Hornussen
Lastwagen-Fahrverbot: «Es geht um Schadensbegrenzung»

Gemeindeammann Winet wehrt sich gegen die Vorwürfe, mit dem Lastwagen-Fahrverbot auf der Schulstrasse den Preis für die «Klein»-Parzelle drücken zu wollen.

Thomas Wehrli
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«Selbst geschenkt könnte diese Liegenschaft nur eine Belastung darstellen»: Gemeindeammann George Winet vor dem Areal der konkursiten Klein AG. Thomas wehrli

«Selbst geschenkt könnte diese Liegenschaft nur eine Belastung darstellen»: Gemeindeammann George Winet vor dem Areal der konkursiten Klein AG. Thomas wehrli

Thomas Wehrli

Die Vorwürfe, die der ehemalige Geschäftsführer der konkursiten Klein AG, Andreas Schaffner, in der az erhoben hat, sind happig: Die Gemeinde wolle das 5,5-Tonnen-Gewichtslimit auf der Schulstrasse nur einführen, um den Preis für die Gewerbeparzelle zu drücken. Ziel der Übung: Die Gemeinde wolle das Land günstig erwerben und später in ein Wohngebiet umzonen. Gemeindeammann George Winet widerspricht «aufs Schärfste».

George Winet, der Vorwurf hat es in sich: Die Gemeinde will auf der Schulstrasse nur ein Gewichtslimit erlassen, um den Landpreis zu drücken und die «Klein»-Parzelle günstig zu erwerben. Greift der Gemeinderat also tief in die Trickkiste?

George Winet: Mitnichten. Es geht nicht darum, den Preis zu drücken, sondern es geht um Schadensbegrenzung. Diese Schäden hat zur Hauptsache der Verkehr von und zur Klein AG verursacht. Die Schäden werden die Steuerzahler von Hornussen noch über Jahre belasten und beschäftigen. Das ist Teil unseres Erbes aus dem Konkurs der Klein AG.

Pro Tag fuhren 40 bis 50 Lastwagen zur Klein AG ...

... Diese Zahl ist schlicht und einfach nicht wahr. Im Gegensatz zum ehemaligen Geschäftsführer müssen wir die Anzahl Fahrten nicht schätzen, sondern haben konkrete, von der Regionalpolizei Oberes Fricktal gemessene Verkehrsstatistiken. Und diese liegen deutlich höher. In der Messwoche im Mai fuhren 2779 Fahrzeuge über die Schulstrasse; rund zwei Drittel davon waren Lastwagen.

Das schien aber nicht gross zu stören. Es habe von den Anwohnern nur wenige Reklamationen gegeben, sagte Andreas Schaffner zur az.

So einvernehmlich, wie es Andreas Schaffner darstellt, war es mit den direkten Nachbarn nicht.

Sagt Ihr Gefühl?

Nein, das sagen die Gemeinderatsprotokolle. Richtig ist, das die firmeneignen Lastwagenfahrer der Klein AG stets bemüht waren, die Risiken für die Schulkinder möglichst gering zu halten. Es ist ein grosses Glück, dass sich in all diesen Jahren nie ein Personenunfall ereignet hat, dafür ein Danke an die Chauffeure.

Sie sagen: Das Gewichtslimit dient der Schadensbegrenzung und dem Schutz der Kinder. Das sehen einige Hornusser offenbar anders; gegen das Gewichtslimit sind mehrere Einsprachen eingegangen.

Jedem Hornusser, der Einsprache gegen das Gewichtslimit erhoben hat, empfehle ich, unser Strassenreglement gründlich zu lesen, den Taschenrechner zu benutzen und dann selbst für sich zu entscheiden, ob er an seiner Einsprache festhalten will. Als Richtschnur: Um die Schulstrasse gesamt- und dauerhaft schwerverkehrstauglich zu machen, darf man in etwa eine Million Franken einsetzen. Ist es das wert? Mir nicht. Denn diese Million zahlt der Hornusser Steuerzahler, eine Million ohne spürbaren Mehrwert für unser tägliches Leben.

