Laufenburg
«Diese Anschuldigung macht keinen Sinn»: Angeklagter behauptet, er habe kein Reh angefahren

Ein Autofahrer steht wegen des pflichtwidrigen Verhaltens und der Tierquälerei vor dem Bezirksgericht in Laufenburg. Er habe ein Reh angefahren und dies zu spät gemeldet.

Jael Rickenbacher
Drucken
Ein Gefahrenschild mit einem Reh macht die Autofahrer auf mögliche Wildtiere auf der Fahrbahn aufmerksam.

Ein Gefahrenschild mit einem Reh macht die Autofahrer auf mögliche Wildtiere auf der Fahrbahn aufmerksam.

Symbolbild: Andreas Haas/Imago Images

Am 7. Oktober 2021 fuhr der Lenker eines Jaguars von Eiken her in Richtung Schupfart. Es war schon 22 Uhr, als der Fahrer plötzlich ein seltsames Geräusch vom hinteren Teil des Autos vernahm. Auf dem Rücksitz sass sein junger Sohn und er hielt an, um die Situation genauer zu inspizieren. Mit der Handy-Taschenlampe suchte er die Aussenseite seines Autos ab, konnte aber weder visuell noch auditiv ein Tier feststellen.

Der Lenker entschied sich, nach Hause zu fahren. Am nächsten Tag kontaktierte er den Jagdaufseher der Jagdgesellschaft Eiken-Schupfart und informierte ihn über die Ereignisse der vergangenen Nacht. Eine Nachsuche war erfolglos, bis einige Tage später ein verletzter Rehbock gefunden und erlegt wurde.

Anklage wegen des Unfalls mit Sachschaden und Tierquälerei

Laut der Anklageschrift, die die Staatsanwaltschaft Rheinfelden-Laufenburg im März 2022 gestellt hatte, habe der Beschuldigte sich pflichtwidrig verhalten bei einem Unfall mit Sachschaden. Zudem wird er der Tierquälerei angeschuldigt, da er die Kollision erst am nächsten Tag meldete und das Tier dadurch Schäden, Schmerzen und Leid erlitten habe.

Der Beschuldigte erhob Einspruch gegen den Strafbefehl, welcher ihn zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 150 Franken sowie einer Busse von 750 Franken verurteilte. Zusätzlich müsste er Strafbefehlsgebühr- und Polizeikosten in der Höhe von 615 Franken bezahlen.

Es ist unklar, was das Geräusch am hinteren Teil des Autos verursacht hatte.

Es ist unklar, was das Geräusch am hinteren Teil des Autos verursacht hatte.

Symbolbild: Mario Fuchs

Beschuldigter hatte schon Wildtierkollisionen

Da der Lenker in der Vergangenheit schon Erfahrungen mit Wildtierkollisionen hatte, schien ihm das vernommene Geräusch nicht ähnlich wie bei einem Zusammenstoss mit einem Reh. Er konnte auch keine Spuren wie Haare oder Blut am Fahrzeug feststellen. Am nächsten Tag besuchte ihn die Polizei, wobei Fotografien vom Auto gemacht wurden. Diese Bilder wurden der Staatsanwaltschaft jedoch nicht zugestellt.

Für den Verteidiger gab es zwei wichtige Punkte: Erstens habe der Angeklagte am Telefon nie erwähnt, dass er ein Reh angefahren habe, sondern nur, dass er eventuell mit einem Tier kollidiert sei. Dass es ein Reh gewesen sei, sei interpretiert worden. Zudem sei der Jagdaufseher unnötig aggressiv gewesen am Telefon.

Fahrer sei nur ehrlich gewesen

Ausserdem habe es keinen Sachschaden und somit auch nichts zu melden gegeben. Deshalb sei der erste Anklagepunkt – pflichtwidriges Verhalten bei Unfall mit Sachschaden – nicht valid. Der Beschuldigte konnte nicht wissen, dass er bestraft werden würde und sei nur ehrlich gewesen, als er den Anruf tätigte.

Der zweite wichtige Punkt sei, dass der Angeklagte dem Tier gar keinen Schaden zufügen konnte, da er es weder gesehen noch gehört hatte und darum keine positive oder negative Intentionen für das Tier hätte haben können. Auf jeden Fall habe er keine Tierquälerei ausgeübt.

Das Urteil wurde vertagt, weil zuerst die Fotografien der Polizei in Betracht gezogen werden müssen.

Eine Waldstrasse zwischen Eiken und Schupfart.

Eine Waldstrasse zwischen Eiken und Schupfart.

Michael Mülli