LAufenburg
«Machtgehabe» und «Schlammschlacht»: Bei der Podiumsdiskussion zur Stadtratswahl fallen deutliche Worte

Bei der Vorstellungsrunde der Stadtrats-Kandidaten in der Stadthalle Laufenburg gingen wie erwartet die Wogen hoch. Meinrad Schraner und André Maier rechtfertigten ihr Vorgehen, räumten zum Teil aber auch Fehler ein. Thema war auch, wie man nach dem 26. September wieder zu einem guten Miteinander findet.

Peter Schütz
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Zur Gemeinderatswahl am 26. September in Laufenburg fand jetzt eine Podiumsdiskussion in der Stadthalle statt.

Zur Gemeinderatswahl am 26. September in Laufenburg fand jetzt eine Podiumsdiskussion in der Stadthalle statt.

Peter Schütz (14. September 2021)

Zu einem offenen, aber weitgehend fairen Schlagabtausch der sieben Kandidaten für die Laufenburger Stadtratswahl am 26. September kam es am Dienstagabend in der Stadthalle Laufenburg.

Die fünf Amtierenden – Regina Erhard, André Maier, Christian Rüede, Meinrad Schraner und Herbert Weiss – sowie die beiden Neuen, Patrick Bernhart und Rebecca Melton, sprachen über die Beweggründe für ihre Kandidatur, über ihre Wünsche und Vorstellungen.

Vor allem jedoch sprachen sie über das politische Erdbeben, das die Stadt Laufenburg durchrüttelte, nachdem Vizeammann Meinrad Schraner (SVP) und Stadtrat André Maier (FDP) anfangs August überraschend bekanntgaben, dass sie bei den Gesamterneuerungswahlen als Ammann und Vizeammann kandidieren.

«Angriff» auf das Amt als Stadtammann

Eigentlich ein legitimes Recht, doch Amtsinhaber Herbert Weiss (Die Mitte), seit 2014 Stadtammann, liess an der Vorgehensweise seiner Ratskollegen kein gutes Haar. «Es ist nie ein Wörtchen darüber gefallen, was jetzt abgeht», warf er seinen Kollegen vor. Weiss sprach von einem «Angriff» auf sein Amt als Stadtammann. Unerklärlich sei ihm, dass nach acht Jahren, in denen man gut zusammengearbeitet habe, alles in Frage gestellt und «torpediert» werde. Sein Fazit:

«Das hat etwas mit Machtgehabe zu tun.»

Ähnlich Regina Erhard (Die Mitte): «Das war sehr respektlos. Zuerst war Friede, Freude, Eierkuchen, dann war alles schlecht.» Christian Rüede (SVP) bemerkte, dass, was Respekt und Kommunikation betrifft, Meinrad Schraner und André Maier «den Vogel abgeschossen haben». Rebecca Melton (parteilos) brachte ihren Eindruck so auf den Punkt:

«Für mich ist es eine pure Schlammschlacht.»

Patrick Bernhart (FDP) goss noch ein wenig Öl ins Feuer, als er behauptete, dass an der letzten Gemeindeversammlung «gewisse Sachgeschäfte mangelhaft vorbereitet waren». Gefragt von Moderatorin Regula Laux, ob sein Vorgehen richtig war, räumte Schraner ein:

«Wir würden es heute anders machen.»

Andererseits: «Die Vorschläge mit den Rollenwechseln sind beim Amtsinhaber nicht auf offene Ohren gestossen», so Schraner. Dazu Maier: «Es läuft teilweise nicht rund, darum sollte etwas gehen.»

Wer nach der Wahl Stadtammann sein wird und wer Vize, stelle für ihn kein Problem dar, sagte Maier. Denn: «Wo ein Wille ist, ist ein Weg», so Maier. Sich selbst bezeichnet er als «Macher», der bei einigen Projekten – Adler, Schützen – tätig sei. Bezüglich einer möglichen autofreien Altstadt positionierte er sich so: «Ich stehe in der Mitte. Es gibt sicher eine Kompromisslösung.»

