gemeinsam ab, was die Zukunft für ihre vier Gemeinden bringen soll. Die acht Arbeitsgruppen haben mittlerweile ihre Berichte Projektleiter Markus Leimbacher zukommen lassen. Dieser wird nun als nächsten Schritt anhand dieser Berichte das weitere Vorgehen mit den vier beteiligten Gemeinden diskutieren.

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