Rheinfelden

Leere Gewerbeflächen: Sie schaden der Stimmung in der Altstadt

In Rheinfelden gibt es in der Altstadt nach wie vor viele Ladenflächen, für die sich keine Mieter finden. Pop-up-Stores sind bei den Liegenschaftsbesitzern unerwünscht.

Augenschein in Rheinfelden. Durch die Marktgasse schlendern an diesem grauen Montagmorgen nur wenige Passanten. Ein Pärchen macht kurz vor einem grossen Fenster halt, hinter dem die ehemalige Modekette OVS noch bis vor 15 Monaten ihre Kleidung zur Schau stellte. Weil ein Jahr nach der OVS-Schliessung die Besitzer noch immer keinen Mieter fanden, reichten sie im August ein Baugesuch ein, um die Ladenfläche zu verkleinern.

Die Räumlichkeiten in der Marktgasse 25 bis 27 sind nicht die einzigen in der Altstadt, bei denen es Schwierigkeiten bei der Mietersuche gibt. Bei einem Gang vom Storchennestturm zur alten Rheinbrücke trifft man derzeit auf sechs oder sieben verwaiste Ladenlokale.

«An der unzufriedenstellenden Lage von vor zwei Jahren hat sich nicht viel verändert», konstatiert Raymond Keller, Präsident des Gewerbevereins Rheinfelden. Zudem wird bald eine weitere Ladenfläche in der Marktgasse frei, weil sich ein Gewerbetreibender ein kleineres Lokal sucht. «Je mehr Laden-Lokale leer stehen, desto unattraktiver wird es für potenziell interessierte Gewerbetreibende, sich in solch einen einzumieten», sagt Keller.

Pop-up-Stores sind nicht erwünscht

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, verfolgt Keller die Idee, in den leeren Läden sogenannte Pop-up-Stores – provisorische Einzelhandelsgeschäfte, die vorübergehend in leerstehenden Geschäftsräumen betrieben werden – einzurichten.

«Die Liegenschaftsbesitzer stellen sich gegen die Idee, welche die Altstadt sicher beleben würde, jedoch quer. Der Leerstand schadet der Stimmung und der Frequenz», sagt Keller.
Darüber hinaus prangert er an, dass die Besitzer an zu hohen Mietpreisvorstellungen festhielten, was potenziell interessierte Gewebetreibende vergraule.

«Kommt hinzu, dass es die starke Konkurrenz aus dem Online-Handel den Detaillisten nicht gerade einfacher macht, den notwendigen Umsatz zu erwirtschaften», sagt Keller. Ein weiterer erschwerender Faktor sei die Nähe zu Basel mit einem immensen Angebot an Detailhändlern.

Daniel Jetzer, Immobilienfachmann aus Rheinfelden, sieht es etwas anders. «Den Tiefpunkt von vor zwei bis drei Jahren haben wir überwunden», sagt er. Er verweist dabei etwa auf einen Friseurladen, der Fuss gefasst habe, auf das Eiscafé Mona Lisa, das im September eröffnete und damit die Frequenz der Passanten in der Altstadt erhöhte.

«Auch das Angebot des Donut-Ladens, der eher das jüngere Publikum anspricht, ist für die Altstadt eine gute Sache», sagt Jetzer. Gemäss Jetzer seien die Preise, die in der Marktgasse verlangt werden, marktkonform. So sind die Preise für Verkaufsflächen auch vom allgemeinen Immobilienpreisniveau abhängig und dieses steigt mit der geografischen Nähe zu Basel.

«Finden sich keine Interessenten, dann werden die Liegenschaftsbesitzer die Preise mit der Zeit senken. Ein Laden, so Jetzer, könne in Rheinfelden durchaus gut funktionieren, sofern er das richtige Sortiment anbiete.

Bei Rheinfelden handelt es sich um einen Ort, an den es relativ viele Touristen ziehe. «An einem Ausflug in die Altstadt ist so manch einer der Touristen gerne bereit, auch mal etwas tiefer in die Tasche zu greifen.»

Autor

Dennis Kalt

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