Wie eine weitere Zusammenarbeit im Stadtrat, falls er in der jetzigen Konstellation wiedergewählt würde, funktionieren sollte, erklärte Erhard so: «Das wird eher schwer. Ohne externe Mediation wird es nicht gehen.» Eine Mediation sei jedoch nicht budgetiert, so Erhard, «aber man kann nachbudgetieren». Reaktion von Laux: «Das scheint empfehlenswert.»

Verursacher sollen selbst für Mediation bezahlen

Jörg Bürgi aus dem Publikum warf hingegen ein: «Die Leute, die das verursacht haben, sollen die Mediation selber zahlen.» Trotz der offenkundigen Misstöne im Stadtrat habe dieser in den Stadtratssitzungen in den letzten acht Jahren «immer einen gemeinsamen Entscheid gefunden», berichtete Rüede. Was Weiss bestätigte: «Es gibt keine Handvoll Abstimmungen mit dem Ergebnis zwei zu drei, bis auf eine.» Ebenso Schraner: «Die Mehrheit wird im Konsens gefunden. Die Arbeit im Stadtrat funktioniert trotz der jetzigen Situation, jeder weiss, dass es um die Gemeinde geht.»

Das Verhältnis von Sulz und Laufenburg beschreibt Schraner so:

«Wir wachsen immer mehr zusammen. Wir haben mehr gegenseitige Interessen, es hilft beim Auftritt gegenüber dem Kanton. Die Zusammenführung ist der richtige Weg.»

Zu den Problemen, die in Laufenburg gelöst werden sollen, zählte er die Koordination und Abwicklung der Projekte in der Altstadt sowie die Kommunikation und Zusammenarbeit mit den Bewohnern und Stimmbürgern. «Wenn man die Leute einbindet, kommen sie auch an die Gemeindeversammlung», sagte Schraner.

Was zählt mehr – Parteibuch oder Individuum?

Laux hatte die gut besuchte Veranstaltung am Dienstag zusammen mit Susanna Brogli-Schoder und Dora Freiermuth auf die Beine gestellt. Sie hätten eine gewisse Intransparenz und Ratlosigkeit angesichts der Ereignisse der vergangenen Wochen empfunden, begründeten sie ihr Engagement.

Intransparenz und Ratlosigkeit sollten seit Dienstagabend grösstenteils vom Tisch sein. Auch die Rollen der Parteien im Wahlkampf. Gefragt von Andreas Kistner, ob er in einer Woche ein Parteibuch oder ein Individuum wähle, empfahl Rüede: «Wählen Sie nicht nach Partei, sondern nach Menschen, nach Fähigkeiten.» Schraner sagte:

«In der Gemeindepolitik spielt die Partei keine Rolle, da geht es um Fachgeschäfte.»

Einen Seitenhieb Richtung Weiss konnte er sich dennoch nicht verkneifen, als es um die Medien ging. «Wir haben niemand beauftragt, einen Artikel zu schreiben», sagte er mit Blick auf einen Beitrag über Weiss in der Zeitung. «Aber der Journalist hat es treffend formuliert.»

Blick auch nach vorne gerichtet

In der rund zweistündigen Diskussion wurde der Blick nicht nur zurück, sondern auch nach vorne gerichtet. Rebecca Melton forderte ein «familienfreundlicheres Laufenburg», Maier «Kommunikation auf allen Ebenen». Rüede wollte eine «wunderschöne Altstadt», Erhard Investitionen in den Umweltschutz.

Schraner möchte den Wirtschaftsstandort Laufenburg stärken, indem im ehemaligen EGL-Gebäude neue Arbeitsplätze geschaffen werden, während Weiss die Finanzsituation «im Griff halten will». Schliesslich Patrick Bernhart: «Meine Vision ist, dass wir die Visionen finanzieren können.»

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