Laufenburg
Die sieben jungen Schwäne sind tot ‒ die Strömung war für sie wohl zu stark

Es fing alles so gut an: Am 10. Mai schlüpften in Laufenburg sieben junge Schwäne und schwammen schon bald auf dem Rhein herum. Hobbyfotograf Hannes Burger dokumentierte das Treiben in Bildern und auf Videos. Dann kam der Regen und der Rheinpegel stieg. Gegen die starke Strömung hatten die Jungtiere keine Chance.

Thomas Wehrli
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Da war alles noch gut: Der Laufenburger Schwan mit seinen sieben Küken.

Da war alles noch gut: Der Laufenburger Schwan mit seinen sieben Küken.

Hannes Burger

Sie haben es nicht geschafft. Die sieben Küken des Schwanenpaares von Laufenburg leben nicht mehr. Was passiert ist, weiss niemand so genau. Die einen vermuten, natürliche Feinde hätten sie geholt. Andere glauben, die Strömung sei nach den Regenfällen Mitte Mai zu stark gewesen und die wenige Tage alten Küken seien ertrunken.

Die Schwanenfamilie am Rheinufer.

Hannes Burger

An die Unglückstheorie glaubt auch Hannes Burger. Der Präsident des Museumsvereins und Hobbyfotograf beobachtet das Schwanenpaar seit vielen Jahren. «Die Tiere faszinieren mich einfach», erzählt er. Jeden Tag ist er in und um Laufenburg zu Fuss unterwegs und hält mit seiner Kamera fest, was sich in der Natur bewegt.

Vom Schwanenpaar, das seit vielen Jahren in Laufenburg brütet, und seinem Nachwuchs hat er in den letzten Jahren unzählige Fotos geschossen. Manch eine Trouvaille ist darunter, etwa jene in diesem Jahr, die zeigt, wie sich die Schwanenmutter über den noch nicht ausgebrüteten Eiern reckt.

Dieser Schnappschuss gelang Hannes Burger wenige Tage vor dem Schlüpfen der Küken.

Dieser Schnappschuss gelang Hannes Burger wenige Tage vor dem Schlüpfen der Küken.

Hannes Burger

Wer genau hinsieht, sieht acht Eier im Nest, das sich auf deutscher Seite bei der Einmündung des Andelsbachs in den Rhein befindet. Das freute auch Hannes Burger, der täglich beim brütenden Paar vorbeischaute und hoffte, dass er den Moment nicht verpasst, wenn die Jungen schlüpfen. Zumal er jedes Mal gespannt darauf ist, wie viele braune und wie viele weisse Jungtiere darunter sind.

«Weisse Jungtiere sind selten. Bei den beiden Laufenburger Schwänen sind aber jedes Mal ein oder zwei dabei.»

Burger verpasste den Tag nicht und seine Freude war gross, als er bei seinem Rundgang am 11. Mai die geschlüpften Jungtiere entdeckte. Er zählte. Und kam auf sieben. Beim genauen Hinsehen sah er, dass im Nest noch ein Ei lag. «Die Schwanenmutter brütete noch einen Tag weiter und nahm die Jungtiere in dieser Zeit unter die Flügel.»

Am 11. Mai schlüpften sieben Küken.

Am 11. Mai schlüpften sieben Küken.

Hannes Burger

Was ihn besonders freute: «Diesmal waren sogar drei weisse Jungtiere darunter.» Am nächsten Tag verliess der Tross das Nest und schon am 13. Mai – die Jungen waren gerade zwei Tage alt – setzte über den Rhein und machte es sich in der Badstube gemütlich. Hier traf Burger «seine» Schwanenfamilie in den nächsten Tagen immer wieder an. Er erzählt:

«Einige Male übernachtete die Familie auch dort.»

Dann kam das Wasser. Und der Rheinpegel stieg. Mit einer Abflussmenge von 1400 bis 2000 Kubikmetern war der Pegel zwar nicht allzu hoch, doch unter der Laufenbrücke bilden sich bei höherem Wasserstand Wirbel.

Starke Wirbel unter der Laufenbrücke

Genau an dieser Stelle pflegen die Schwäne aber vorbei zu schwimmen, wenn sie den Rhein rheinaufwärts queren. Totenwaage heisst die Stelle «und ich befürchte, dass sie ihrem Namen gerecht wurde und sie ertrunken sind», sagt Burger. Oder die Strömung trieb die Tiere in Richtung Kraftwerk ab. Ein Video, das der «Südkurier» veröffentlicht hat, zeigt, wie schwer es der Schwanenfamilie nach dem Regen fiel, gegen die Strömung anzuschwimmen.

Die Schwanenfamilie an Land bei der Badstube.

Die Schwanenfamilie an Land bei der Badstube.

Hannes Burger

Am Tag, an dem die jungen Schwäne vermutlich umgekommen sind, hatte Burger aufgrund der Regenfälle ein ungutes Gefühl. Bei seinem Spaziergang über die Laufenbrücke sah er, dass die Wirbel stark waren und er hoffte, das die jungen Schwäne an Land sind.

Das Paar hat viel Pech

Das waren sie wohl nicht. Burger, der seine tierischen Begegnungen fein säuberlich notiert, seufzt. «Das Paar hat aber wirklich auch viel Pech.» Immer wieder verliert es einen Teil des Nachwuchses, vor zwei Jahren sogar das Nest: Das Hochwasser hatte es weggeschwemmt.

Als Burger das Schwanenpaar zum nächsten Mal sah, war von den Jungtieren nichts zu sehen. Der letzte Funke Hoffnung schwand bei Burger, als die beiden Schwäne davonflogen. «Das machen sie nicht, wenn die Küken noch nicht fliegen können.» Und das können sie erst mit vier bis fünf Monaten.

Burger hofft, dass das Paar im nächsten Jahr mehr Nachwuchsglück hat. Er wird dannzumal auf jeden Fall mit seiner Kamera wieder unterwegs sein und das Leben der Schwäne dokumentieren. Und bis dahin? Burger lacht. Unterhalb des Wehrs hat es noch ein zweites Schwanenpaar. Es hat fünf Küken.

«Die werde ich nun öfters besuchen.»