Montag, Marktplatz, Laufenburg. Vier Touristen flanieren durch die Gassen. Ein «well» lässt sich aus den halblauten Gesprächsfetzen dechiffrieren, ein «nice» ebenso. Zwei Velofahrer, die am Gepäck an auf einer mehrtägigen Tour sind, fahren gemütlich durch die Fischergasse, halten vor der Kafi Mokka Lounge an, schauen das Schild im Schaufester an. «Hotel Mokka, coming soon» steht darauf.

Patrick Bacher, sitzt mit dem Journalisten an einem Tisch im Kafi Mokka, das am Montag geschlossen hat, zeigt auf die beiden Velofahrer. «Die suchen ein Zimmer», sagt er. «Garantiert.» Bacher, der die Kafi Mokka Lounge seit fast zwei Jahren führt, hat einen guten Riecher – nicht nur für Kaffee, sondern auch fürs Geschäft. Der unermüdliche Macher hat nämlich geschafft, woran viele nicht mehr geglaubt haben: aus dem Lokal beim Marktplatz einen Erfolg zu machen. Vor Bacher wechselten die Betreiber alle paar Monate.

Bacher ist mit Leib und Seele Gastronom, Altstädtler – und bald auch Hotelier. Er hat das Altstadthaus, in dem Raumgestalter Felix Klingele früher seine Polsterei hatte, schräg gegenüber zur Kafi Mokka Lounge gemietet. Ein Gerüst an der Fassade verrät: Hier wird umgebaut. Und ein Blick ins Innere zeigt: Hier wird totalsaniert. Auf allen vier Stockwerken sind die Bauarbeiten im Gang, sind unter Hochdruck im Gang, denn am 27. Juli will Bacher sein Hotel Mokka eröffnen. Er hat dazu eine eigene GmbH gegründet, die Hotel Mokka Laufenburg GmbH, deren Geschäftsführer und alleiniger Inhaber er ist. Die GmbH hat das gesamte Haus gemietet.

Vier Hotelzimmer sind im Werden, ein Büro und eine Ferienwohnung ebenso. Büro und Ferienwohnung hat Bacher bereits dauervermietet. Die vier Hotelzimmer, zwei davon «mit traumhaftem Blick auf den Rhein», wie Bacher sagt, führt er gleich vor. Im obersten Stock entsteht zudem eine Wohnung, die der Gastronom selber bewohnen wird. «Traumhaft, nicht?», sagt Bacher, während er auf den ruhig vor sich hinfliessenden Rhein blickt.

Eingerichtet werden die Wohnungen mit dem Inventar des Hotel Platanenhof in Frick, das Ende letzten Jahres dichtgemacht hat. In Frick entsteht anstelle von Hotel und Restaurant eine Wohnüberbauung. «Eine Win-win-Situation», ist Bacher überzeugt. Lars Laier suchte einen Abnehmer für die noch nicht alte Zimmerinfrastruktur, Bacher eine gute Infrastruktur.

Lücke wird geschlossen

Eine Win-win-Situation ist das Ganze aber noch aus drei weiteren Gründen: Erstens erhält die Altstadt endlich wieder ein Hotel mit Rheinanschluss; seit der Schliessung des «Roten Löwen» fehlt dies dem Städtchen. Das ist, zweitens, gut für den Tourismus. Denn Gästezimmer vermieten heute in Laufenburg nur noch wenige. Bacher ist überzeugt: «Der Markt ist vorhanden.» Er zielt dabei zum einen auf Geschäftsleute. «Wir haben einige Grossfirmen hier in Laufenburg, und die suchen immer wieder Zimmer für ihre Monteure und Besucher.»

Zum anderen sieht er den Markt für Zimmer bei Grossveranstaltungen wie der Hela oder der Altstadtweihnacht. «Hier würden gerne Leute vor Ort übernachten.» Hinzu kämen die Grossevents in der Stadthalle, seien es nun Konzerte oder grosse Hochzeiten. «Da wird einiges für mich abfallen», ist er überzeugt. Und letztlich, das weiss er aus Gesprächen, suchen auch immer wieder Laufenburger ein Hotelzimmer, um ihre privaten Gäste über Nacht unterzubringen.