Nun ja, Sie wollen dafür zwei Millionen Franken für das «Klein»-Areal ausgeben.

Dass wir einen Zwei-Millionen-Kredit an der Gemeindeversammlung beantragen, heisst nicht, dass wir dem Wert dieser Liegenschaft zwei Millionen Franken beimessen. Es heisst auch nicht, dass wir für den Kauf der Parzelle zwei Millionen Franken ausgeben werden. Die zwei Millionen sind unser Handlungsspielraum zur Verhinderung einer Ansiedlung von entwicklungshemmenden, nicht zonenkonformen und letztendlich für Hornussen kostspieligen Gewerbebetrieben, die lediglich die Infrastruktur belasten und Emissionen verursachen. Das, und nichts anderes, ist der Auftrag, den wir vom Hornusser Steuerzahler erhalten haben: Sorgsam mit den uns anvertrauten Steuergeldern umzugehen und für eine gesunde, nachhaltige Entwicklung von Hornussen zu sorgen. Wir haben heute mit 125 Prozent den zweithöchsten Steuersatz im Kanton Aargau. Unser erklärtes Ziel ist es, ihn zu senken – und nicht dereinst den höchsten zu haben.

Sie sagen: Die zwei Millionen Franken seien nur der «Handlungsspielraum», Ist die Parzelle denn nicht so viel wert?

Der Wert liegt meiner persönlichen Meinung nach sehr, sehr weit unter zwei Millionen Franken. Selbst geschenkt könnte diese Liegenschaft nur eine Belastung darstellen. Zu gross sind die Risiken, die mit dieser Liegenschaft verbunden sein könnten.

Welche Risiken?

Das Firmenareal der ehemaligen Klein AG ist im Altlastenkataster des Kantons Aargau gelistet, seit kurzem mit dem Vermerk: «Überwachungs- und Sanierungsbedarf noch nicht beurteilt». Das heisst nicht, dass keine Altlasten vorhanden sein könnten. Meiner Ansicht nach hat das Geschäftsfeld der Klein AG selbst für eine Wertminderung gesorgt und nicht ein allfällig kommendes Gewichtslimit. Aber den Preis bestimmen nicht wir, sondern er wird vom Markt festgesetzt, entweder beim Gläubiger-Bieterverfahren – die Gemeinde Hornussen gehört ebenfalls zu den direkt Geschädigten des Firmenkonkurses der Klein AG – oder bei einer allfälligen Versteigerung dieser Liegenschaft.

Und sobald die Gemeinde die Parzelle hat, wird sie sie in ein Wohngebiet umzonen.

Nein. Eine allfällige Umzonung in Betracht zu ziehen, wäre höchst spekulativ und würde Jahre, ja Jahrzehnte dauern. Ich bezweifle auch, dass eine solche Umzonung beim Kanton überhaupt auf offene Ohren stossen würde. Aber wie dem auch sei: Eine Umzonung wäre Sache des Souveräns und nicht des Gemeinderates.

Die Wohnlage wäre doch, sagen wir es mit Maklerworten: spannend, familienfreundlich, ruhig und sonnig.

Finden Sie? Von der Besonnung her wäre es sicher keine bevorzugte Wohnlage. Einzig die Nähe zur Schule wäre ein Standortvorteil. Mit der anstehenden Einzonung des Mühliberges oberhalb der Schule haben wir Platz für 21 Neubauten, daher brauchen wir das ehemalige «Klein»-Areal nicht als Wohnzone. Auch sonst verfügen wir über genügend Baulandreserven für Wohnen, nicht jedoch für Gewerbe. Jedem für Hornussen positivem Geschäftsmodell werden wir nicht im Wege stehen, im Gegenteil, es wird unsere volle Unterstützung erfahren.