Das Schuljahr hat nicht nur für die Heilpädagogin Patricia Renggli-Moser aus Lenzburg wieder begonnen. Auch für Border Collie Sisco sind die Ferien zu Ende. Denn er ist ein fester Bestandteil des Unterrichts, zuweilen ist auch der einjährige Rüde Miro mit von der Partie.

«Es ist nicht so, dass ich keinen Hüteplatz für Sisco und Miro gefunden hätte und ich sie deshalb mitnehme», schmunzelt die sympathische Lehrerin, «mein neunjähriger Rüde und ich sind ein Team und wir wurden seinerzeit, als ich mich um eine Klassenlehrerstelle beworben hatte, quasi zusammen eingestellt. Sisco ist dort dabei, wo er unterstützend wirken kann, ist also nicht täglich am Arbeiten. Die Eltern der betroffenen Kinder sind jeweils informiert, da er zum Beispiel bei Schülern mit Allergien nicht eingesetzt werden kann. Zwischen den Stunden darf auch der schwarze Border Collie sich erholen und etwas Abstand vom Trubel nehmen. Er hat dafür eigens sein Körbchen in einem ruhigen Zimmer. Er befindet sich nie alleine auf dem Schulareal.

Hund ist im Schulzimmer präsent

Therapiehunde sind vielerorts einsetzbar. Sie besuchen Spitäler, Senioren- und Pflegeheime, Institutionen für Menschen im Strafvollzug oder eben Schulen wie Patricia Renggli-Moser und ihr Sisco. In Frick betreuen sie drei Klassen. Nebst dem Vermitteln des Schulstoffes begleiten die Beiden Kinder mit besonderen Bedürfnissen. «Hunde bauen Brücken, und motivieren. Die Schüler lernen unbewusst, Rücksicht zu nehmen, denn Kinder können oft besser beobachten als Erwachsene und gehen vorbehaltlos auf das Tier zu», ist Renggli-Moser überzeugt. «So gibt es viel weniger Streit, wenn Sisco und Miro, der seinen Künstlernamen übrigens seiner einzigartigen Fellstruktur verdankt, dabei sind.»

Im Klassenzimmer ist Sisco selten sichtbar präsent. Meistens liegt er in der Nähe der Heilpädagogin und beeinflusst die Situation mit treuherzigen Blicken oder kurzem Umhergehen und Schnuppern, bevor er sich wieder hinlegt. In der Einzelsituation kann Sisco gezielt eingesetzt werden. Spielanlässe mit dem Hund wie «Goodies» verstecken und «Parcours» bauen, verlangen von den Kindern Einfühlungsvermögen und die Überwindung von Ängsten. Die dabei gemachten Beobachtungen über das Verhalten von Sisco und dessen Körpersprache sind gute Erfahrungen für erlebte Sprech- oder Schreibanlässe. Ängstlichen Kindern fällt es gelegentlich leichter, sich einem Hund anzuvertrauen, als der Lehrerin Geschichten zu erzählen. In solchen Situationen nimmt der Hund motivierend Einfluss auf die pädagogisch geplante Gesprächssituation.

«In einem Fall von ganz grosser Tierliebe», vermutet die Heilpädagogin lachend, «ging es gar so weit, dass ein Schüler zuweilen mit Absicht über die Stränge schlug, um beim Nachsitzen noch zusätzliche Zeit mit den Hunden verbringen zu dürfen.»

Ideale Situationen für den Einsatz der Hunde sind auch Klassenausflüge oder der Heimattag. Da drängen sich die Kinder geradezu auf. Und nicht Wenige vergessen ihre eigene Müdigkeit, wenn sie Sisco an der Leine führen dürfen, wenn Sisco mit der Klasse mitgeht.

Schule für Hund und Frauchen

Seit frühester Kindheit lebt und arbeitet Patricia Renggli-Moser mit Hunden. Mit ihrem ersten Gefährten ging sie regelmässig zum Agility-Training. Auch Sisco und der Mudi (ungarischer Hirtenhund) Miro betreiben Agility und den Begleithundesport.

Als Sisco ungefähr zweieinhalb Jahre alt war, drückte er gemeinsam zusammen mit seiner Besitzerin nochmals die Schulbank, um sich zum Therapiehund ausbilden zu lassen. Diese Schulungen werden vom Verein Therapiehunde Schweiz durchgeführt und bestehen aus einem Eintrittstest, einer Theorieprüfung und einer mehrteiligen praktischen Prüfung mit Aufgaben zur Hundeerziehung, Ablenkbarkeit des Hundes sowie passendem Verhalten gegenüber fremden Menschen und anderen Hunden. Wichtigste Voraussetzungen, die ein Tier mitbringen muss, um den Aufnahmetest zu bestehen, sind Nervenstärke, Belastbarkeit, die Fähigkeit, ihre Rangordnung im Menschenrudel zu akzeptieren und sich am Hundeführer zu orientieren sowie Kontrollierbarkeit ihres Jagdinstinkts.

Zudem müssen Führer und Hund seit mindestens einem Jahr zusammen sein, da Mensch (Halter) und Hund bei der Ausbildung zu einem Team geformt werden. Beim Eintrittstest wird geprüft, ob das Tier von einer fremden Person geführt werden kann, keine heftigen Reaktionen auf unerwartete Geräusche zeigt, kein aggressives und übermässig beschützerisches Verhalten aufweist und es schafft, einige Minuten unangeleint sitzen oder liegen zu bleiben, wenn der Hundeführer sich entfernt hat.

100-prozentige Betreuung

«Grundsätzlich eignet sich jede Rasse, um mit Kindern zu arbeiten», erklärt die Pädagogin. «Unabdingbar ist, dass sie von jemandem geführt werden, der etwas davon versteht und sich mit dem Tier auseinandersetzt». Denn sowohl Hunde wie auch Kinder bedürfen 100-prozentiger Betreuung und müssen jederzeit geführt werden. So auch bei ihr zu Hause im Umgang mit der knapp zweijährigen Tochter Elea. Dort gibt es klar abgegrenzte Bereiche, wo Kind und Hund gegenseitig ihre Freiräume haben.

Sowohl für die Kinder wie auch für alle Hunde wünscht sich Patricia Renggli-Moser, das stets jemand für sie da ist, der sie auffängt, ihnen Struktur gibt und ihre Gefühle ernst nimmt, denn zuweilen sind gute Schulnoten nur zweitrangig.