Rund 20 Teilnehmer nahmen am Sonntag an einer Führung mit Leo Balmer durch Laufenburg teil. Im Zentrum stand moderne Architektur. Die Tour mit dem Architekten begann an der Maillart-Brücke. Balmer würdigte sie als einen modernen Bau, technisch wie auch architektonisch. Es sei eine Brücke, die das freie und selbstbewusste Bürgertum der Zeit vor einhundert Jahren repräsentiert habe. So seien ursprünglich die Gehwege optisch von der Fahrbahn getrennt gewesen, um den flanierenden Stadtbürgern Raum zu geben.

Balmer verwies auf die Kanzeln in der Brückenmitte, gebaut um den Passanten den freien Blick auf Fluss und Natur zu ermöglichen. Der Architekt machte die Gruppe auch auf das in neuerer Zeit angebrachte Brückengeländer aufmerksam. Dieses habe dort nichts zu suchen und verfälsche den ursprünglichen Charakter des Bauwerks.

Es gibt auch «Tarnarchitektur»

Dass sich an moderner Architektur auch die Geister scheiden, kam an der zweiten Station zur Sprache. Balmer nannte das Gebäude des Hotels Roter Löwe, um 1980 erbaut, «Tarnarchitektur». Das Haus versuche sich nur an den mittelalterlichen Stadtkern anzupassen und setze keine eigenen Akzente.

Auch Bauten im Umfeld des Schulhauses Burgmatt Ost an der Winterthurerstrasse kritisierte der Architekt. Diese, mit Holzbalken an der Fassade versehen, täuschten etwas vor, was sie nicht seien und blockierten wichtige Sichtachsen. Das ehemalige KV-Schulhaus selbst, 1992 von Marianne Burkhalter und Christian Sumi erbaut, aber lobte Balmer als differenziert und vielseitig, vor allem bei den Fassaden.

Stilmix beim Burgmatt-Schulhaus

Auf diese wies er die Führungsteilnehmer auch beim benachbarten Schulhaus Burgmatt hin. Dieses hat dem Experten zufolge 1910 erbaut werden können, weil der Betreiber des damals im Bau befindlichen Rheinkraftwerks der Stadt 160 000 Franken zwecks Abgeltung von Fischereirechten überwies. «Wir sehen hier einen rechten Stilmix», sagte Balmer: klassizistische Elemente in Kombination mit Neogotik und Jugendstil.

Dagegen ist Balmer ein Freund der modernen Architektur am Bahnhof. Dort sei «sehr gut und visionär» geplant worden. Die gläserne Passage des XL-Zentrums verbinde Alt- und Neustadt miteinander und die darin angesiedelten Geschäfte und Dienstleistungen betonten Laufenburgs Zentrumsfunktion. Auch bei der letzten Station des zweistündigen Rundgangs, dem Sitz von Koch und Partner an der Basler Strasse, gab es nur Lob. «Für mich ist das der Prototyp des modernen Bauens», sagte Balmer.