Laufenburg
Lädelisterben: Verlagerung des Auto-Verkehrs gab Verbliebenen den Rest

Vor zehn Jahren war Schluss mit der täglichen Blechlawine durch die Altstadt Laufenburgs: 2004 wurde der Zoll verlegt. Das Lädelisterben begann jedoch schon früher.

Hans Christof Wagner
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Einer, der im Dezember 2004 aufatmete, war Fischergasse-Anstösser Felix Klingele.

Einer, der im Dezember 2004 aufatmete, war Fischergasse-Anstösser Felix Klingele.

Susanne Hörth

Wie war das vor 2004? Die Fischergasse hoch kamen die Autos, nachdem sie über die Maillart-Brücke die Grenze passiert hatten. «Um 6 Uhr in der Früh ging es los, dann war noch einmal mittags Betrieb und abends ging es wieder in die andere Richtung, täglich um die 4000 Autos», erinnert sich der 64-jährige Felix Klingele. Er wuchs in der Altstadt auf und betreibt in der Fischergasse bis heute die Werkstatt seines Raumausstatter-Betriebes. Felix Klingele weiss bei jedem Haus, was sich darin einmal befunden hat: Lebensmittelladen, Apotheke, Bank, Coiffeur, Bijouterie, Papeterie, Elektro- und Velo-Geschäft. Auf rund 50 Betriebe kommt er.

Aber das war in den Fünfzigerjahren. 2004, dem Jahr der Zollverlegung, habe es bereits nur noch etwa 15 Läden gegeben, berichtet er. Das Lädelisterben hat also viel früher begonnen.

Schlechte Zukunftsaussichten

Die Verlagerung des Auto-Verkehrs aus den engen Gassen habe den verbliebenen dann noch den Rest gegeben, glaubt er. Auch der eigene Betrieb wird wohl keine Zukunft haben. Sohn David (32) wird ihn wohl nicht übernehmen. Und selbst wenn, in den engen Werkstatträumen der Altstadt, wo auch am Tag das Licht brennen muss, hätte er keine Entwicklungsmöglichkeit mehr. 1909 hat ihn Felix Klingeles Grossvater gegründet. Der Sattler hatte genügend Abnehmer in der Landwirtschaft, für die er Ross- und Viehgeschirre anfertigte. Aber schon der Vater verlagerte das Standbein auf Bodenbeläge und Vorhänge. Wobei es bis heute geblieben ist. Es ist eine Branche, die keinen direkten Kundenkontakt in einem gut zu erreichenden Ladengeschäft braucht. So kann Felix Klingele in der Altstadt bleiben.

Denkt er an die Zeit vor 2004 zurück, weiss er noch gut, wie seine Firmenautos so manches Mal die Blechlawine am Morgen oder am Abend zusätzlich am Durchkommen hinderten. Und er weiss auch noch, dass die Altstadt von den täglichen 4000 Autos eigentlich nicht viel hatte. Der Grossteil sei von deutschen Grenzgängern gefahren worden. Auch für die Fussgänger sei es dann nicht mehr lustig gewesen, von den Autos an den Rand der Gassen gedrängt. So blieb schliesslich auch die Laufkundschaft weg. Diese Zeiten wünscht sich Felix Klingele nicht mehr zurück. Dafür hat die Wohnqualität in der Altstadt zu sehr zugenommen. «Inzwischen ist es wie alle Tage Sonntag.»

Und doch beschäftigt es ihn, wie unter den heutigen Bedingungen Wohnen und Arbeiten in der Altstadt noch Zukunft haben könnte. Es müssten Betriebe kommen, die nicht darauf angewiesen sind, dass die Kunden sie direkt mit dem Auto erreichen. Betriebe, die ihre Geschäfte online abwickeln. Betriebe, die mit den kleinen Flächen und den individuellen Grundrissen der Altstadthäuser zurecht kommen. Und diese gibt es ja schon in Laufenburg, weiss Felix Klingele.

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