Wölflinswil, Münchwilen, Mumpf und Hornussen gehören laut einer Liste des Kantons zu den Gemeinden, die keine Flüchtlinge aufnehmen. Die Publikation der Liste hat in den betroffenen Gemeinden hohe Wellen geworfen. «Wir hatten Reaktionen von Einwohnern, die darob verunsichert waren», sagt der Hornusser Gemeindeschreiber Markus Schlatter.

Er konnte die Gemüter beruhigen: Wie eine Nachfrage bei den betroffenen Gemeinden zeigt, weigern sie sich keinesfalls, Flüchtlinge bei sich unterzubringen. Es gibt überall eine Erklärung, weshalb sie auf der Liste erscheinen.

 

Angefangen beim Fall Wölflinswil: Vier Plätze müsste die Gemeinde gemäss Kantons-Liste bieten. «Und das tun wir auch», sagt Gemeindeammann Köbi Brem. An der Gemeindeversammlung im Herbst genehmigten die Stimmberechtigten einen Kredit für die Renovation der gemeindeeigenen Wohnung im alten Gemeindehaus.

Diese wurde bis anhin als Sozialwohnung genutzt. Seit der Renovation Anfang des Jahres stehe sie für Flüchtlinge bereit. Gemäss Brem hätten eine vierköpfige Familie oder sechs Einzelpersonen Platz. «Wir warten nur noch auf die Zuteilung durch den Kanton», sagt Brem. Diese folgt voraussichtlich im Mai.

Es drohen hohe Kosten

Keine Flüchtlinge aufzunehmen und sich stattdessen von der Aufnahmepflicht freizukaufen, sei nie zur Diskussion gestanden, erklärt Brem weiter. «Wir haben es schon immer für sinnvoll gehalten, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Integration funktioniert in einem Dorf sicher besser als in einem grossen Flüchtlings-Zentrum.»

Ausserdem: Die Renovation der Wohnung sei schnell amortisiert, rechne man sie gegen die Gebühren auf, welche der Gemeinde drohen, sollte sie ihre Pflicht nicht erfüllen. Ab Juni wären das 110 Franken pro Tag und Person.

Gebühren, die man in Münchwilen und Mumpf unbedingt umgehen will. Auch die Gemeinden im mittleren Fricktal sind auf der Liste des Kantons gelandet. «Dabei nehmen wir schon seit Monaten Flüchtlinge auf», sagt der Münchwiler Gemeindeammann Willy Schürch.

Die Erklärung, weshalb Münchwilen trotzdem auf der Liste steht: Die Asylsuchenden, die im Herbst in die Wohnung im ehemaligen Restaurant Post zogen, haben inzwischen den Status gewechselt. «Sobald sie eine neue Wohnung gefunden haben, nehmen wir wieder neue Flüchtlinge auf», sagt Schürch.

Kooperation nicht berücksichtigt

Mumpf erfüllt seine Pflicht derweil momentan gleich doppelt. Vier Flüchtlinge müsste die Gemeinde aufnehmen. Dank Abkommen mit Schwaderloch (noch bis Ende Juni) und Schupfart bringt sie derzeit aber sogar acht Flüchtlinge unter.

Eine ähnliche Lösung hat Hornussen gefunden: Die Gemeinde arbeitet im Bereich Asyl mit Bözen und Elfingen zusammen. In einer Liegenschaft im Oberdorf in Bözen sind aktuell fünf Tibeter untergebracht. Damit erfüllt auch Hornussen seine Pflicht.

Die beiden Kooperationen wurden bei der Liste des Kantons aber bis anhin nicht berücksichtigt. Die gute Nachricht für die Fricktaler Gemeinden: Zahlen müssen sie nicht – Liste hin oder her.