Fricktal

Längere Öffnungszeiten als Rezept gegen den Einkaufstourismus?

Volg setzt schon seit einigen Jahren auf längere Öffnungszeiten. Das hat aber wenig mit dem starken Franken zu tun.

Volg setzt schon seit einigen Jahren auf längere Öffnungszeiten. Das hat aber wenig mit dem starken Franken zu tun.

Volg hat im Fricktal vor zwei Jahren die Öffnungszeiten ausgeweitet - mit Erfolg. denn die Kunden kaufen im Dorfladen vermehrt abends oder am Wochenende ein. Doch taugt die Massnahme auch für andere Läden in Grenznähe?

Die Diskussion um die Ladenöffnungszeiten haben in diesen Tagen Auftrieb erhalten. Um dem Einkaufstourismus als Folge des starken Frankens in den Euroländern entgegenzuwirken, sprach sich die Wirtschaftskommission des Ständerates im Grundsatz für längere Ladenöffnungszeiten aus. Die Festlegung dieser Zeiten liegt zurzeit in der Kompetenz der Kantone. So sind im Aargau bereits heute viele Geschäfte bis 20 Uhr offen. Nicht nur in den urbanen, sondern auch den ländlichen Regionen.

Volg zieht positive Bilanz

Unabhängig vom teuren Franken haben im Fricktal schon im April 2013 die Volg-Läden in Eiken, Gipf-Oberfrick, Kaisten, Bözen und Densbüren ihre Öffnungszeiten ausgeweitet. Laut den Verantwortlichen für die Attraktivitätssteigerung wie auch längerfristig für die Sicherung von Arbeitsplätzen.

«Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich die Optimierung der Öffnungszeiten sehr positiv auf die Umsatzentwicklung und die Kundenzahl in den betreffenden Läden auswirkt», zieht Tamara Scheibli, Leiterin Kommunikation bei Volg Konsumwaren AG, eine positive Bilanz.

Grundsätzlich würden bei Volg die Ladenöffnungszeiten nicht pauschal beziehungsweise kantonsweit verlängert, sondern nach genauer Analyse und Planung individuell auf jedes Geschäft zugeschnitten. «Unser Ziel ist es somit nicht, all unsere Läden möglichst lange zu öffnen, sondern dass jeder Laden über die richtigen Öffnungszeiten verfügt.» Sie betont: «Auch die gegenwärtige Euro-Situation hat darauf keinen Einfluss.»

Volg prüfe für jeden Standort, ob eine Verlängerung der Öffnungszeiten bezüglich Ladengrösse, Frequenz, Umsatz und weiterer Kriterien sinnvoll ist. «Und insbesondere auch, ob das Bedürfnis bei der Bevölkerung vorhanden ist.» Grund für die Anpassungen bei den Ladenöffnungszeiten war vor zwei Jahren das veränderte Einkaufsverhalten der Kunden.

«Wir stellen seit einigen Jahren fest, dass die meisten Einkäufe nicht mehr wie früher am Vormittag getätigt werden, sondern vermehrt am Abend und auch am Wochenende stattfinden. Gerade Berufstätigen ist es ein grosses Bedürfnis, abends auf dem Nachhauseweg noch im Dorfladen ihre Einkäufe tätigen zu können», so Scheibli.

In Eiken war das Bedürfnis vor zwei Jahren unterschiedlich. So haben sich gegen die Ausweitung der Dorfladen-Öffnungszeiten 340 Einwohner mit ihrer Unterschrift gewehrt. «Im Dorf braucht es keine amerikanischen Verhältnisse», hiess es damals. Volg öffnete gleichwohl wie geplant bis 20 Uhr. Bis nach Amerika muss der Einkaufswillige längst nicht mehr reisen. Ennet dem Rhein haben diverse Geschäfte bereits heute bis 22 Uhr geöffnet.

In Frick haben zahlreiche der kleinen Ladengeschäfte unterschiedlich lange geöffnet. Viele von ihnen schliessen die Türen über Mittag, abends ist spätestens um 18.30 Uhr Schluss. Dazu kommt, dass einige von ihnen am Montag geschlossen haben.

Empfehlung des Gewerbevereins

«Wir von der Kommission Verkauf und Dienstleistung empfehlen den Betreibern schon seit Jahren, und dies unabhängig von der Euro-Situation, moderate und kundenfreundlichere Öffnungszeiten», sagt Daniel Müller vom Gewerbeverein Region Frick-Laufenburg.

Er erklärt aber auch, dass viele der Geschäfte Einpersonenbetriebe sind. Die Präsenz im Laden und die Erledigung des gesamten administrativen Aufwandes lastet somit auf einer Schulter. Ähnlich wie in Frick sieht die Situation in der Rheinfelder Altstadt aus. Einheitliche Ladenöffnungszeiten seien schwierig umzusetzen, betont denn auch Marco Veronesi. Der Präsident der Pro Altstadt meint ausserdem: «Ich bin mir nicht sicher, ob ausgedehnte Öffnungszeiten dem Einkaufstourismus etwas entgegensetzen können.»

Nicht nur die Kleinen, auch die Grossen leiden unter der Konkurrenzsituation zum günstigen Ausland. «Die heutige restriktive Ladenöffnungszeiten-Regelung in der Schweiz benachteiligt uns gegenüber dem Ausland», sagt Mediensprecherin Nadja Ruch. «Deshalb setzt sich Coop innerhalb der Interessengemeinschaft Detailhandel Schweiz für landesweit teilharmonisierte und flexiblere Ladenöffnungszeiten ein.»

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