Laufenburg
Zu Besuch beim Druiden in der Altstadt: «Wenn wir die Erde bestehlen und hintergehen, passieren so Sachen wie jetzt»

Seit knapp 20 Jahren übt Peter Widmer in Laufenburg seine Tätigkeit als Druide aus. Er verwendet verschiedene Bezeichnungen dafür, aber im Kern geht es ihm nur um eines: um Achtsamkeit. Gerade auch in diesen Coronazeiten.

Peter Schütz
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Druide Peter Widmer in seinem Laden vor verschiedenen Heilsteinen.

Druide Peter Widmer in seinem Laden vor verschiedenen Heilsteinen.

Peter Schütz

Der Druide holt das Wasser für den Tee am Wasenbrunnen. «Das ist Quellwasser», sagt er, «für den Tee ist es weicher. Und wenn man schon einen Brunnen vor der Tür hat …»

Peter Widmer hat lange gebraucht, bis er sich getraut hat, sich Druide zu nennen. Bei verschiedenen Schamanen, von denen er sich hat ausbilden lassen, ist er auf das Keltentum und dessen Druiden gestossen. Daraufhin hat er in der keltischen Kultur und Geschichte seine Wurzeln gefunden. Auf diese richtet er seine Heil- und Lehrtätigkeit aus.

Als räumliche Basis dient ihm das Druidenhaus. Am 2.2.2002 hat er es eröffnet. Zuerst befand es sich am Laufenplatz, seit Oktober 2013 betreibt er es in einem ehemaligen Ladenlokal am Wasenbrunnen in der Laufenburger Altstadt.

Jahrelang dem Business hinterhergelaufen – bis zum Bruch

Sein Weg zum Druiden war lang und verschlungen. Peter Widmer ist nach eigener Darstellung «jahrelang dem Business nachgelaufen». Hat eine Kaderausbildung absolviert, hat die ersten 20 Jahre Arbeit in der Wirtschaft als sozial empfunden, doch dann kam der Bruch. Er blickt zurück:

«Es ist unmenschlich geworden, fernab vom partizipativen Führungsstil.»

Widmer wollte Mitarbeiter, «aber die studierten Betriebswirtschafter wollten Personal, Human-Ressourcen. Das war für mich nicht mehr stimmig, da habe ich mir gesagt, dass jetzt genug ist und ich nicht mehr mitmache».

Er stieg aus, versuchte sich in anderen Sparten, wurde arbeitslos, lernte damals auch die Praktiken des RAV (Regionale Arbeitsvermittlungszentren) kennen und gelangte zur Post, nach kurzer Zeit wieder in eine Führungsposition.

Trotz wirtschaftlicher Engpässe Schritt zur Selbstständigkeit nie bereut

Eines Tags hatte er sich mit einer Freundin im südlichen Schwarzwald auf die Suche nach einer Schamanentrommel aufgemacht und stiess auf einen Teeladen am Grenzübergang in Laufenburg. Er erfuhr, dass die Ladenbetreiberin ihr Geschäft aufgeben will und einen Nachfolger suchte. Das war 2001.

Peter Widmer folgte einer Eingebung: Er übernahm den Laden und machte sich selbstständig – ein radikaler Schritt, den er trotz gelegentlicher wirtschaftlicher Engpässe nie bereut hat. Den Tee hat er im Sortiment behalten, diesem aber noch viele andere Artikel – Heilsteine, Kräuter, Fachbücher – hinzugefügt.

Peter Widmer vor seinem Ladenlokal am Wasenbrunnen in der Laufenburger Altstadt.

Peter Widmer vor seinem Ladenlokal am Wasenbrunnen in der Laufenburger Altstadt.

Peter Schütz

Den Kern seiner Tätigkeit bildeten von Anfang an Seminare und Kurse. Sie bietet er heute noch an: Intuitions-Training, Tarot-Kurs, Heilsitzungen, Hypno-Coaching, Bewusstseins-Seminare.

«Wir benehmen uns wie der Elefant im Porzellanladen»

Peter Widmer, er wird nächsten Monat 66 Jahre alt, verwendet verschiedene Bezeichnungen für seine Tätigkeit, aber im Kern geht es ihm nur um eines: um Achtsamkeit. Achtsamkeit sich selbst sowie der Natur gegenüber.

«Wir Menschen sind ein Teil der Natur», erklärt er, «wenn wir in einer guten Koexistenz mit ihr leben, wenn wir uns anständig benehmen wie ein Gast, haben wir alles, was wir brauchen und es langt für alle». Aber er sagt:

«Wenn wir die Erde bestehlen und hintergehen, passieren so Sachen wie jetzt.»

Corona habe gezeigt, wie sehr die Gesellschaft auf Konsum aus ist, sich ablenken, sich unterhalten, beziehungsweise unten-halten lässt. Das entspricht nicht seiner Vorstellung vom Gast, fügt er hinzu. «Wir benehmen uns wie der Elefant im Porzellanladen», meint er, «obwohl wir nur eine vergleichsweise winzige Zeitspanne auf der Erde verbringen».

Seine Aufgabe sieht er darin, bewusst zu machen, «woher wir kommen, wohin wir gehen». Corona, die Lockdowns, haben ihm wirtschaftlich zugesetzt. Trotzdem: Peter Widmer freut sich am blauen, kondensstreifenfreien Himmel, überhaupt an der Natur, die sich wieder erholt. «Wir werden eingeschränkt, aber es ist das, was ich seit 19 Jahren sage: Entschleunigung. Wir sind gezwungen, wieder bei uns zu sein.» Sagt der Druide und Mensch.