Lebensmittel
Sie hoffen darauf, dass der Run auf Bio die Coronakrise überdauert

Die Pandemie hat der Biobranche einen Schub verpasst. Aber wie anhaltend ist der Trend? Schlägt das Pendel zurück, je länger das Virus bleibt? Noch profitieren Grossverteiler und Bioläden vom Trend zur Öko-Kost. Ihnen ist aber klar: Der Preisdruck ist schon zuhause riesig. Und die Grenze ins billigere deutsche Ausland steht auch wieder offen.

Hans Christof Wagner
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Linda (29) und Manuel Schmutz (31) betreiben den Laden Bio Peter in Frick.

Linda (29) und Manuel Schmutz (31) betreiben den Laden Bio Peter in Frick.

Hans Christof Wagner (7. Januar 2021)

Bei dieser Frage muss Linda Schmutz schmunzeln. Gehen Ingwer und Zitrone immer noch in den rauen Mengen über den Ladentisch? «Nicht mehr so massiv, aber beides wird immer noch gern gekauft», sagt die 29-Jährige, die mit Bruder Manuel Schmutz (31) den Laden Bio Peter in Frick betreibt. Hinter beiden liegen turbulente und arbeitsreiche anderthalb Jahre – Jahre, in denen die als Immunabwehr-Booster geltenden Zitrone und Ingwer sich megagut verkauften. Nicht dass beides gegen das Virus immunisiert. Und doch sagt Linda Schmutz:

«Dass gesunde Ernährung ihren Beitrag zu mehr Resistenz gegenüber dem Coronavirus leisten kann, war plötzlich in vielen Köpfen präsent.»

Neue Gesichter tauchten in ihrem Fricker Laden auf. Es waren Kunden, die Bio neu für sich entdeckten, nicht mehr nur die Hardcore-Ökos. Es waren Konsumenten, denen der Einkauf in den nahen deutschen Bioläden aufgrund der Grenzschliessung verwehrt war. Raphaël Carmeli, Inhaber des Bioladens L‘Ultimo Bacio in Rheinfelden, erinnert sich:

«Ich machte in den drei Monaten des Lockdowns 2020 so viel Umsatz wie noch nie in meinen jetzt 38 Berufsjahren.»

Kam ihnen die erste Grenzschliessung entgegen, macht die seit Mai wieder mögliche quarantänefreie Einreise nach Deutschland und der damit verbundene Einkaufstourismus den Fricktaler Bioläden zu schaffen. «Das spüren wir derzeit am meisten», sagt Linda Schmutz. Bio hat eben auch seinen Preis. «Und mit dem günstigeren Sortiment deutscher Alnatura-Märkte wie beispielsweise in Bad Säckingen können sie preislich nicht mithalten. Schliesslich ist ein Grossteil des Biobooms auch den Schweizer Grossverteilern zugutegekommen. Coop-Mediensprecherin Melanie Grüter teilt mit:

«Der Umsatz mit Bioprodukten wuchs bei Coop 2020 mit 210 Millionen Franken erneut stark an und erreichte über zwei Milliarden Franken insgesamt.»

Coop führe das grösste Biosortiment im Schweizer Detailhandel und baue es laufend aus. Auch Migros setzt laut Sprecherin Andrea Bauer auf noch mehr Bio und will gleichzeitig auch noch die Preise dafür senken.

Werden Fricktaler Bioläden dauerhaft zu den Coronagewinnern gehören? Oder wird ihr Kundenstamm auf den Vor-Pandemie-Stand zurückfallen? «Es ist noch zu früh, um beurteilen zu können, wie anhaltend der Biotrend wirklich ist. Momentan bin ich noch skeptisch», sagt Linda Schmutz. Sie hofft darauf, dass die «Geiz-ist-geil-Mentalität» nicht vollends zurückkehrt. Carmeli ist sich darüber im Klaren: «Der Riesenrun wie noch Anfang 2020 ist vorbei.» Aber: «Auf das Vor-Corona-Niveau ist der Umsatz bisher nie zurückgegangen.» Und Carmeli sieht neben Bio einen zweiten Trend – den zu mehr Nähe beim Einkaufen. So sieht er sich mit seinem kleinen Quartierladen am Rheinfelder Obertorplatz für die Zukunft gut aufgestellt.

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