Im Gebiet «Auf der Wacht» in Kaiseraugst wird diese Woche mit Schnee hantiert. Peter-Andrew Schwarz, Inhaber der Vindonissa-Professur an der Universität Basel, füllt mit seinem Team rund vier Meter tiefe Schächte aus der Römerzeit mit Schnee.

Beim aktuellen Versuch wird der rund vier Meter tiefe Schacht schichtweise aufgefüllt. «Auf eine Schicht von 20 bis 30 Zentimeter Schnee folgt jeweils eine Strohschicht», erklärt Peter-Andrew Schwarz. Die ganze Woche über dauern die Auffüll-Arbeiten. Damit soll erreicht werden, dass sich die Schneeschichten genügend verdichten, ehe sie mit Stroh bedeckt werden.

In den beiden ersten Versuchen in den Vorjahren war dies nicht gelungen. «2016 haben wir den Schacht in einem Anlauf komplett mit Schnee gefüllt und festgestellt, dass er schnell schmilzt», so Schwarz.

Im vergangenen Jahr füllten die Forscher den Schacht dann in drei Etappen und versetzten den Schnee zusätzlich mit Stangeneis. Doch er verdichtete sich immer noch zu wenig. Immerhin haben die Forscher jedoch dank anhaltenden Messungen festgestellt, dass im Schacht das ganze Jahr über sehr gleichmässige klimatische Bedingungen herrschen.

Hinweise bei Plinius

«Bei weiteren Recherchen bin ich in der Zwischenzeit auf die Methode der Nevaters auf Mallorca gestossen», erklärt der Vindonissa-Professor. Die spanischen Schneesammler bedeckten ihre Schneeschichten mit Stroh.

Das Wissen um die überlieferte Vorgehensweise der spanischen Nevaters bildet die Basis für den aktuellen dritten Versuch. Nun habe er die antiken Quellen besser einordnen können, so Schwarz. So sei etwa bei Plinius ebenfalls von Stroh die Rede. Allerdings habe Plinius, der das Vorgehen wohl nicht mit eigenen Augen gesehen hat, die Methode nicht detailliert beschrieben.

Nicht nur in Augusta Raurica, sondern auch in Vindonissa und Frick wurden solche tiefen Schächte entdeckt. Mit dem Versuch will die Vindonissa-Professur in Zusammenarbeit mit der Aargauer Kantonsarchäologie und Augusta Raurica herausfinden, ob die Schächte von den Römern als Kühlschränke genutzt worden sein könnten, um während des Sommers Schnee oder Gemüse und Milchprodukte zu lagern.

Auch Obst wird eingelagert

Ursprünglich sei man davon ausgegangen, dass es sich bei den Schächten um Jodbrunnen handle. Dies sei aber inzwischen widerlegt und für reine Vorratsschächte seien die Gräben zu tief. «Die Arbeitshypothese lautet, dass die Römer mit dem Schnee im Sommer Wein oder Austern gekühlt haben», so Schwarz.

Auf die Idee gebracht hat den Vindonissa-Professor ein Fund aus dem 19. Jahrhundert. Im Wallis sei damals unterirdisch Eis für Brauereien gelagert worden.

Obwohl die «Hauptfragestellung» sei, ob in den Schächten Schnee über den Sommer gelagert werden könne, werden die Forscher in Kaiseraugst auch versuchen, Gemüse in den Schächten zu lagern. «Wir werden es auf dem obersten halben Meter auf Brettern in den Schacht legen», so Schwarz. Diese sinken dann ab, wenn der Schnee schmilzt.

Der Versuch in Kaiseraugst soll den ganzen Sommer über andauern. Ergebnisse erwarten die Forscher im August. Möglicherweise gebe es in den kommenden Monaten Führungen zu den Schächten «Auf der Wacht», so Schwarz. Wer diese Woche vorbeigeht, kann das Forscherteam noch bei der Arbeit beobachten.