Laufenburg
Wie sich Musiker und Maler Gabriel Kramer mit Kreativität gegen den Lockdown stemmt

Wie alle Musiker kann auch Gabriel Kramer aus Laufenburg in der Coronakrise keine Konzerte geben. Das muss sich ändern, sagt er, «sonst spielen wir auf der Strasse, das ist gar nicht das Schlechteste».

Peter Schütz
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Gabriel Kramer hofft darauf, bald wieder live spielen zu können.

Gabriel Kramer hofft darauf, bald wieder live spielen zu können.

Peter Schütz / Aargauer Zeitung

Gabriel Kramers Bands heissen Mattermania, Hinterwäldler, Trionettli, WunderKram und Dampfbühler. Wo sie auftreten, kommt Stimmung auf, zittert das Tanzbein und werden die Hände heiss vom Klatschen.

Aber seit Ausbruch der Coronapandemie hat es sich weitgehend ausgeklatscht. Im ersten Lockdown voriges Jahr waren keine Auftritte möglich, der in Laufenburg lebende Musiker, Maler, Zeichner und Illustrator, Jahrgang 1976, stand mit leeren Händen da.

Mit Innenhofkonzerten gegen den Lockdown

Doch Kramer wäre nicht Kramer, wenn er sich keine legalen Alternativen zum behördlich angeordneten Schweigen geschaffen hätte. Zusammen mit seiner Partnerin Sonja Wunderlin gab er 20 bis 30 Innenhofkonzerte – und fand diese sogar noch reizvoll, wegen der Akustik und der Erreichbarkeit der Menschen.

Dem Ende des ersten Lockdowns folgten wieder grössere Konzerte und brach er mit dem Liedermacher-Ensemble «Troubadix auf Touren» auf. Was mit Beginn der zweiten Coronawelle nicht ohne Hindernisse vonstattenging. Kramer:

«Kurz vor der Tour mussten wir uns entscheiden, abzusagen oder draussen zu spielen.»

Die Liedermacher setzten auf Spielen, doch das Wetter spielte nicht mit. «Wir hatten Wetterpech, es war kalt, und der Arbeitsaufwand war enorm, weil wir jedes Mal das Zelt aufbauen und manchmal am selben Tag nach dem Auftritt wieder abbauen mussten», berichtet er. Immerhin und trotz Abstandsregeln:

«Wir hatten überall relativ gut Leute, das hat unsere Erwartungen übertroffen.»

Einen Tag nach der Tour führte der Kanton Bern, in dem «Troubadix auf Touren» auch Station machte, die Maskenpflicht ein – und der zweite Lockdown rückte näher.

Als er da war, war alles wieder wie gehabt: null Auftritte, keine Einkünfte. Kramer hielt sich mit wirtschaftlicher Hilfe vom Kanton über Wasser, aber befriedigend war diese Situation für ihn nicht. «Es gab schon Momente, da dachte ich daran, etwas Richtiges zu machen», sagt er, «nicht nur das Kunstzeug.»

Auftrag, eine Krippe aus Papier zu entwerfen

Klare Verhältnisse, eine bezahlte Arbeit? Oder doch weitermachen wie bisher, die Ungewissheit im Nacken? Gabriel Kramer entschied sich fürs Zweite, erst recht, als ihm das Glück in die Hand spielte und er einen Auftrag von der katholischen Kirche Basel-Landschaft erhielt: eine Krippe aus Papier für Kinder zum Ausschneiden und Aufstellen zu entwerfen.

Der Auftrag der katholischen Kirche Basel-Landschaft, eine Krippe aus Papier zu entwerfen, kam zur rechten Zeit.

Der Auftrag der katholischen Kirche Basel-Landschaft, eine Krippe aus Papier zu entwerfen, kam zur rechten Zeit.

Peter Schütz / Aargauer Zeitung

Kramer nahm an. Heraus kam eine erfrischende, fast schon comicartige Szene mit lächelnden Figuren, einem fröhlichen Christkind, friedlichen Schafen und jubilierenden Engeln. Später erhielt er einen weiteren Auftrag von privat, ein Familienporträt auf Leinwand. Er freut sich:

«Zum Glück gibt es die einen oder anderen Leute, die ans Zeichnen denken, wenn sie an mich denken.»

Im Dezember bewegte er sich mit einem virtuellen Adventskalender aus dem musikalischen Nirvana, als er mit Sonja Wunderlin für jeden Tag ein Lied einspielte und dieses als Tondatei an Abonnementen schickte. «So sind wir im Dezember beschäftigt gewesen», sagt er. Danach erstellte er ein Programm mit einem Duo, «obwohl wir nicht wissen, wie wir damit rauskommen».

Irgendwann soll es wieder Konzerte geben, «sonst spielen wir auf der Strasse, das ist gar nicht das Schlechteste», so Kramer. Strassenmusik hat er früher häufig gemacht, dann zehn Jahre lang weniger, weil er seine Engagements hatte.

Jetzt hat er sie wieder aufgegriffen, einen Koffer hingelegt, und am Ende eines Auftritts war mehr drin als früher, obwohl es keine Spendenaufforderung gab. Kramer:

«Die Leute waren sehr grosszügig und haben es geschätzt, dass jemand Livemusik macht.»

Apropos: Konzerten per Livestream kann er nichts abgewinnen. «Das ist kein Ersatz, sondern wie ein schlechter Witz», stellt er klar. Und:

«Es soll unbedingt wieder Livesachen geben – wir sind voll bereit dafür.»