Möhlin
Lehrertheater macht den Biedermann: Doppelmoral und viel Haarwasser

Das Lehrertheater Möhlin wagt sich an das Stück «Biedermann und die Brandstifter» von Max Frisch. Mit Erfolg – wie der anhaltende Applaus bei der Premiere zeigt.

Ingrid Arndt
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Biedermanns (Martina Cola und Benny Zingg, links) essen mit den Brandstiftern (Christine Walser und Hans Nassi).Ingrid Arndt

Biedermanns (Martina Cola und Benny Zingg, links) essen mit den Brandstiftern (Christine Walser und Hans Nassi).Ingrid Arndt

Mit der Inszenierung des anspruchsvollen Theaterstückes «Biedermann und die Brandstifter» von Max Frisch (1911-1991) hat sich das Lehrertheater Möhlin unter Regie von Dieter Schlachter an die grosse Schweizer Literatur herangewagt – wie der anhaltende Applaus nach der Premiere am Samstag zeigte, mit Erfolg.

Ideenreich war die Umsetzung in der Bühnengestaltung mit sparsamer Kulisse, treffsicher die Gestik sowie die knappe, ausdrucksstarke Sprache der Darstellerinnen und Darsteller. Das Stück, 1958 uraufgeführt, ist eine ironisch-politische Burleske, die biedermännische, spiessige «Wohlanständigkeit» und Doppelmoral bitterböse humorvoll aufs Korn nimmt. Komisch und makaber zugleich.

Der Patriarch, der sich nicht traut

Zur Handlung: Gottlieb Biedermann (Benny Zingg), wohlhabender Haarwasserfabrikant, meidet nichts mehr im Leben, als in konkreten Situationen klar Stellung zu beziehen. Er will seine Ruhe, ist ein Paradebeispiel für ängstliche Doppelmoral. Kaltherzig schmettert er so die Witwe Knechtling (Daria Würz) ab, die Frau eines seiner Angestellten, der aus Verzweiflung über seine Entlassung Selbstmord beging. Anbiedernd unsicher zeigt er sich dagegen gegenüber den beiden Brandstiftern, der bauernschlauen Ringerin Schmitz (Christine Walser) und dem sich höflich gebenden, aber bedrohlich dreisten Eisenring (Hans Nassi).

Geschickt bringen die beiden ihn dazu, ihnen ein Nachtlager auf seinem Dachboden zu geben. Und das, obwohl er ahnt, wer die beiden sind – er weiss, dass es in der letzten Zeit in seiner Stadt ständig brennt und die zwei kein Geheimnis daraus machen, was sie vorhaben. Biedermann zeigt sich als Künstler im Verdrängen.

Seiner wenig selbstbewussten Frau Babette (Martina Cola) gegenüber argumentiert er, man müsse sich mit diesen Bösewichten gut stellen, um nicht selbst Opfer zu werden. Barsch herrscht er sein Dienstmädchen Anna (Sandra De Minico) an, ein abendliches Gelage mit Schmitz und Eisenring herzurichten. Wortlos akzeptiert Biedermann auch, als ein dritter, wortkarger Kumpan (Nadine Condor) seinen Dachboden bezieht.

Skrupellos um sein eigenes Wohl bedacht, belügt der Haarwasserfabrikant einen Polizisten (Jakob Heinz), der wissen will, was in den Fässern auf dem Dachboden ist. Feige macht er sich sogar zum Handlanger der Brandstifter, indem er ihnen in dummer Ignoranz die Streichhölzer zum Anzünden seiner eigenen vier Wände gibt. Immer nach dem Motto: Was nicht sein darf, das ist auch nicht.

Polizistenchor in der Hölle

Staunend landet Biedermann mit seiner Frau barfüssig in der Hölle. «Warum in der Hölle?», fragt er anmassend und selbstgefällig, «wir waren doch immer die Guten!?» Wohlig angenehm wird es dort für ihn jedenfalls nicht, der ruppige Beelzebub (Hans Nassi), die zierlich verführerische Meerkatze (Nadine Condor) und eine weitere Figur (Christine Walser) heizen ihm ordentlich ein. Herrlich gelungen dieser Abstieg in die Unterwelt, hintersinnig die Dialoge, unbequem so manche Wahrheiten. Nach dem Vorbild alter griechischer Tragödien umrahmte der Chor der Polizisten (Daniel Zingg, Jakob Heinz, Nadine Condor) begleitend die Handlung.

Weitere Aufführungen im Club Haus Bata

Möhlin, jeweils 20.15 Uhr:
Mittwoch, 24. August,
Freitag, 26. August,
Samstag, 27. August,
Mittwoch, 31. August,
Freitag, 2. September,
Samstag, 3. September,
Mittwoch, 7. September,
Freitag, 9. September,
Samstag, 10. September,
Mittwoch, 14. September,
Freitag, 16. September,
Samstag, 17. September.