Laufenburg
Knall im Stadtrat: SVP und FDP greifen den Sitz des Ammanns an – Herbert Weiss reagiert enttäuscht

Der bisherige Vizeammann Meinrad Schraner kandidiert neu als Ammann und fordert damit seinen langjährigen Ratskollegen und Amtsinhaber Herbert Weiss heraus. Ausserdem will Stadtrat André Maier Vizeammann werden. Weiss reagiert enttäuscht auf den Schritt seiner Kollegen – und lässt seine Zukunft offen.

Nadine Böni
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Im Laufenburger Stadtrat hängt vor den Gesamterneuerungswahlen vom 26. September der Haussegen ordentlich schief.

Im Laufenburger Stadtrat hängt vor den Gesamterneuerungswahlen vom 26. September der Haussegen ordentlich schief.

Nadine Böni (7. Juni 2019)

Es ist eine Mitteilung mit Sprengpotenzial, welche die Laufenburger Ortsparteien SVP und FDP übers Wochenende verschickt haben: Meinrad Schraner, bisher Vizeammann, und André Maier, Gemeinderat, kandidieren bei den Gesamterneuerungswahlen am 26. September neu als Ammann und Vizeammann. Will heissen: Amtsinhaber Herbert Weiss (Die Mitte), seit 2014 Stadtammann, soll aus dem Amt gedrängt werden.

Meinrad Schraner, Vizeammann von Laufenburg.

Meinrad Schraner, Vizeammann von Laufenburg.

Hans Christof Wagner (15. Mai 2020)

Aus der Mitteilung der Ortsparteien sind mehrere Gründe herauszulesen. Sie verlangen von den Amtsinhabern etwa «eine erhöhte Präsenz vor Ort, um die Hauptschwerpunkte der nächsten Amtsperiode voranzutreiben. Nur so können Projekte, Abläufe, Organisationen und deren Sachgeschäfte effizienter, agiler und moderner gestaltet werden».

Meinrad Schraner und André Maier sagen beide, dass es sich nicht um einen Entscheid gegen die Person von Herbert Weiss handle. «Es ist mir wichtig zu betonen, dass es nicht darum geht, einer Person in den Rücken zu fallen. Es geht vielmehr um die Weiterentwicklung der Gemeinde Laufenburg mit ihren Standorten», sagt Schraner. Maier sagt:

«Beim Entscheid geht es um die Gemeinde und deren Zukunft und nicht um persönliche Befindlichkeiten.»
André Maier, Stadtrat von Laufenburg.

André Maier, Stadtrat von Laufenburg.

Zvg / Aargauer Zeitung

Beide verweisen auf die zeitlichen Kapazitäten, die sie für ihr Amt zur Verfügung stellen könnten. «Seit dem Frühjahr bin ich pensioniert und ich bin bereit, die Zeit für Laufenburg aufzuwenden, die es braucht», sagt Schraner. Der Entscheid für seine Kandidatur sei in Absprache mit dem Geschäft gefallen, so Maier. Er entstammt der Laufenburger Bäcker-Dynastie Maier und ist im familieneigenen Betrieb tätig.

Herbert Weiss hat am Wochenende von den Kandidaturen erfahren – allerdings weder direkt von seinen Ratskollegen noch von deren Parteien. Er sagt ehrlich:

«Ich bin sehr enttäuscht, auch über das Vorgehen.»

Nichts habe auf einen solchen Schritt hingedeutet. Erst vor wenigen Monaten habe man die Themen künftige Ausrichtung und Besetzung des Rats sowie Nachfolgelösungen gemeinsam besprochen und mögliche Wege aufgezeigt. «Das jetzt steht dem Besprochenen ziemlich konträr entgegen», so Weiss.

Weiss lässt seine Zukunft offen

Für die in der Mitteilung angeführten Gründe hat er keinerlei Verständnis. Er verweist auf die Anfang Jahr vorgenommene Reorganisation mit der Geschäftsleitung. Demnach soll der Rat sich auf die Kernkompetenzen in strategischen Themen konzentrieren können und die Verwaltung so weit möglich das operative Geschäft führen. «Dieser Schritt wurde im Rat besprochen und der Entscheid zur Umsetzung einhellig gefällt», so Weiss. «Wir stecken mitten in der Umsetzung dieses Modells. Ich bin überzeugt, dass wir damit sehr effizient und modern unterwegs sein werden.»

Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg.

Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg.

Zvg / Aargauer Zeitung

Was die Kandidatur seiner Ratskollegen und der direkte Angriff auf sein Amt für seine Zukunft bedeute, könne er derzeit noch nicht sagen. Auch nicht, ob er unter diesen Umständen überhaupt noch einmal zur Wahl antreten möchte:

«Ich muss das jetzt zunächst verdauen und mir einige Gedanken machen.»

Rücksprache will er auch mit seiner Partei nehmen, wo ein Thema sein wird, wie gross sein Rückhalt ist.

Weshalb weder Schraner noch Maier Weiss persönlich informiert haben, bleibt derweil unklar. Maier verweist darauf, dass er in den Ferien weile. Schraner antwortet ausweichend: «Ich habe das Thema Nachfolgeplanung im Frühjahr an zwei Sitzungen offiziell angesprochen und Vorschläge unterbreitet. Entgegen meinen Vorstellungen war man der Meinung, dass der Zeitpunkt für Änderung noch nicht gegeben ist.»

Während Weiss seine Zukunft offen lässt, sind sich Schraner und Maier einig: Eine weitere Zusammenarbeit könnten sie sich – unabhängig vom Wahlresultat – durchaus vorstellen.

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