Laufenburg

Lastwagenfahrer rammte E-Bike-Fahrer – Gericht spricht ihn frei

Nach dem Unfall zwischen dem Lastwagen und einem E-Bike-Lenker war dieser verstorben. (Symbolbild)

Nach dem Unfall zwischen dem Lastwagen und einem E-Bike-Lenker war dieser verstorben. (Symbolbild)

Nach dem Grundsatz «Im Zweifelsfall für den Angeklagten» hat das Bezirksgericht Laufenburg den Lastwagen-Chauffeur von einer fahrlässigen Tötung freigesprochen. Bei einem Unfall war sein Fahrzeug mit einem E-Bike-Fahrer kollidiert, der danach starb.

Am 27. April 2012 ereignete sich in Frick ein tragischer Unfall, bei dem ein 45-jähriger Lastwagenfahrer auf einer Kreuzung mit einem Elektro-Bike-Fahrer zusammenstiess. Der E-Bike-Fahrer zog sich schwere Kopfverletzungen zu, denen der 75-jährige drei Tage später im Kantonsspital Aarau erlag. Der Schweizer Lastwagenfahrer erhielt einen Strafbefehl, der ihn der fahrlässigen Tötung und des Überfahrens einer Sicherheitslinie anklagte. Der in Niederhasli (ZH) wohnhafte Beschuldigte akzeptierte das Urteil nicht und zog es vor das Bezirksgericht. Dieses sprach ihn gestern Donnerstag von allen Anklagepunkten frei.

Ausschlaggebend für das Urteil von Gerichtspräsident Beat Ackle waren die vielen möglichen Szenarien im polizeilichen Gutachten, die beschreiben, wie es hätte sein können, aber nicht beweisen können, wie es tatsächlich war. Darum galt für Ackle zuletzt: In dubio pro reo – im Zweifelsfall für den Angeklagten. Dem Lastwagenfahrer entfällt die auf zwei Jahre bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 280 Franken, die Busse von 5000 Franken und sämtliche Verhandlungs- und Anwaltskosten.

Chauffeur sah den E-Biker nicht

Laut dem Anwalt des Beschuldigten sei es für seinen Mandant nicht möglich gewesen, den E-Bike-Fahrer zu sehen. Dieser kam von der Geissgasse und wollte links in die Schulstrasse Richtung Gipf-Oberfrick abbiegen. Zu derselben Zeit wollte der Lastwagenfahrer, von der gegenüberliegenden Maria-Theresia-Gasse kommend, die Schulstrasse überqueren um in die Geissgasse zu gelangen. Der Beschuldigte gab an, angehalten zu haben, um Kinder über den Fussgängerstreifen zu lassen. Ausserdem liess er mehrere Personenwagen passieren, bevor er losfuhr und mit zirka 6,5 Kilometer pro Stunde den E-Bike-Fahrer von rechts rammte.

Was den Vorwurf des Überfahrens der Sicherheitslinie betrifft waren sich der Anwalt und der Gerichtspräsident einig: Dem Lastwagenfahrer blieb gar nichts anderes übrig, als über die Sicherheitslinie zu fahren, da er ansonsten auf das Trottoir hätte ausweichen müssen. «Die Verkehrssignalisierung am Boden ist dort sehr unglücklich», so Ackle. Das müsse mit der Polizei besprochen werden.

Zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung brachte der Anwalt vor, dass das polizeiliche Gutachten die Möglichkeit der Selbstverschuldung des E-Bike-Fahrers nicht ausschliessen kann. Das heisst, es sei möglich, dass zu dem Zeitpunkt, als der Lastwagenfahrer abbog, sich der E-Bike-Fahrer noch gar nicht auf der gegenüberliegenden Strassenkreuzung befand, sondern erst später ohne anzuhalten über die Kreuzung gefahren sei.

Bis heute traumatische Erinnerung

Zu der Frage, wer zuerst abgebogen ist, sagte Gerichtspräsident Ackle, das Gutachten komme aus technischer Sicht zum Schluss, dass dies der Lastwagenfahrer war. Während der ganzen Gerichtsverhandlung verhielt sich der Beschuldigte sehr ruhig. Auf die Frage von Ackle, wie er sich nach dem Tod des E-Bike-Lenkers fühle, antwortete er, dass ihm der Unfall sehr nahe gegangen sei und das traumatische Erlebnis bis heute immer wieder raufkomme.

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