Und da wären natürlich die Touristen. «Auch aus diesem Segment wird es Buchungen geben», ist er überzeugt. Bewusst verzichtet er jedoch darauf, sich bei Plattformen wie «Bett+Bike» anzuhängen. «Hier sind die deutschen Kollegen bereits stark engagiert», sagt er. Gerüstet ist er für E-Bike-Fahrer, die übernachten wollen, aber trotzdem: Im Hausinnern wird eine E-Bike-Ladestation eingebaut.

Grenznähe kein Handicap

Die Grenznähe sieht Bacher nicht als Handicap. «Ich kann mit meinen Angeboten mithalten», ist er überzeugt. 80 Franken kostet das Zimmer pro Person, jede weitere Person zahlt 20 Franken extra. Die Zimmer sind geräumig und bieten auch ganzen Familien Platz. Jedes Zimmer verfügt über WLAN, TV, Sitzecke, Bad und zudem über eine Kochnische. «Die Gäste sollen die Freiheit haben, ob sie sich selber verpflegen oder im Restaurant essen wollen.» Ein kontinentales Frühstück bietet er natürlich als Option für 10 bis 12 Franken ebenfalls an. «Wenn es sein muss ab 6 Uhr morgens», meint er und lacht.

Womit die dritte Win-win-Situation angesprochen ist: Patrick Bacher kann das Hotel von der Kafi Mokka Lounge aus bewirtschaften. Hier werden auch der Frühstücksraum und die Hotelrezeption sein, bei der man ein- und auschecken sowie die Zimmer-Keys beziehen kann. Bacher lacht. «Ich habe damit wohl eine der längsten Rezeptionszeiten; das Zimmer kann bei Bedarf bis 24 Uhr bezogen werden.» Noch hat die Rezeption geschlossen, denn derzeit sind die Zimmer dauergebucht: von den Handwerkern. Bacher ist überzeugt, dass alles bis Ende Juli bereit sein wird – muss es auch, denn rund 25 Reservationen liegen bereits vor. «Ohne dass ich Werbung gemacht habe», sagt Bacher. Was ihn mindestens so freut: Sein Hotel findet auch auf Booking.com schon Beachtung: «Die Hotelinfo wurde bereits mehrere tausend Mal aufgerufen.»

Die Vorfreude auf die Eröffnung sei extrem, sagt Bacher. «Die Anzeichen dafür, dass es funktioniert, sind gut und die Voraussetzungen ideal.» Wenn er sein Hotel am 27. Juli eröffnet, geht ein Projekt in die Go-live-Phase, das vor über einem Jahr seinen Anfang nahm.

Gäste brachten ihn auf die Idee

Auf die Idee, ein Hotel zu eröffnen, brachten ihn seine Gäste. «Ich werde fast an jedem Tag gefragt, ob es in der Altstadt ein Hotel gebe», erzählt Bacher. Er sah das Marktpotenzial – und wollte gleichzeitig etwas für Laufenburg tun. «Ein Hotel verleiht der Altstadt Leben und Attraktivität», ist er überzeugt. Sein Angebot ist somit ein Puzzlesteinchen auf dem Weg, die wieder Altstadt lebendiger und attraktiver zu machen. Ein zweites, grosses Puzzlestück ist der Aktionsplan des Stadtrates, sanierungsbedürftige Liegenschaften aufzukaufen und dann zu sanieren.

Ein drittes Puzzlestück ist die Aktion «Freie Fenster Laufenburg», die vor zwei Jahren als Pilotprojekt leer stehende Schaufenster in der Fischergasse mit Kunst bespielt hatte. Die Aktion war ein Erfolg und wird künftig alle ein bis zwei Jahre durchgeführt (AZ vom Samstag). Das nächste Mal Mitte August; 18 Gemeinden aus dem Jurapark Aargau werden während eines Monats je ein Schaufenster in der Altstadt bespielen. Am Ende kürt eine Jury das schönste Fenster und der Jurapark Aargau verleiht der Gewinnergemeinde den ersten Gemeinde-Award.

Verliehen wird der Preis am Juraparkfest, das in diesem Jahr am 7. September in Laufenburg stattfindet. Die Altstadt wird sich an diesem Tag von ihrer besten Seite präsentieren – mit neuem Hotel.