Frick

Kurzarbeit bei der Jakob Müller AG – Corona-Epidemie trifft Aargauer Hersteller von Textilmaschinen schwer

Robert Reimann, CEO der Jakob Müller AG, hofft, dass die Zukunftsprojekte trotz Krise vorwärtskommen.

Robert Reimann, CEO der Jakob Müller AG, hofft, dass die Zukunftsprojekte trotz Krise vorwärtskommen.

CEO Robert Reimann über die Auswirkungen der Corona-Epidemie, verhängte Reisestopps, Online-Sitzungen und seine Hoffnung: Solidarität.

Die Jakob Müller AG ist schweizweit führend in der Herstellung von Textilmaschinen. Das Unternehmen, das seinen Hauptsitz in Frick hat, ist weltweit tätig – unter anderem auch in von der Corona-Epidemie besonders stark betroffenen Ländern wie Italien oder China.

Das Unternehmen führt seit 2004 Robert Reimann, 44. Im Interview sagt er, wie sein Unternehmen mit den Corona-Herausforderungen umgeht.

Der Bund hat am letzten Freitag und gestern Montag drastische Massnahmen zur Eindämmung der Corona-­Epidemie getroffen. Wann haben Sie reagiert?

Robert Reimann: Wir haben bereits vor dem letzten Freitag für unsere Gruppe Massnahmen getroffen. Die Entwicklung und die Ausbreitung waren absehbar mit den offenen Grenzen und wir wollten agieren statt reagieren.

Was haben Sie verändert?

Wir haben letzte Woche viele Mitarbeiter bereits Stunden abbauen lassen oder in Kurzarbeit geschickt. Unsere Mitarbeiter, die noch in der westlichen Welt unterwegs waren, haben wir zurückgeholt; aus dem Osten waren die Leute vorher schon zurück.

Dürfen Ihre Mitarbeiter noch reisen?

Es besteht ab sofort ein Reisestopp für alle geschäftlichen Reisen. Ausnahmen müssen von mir persönlich freigegeben werden. Vor der Rückkehr von Ferienreisen müssen die Mitarbeiter telefonische Rücksprache mit unserem Personalleiter und der Geschäftsleitung nehmen. Generell muss der Mitarbeiter mit 14 Tage Wartezeit zu Hause rechnen.

Haben die vom Bund getroffenen Massnahmen Auswirkungen auf interne Bereiche, also auf die Arbeitsabläufe?

Ja. Wir haben bereits viele Massnahmen letzte Woche umgesetzt, so etwa ein verstärktes Home-Office. Meetings sind generell zu vermeiden; maximal zulässig sind für dringende Fälle Meetings mit zwei bis drei Personen. Auch die Verwaltungsratsitzung wird diese Woche per Webkonferenz durchgeführt. Verboten ist auch das Zusammenstehen beispielsweise an Kaffeeautomaten oder Raucherplätzen.

Was ist mit dem Personalrestaurant Müllerhof, das auch für Externe zugänglich ist?

Dieses ist als Restaurant für alle geschlossen. Es werden nur noch Lunchpakete für interne und externe zur Verfügung gestellt. Der «Müllerhof» ist jetzt ein Take-away.

Gibt es in der Produktion Stillstände respektive Bereiche, in denen die Produktion heruntergefahren wird?

Was seitens der Kunden noch bezogen werden kann, können wir aktuell noch liefern, da wir in Aussicht auf dieses Problem im Februar stark vorgearbeitet haben. Ob die Logistik noch funktioniert oder der Kunde die Maschinen noch annehmen kann, muss von Fall zu Fall überprüft werden. Zudem wird die Logistik – Schiffe, Container, etc. – mehr und mehr Probleme haben.

Welche Auswirkungen wird das mittelfristig haben?

Wir werden definitiv mit zunehmenden Problemen und einem dadurch verursachten Umsatzrückgang rechnen müssen. Es kann dabei durchaus eine Reduktion von 30 bis 50 Prozent bedeuten.

Was bedeutet dies für die Arbeitnehmer? Arbeiten sie normal weiter oder müssen sie Ferien beziehen?

An Zukunftsprojekten sollen die Mitarbeitenden möglichst normal weiter arbeiten; die Teams werden allerdings gesplittet. Eine Reduktion ohne Arbeit soll wenn möglich mit Ferien und Gleitzeit kompensiert werden. Der Rest muss jedoch über Kurzarbeit erfolgen, denn in dieser Situation kann auch nicht mit vielen neuen Aufträgen gerechnet werden.

Gilt bereits ein Kurzarbeitregime?

Ja. Wir haben die Kurzarbeit für den März schon bewilligt bekommen. Das Asiengeschäft ist bereits vorher zurückgegangen und damit hat sich die Projektlage dort bereits vorher stark abgekühlt.

Mit welchen finanziellen Folgen rechnen Sie?

Es wird klar finanzielle Konsequenzen geben. Jedoch ist es derzeit schwer absehbar, welche Reduktionen die bereits mehr und mehr kränkelnde Wirtschaft schon gebracht hätte. Ich nehme an, es wird schon deutlich spürbar sein und daher sind kostensenkende Massnahmen zwingend notwendig.

Macht Ihnen dies Angst?

Ein zyklisches Geschäft sind wir im Textilmaschinenbau gewohnt und dies macht uns keine Angst. Mehr Sorgen macht mir das Risiko, dass wir mit unseren Entwicklungen für die Zukunft nicht gut vorankommen. Wir haben sehr viele neue Produkte in den Startlöchern, die uns in der Abschwungphase die Volumen kompensieren sollten. An dieser Stelle würden uns Verzögerungen auch sehr schmerzen.

Rechnen Sie aufgrund der weltweiten Restriktionen auch mit Lieferengpässen?

Kurzfristig sehen wir noch kein Problem. Wir können eine gewisse Zeit auch mit unserer eigenen Fertigung und unserem Lager überbrücken. Wir haben bereits im Januar erkannt, dass wir tendenziell die Lager füllen müssen, um nicht in Lieferschwierigkeiten mit den Problemen in Asien zu kommen. Das hat sich ausbezahlt und wir hoffen, dass dies auch genügend lange ausreichen wird.

Das hören die Kunden gerne.

Ja, unsere Kunden sind natürlich sehr glücklich, dass wir auch noch dringend benötigte Ersatzteile liefern können. Dies auch an die Kunden, die aus Preisgründen Piratenteile aus China bezogen haben und nun sehr schwer an die Teile kommen.

Was ist Ihr Appell an die Bevölkerung?

Ich appelliere zum Schutz der Gesundheit von uns allen, dass wir alle Menschenansammlungen und die öffentlichen Verkehrsmittel vermeiden. Auch zum Schutz der ganzen Familien sollte man nicht unnötig unter die Menschen gehen. Auch wenn ich in meinem Alter nicht dem Risiko ausgesetzt bin wie andere, möchte ich nicht für die Übertragung des Virus an andere Personen verantwortlich sein. Leider haben dies viele Bürger noch nicht verstanden. Die Freizeit geht der Gesundheit teilweise vor.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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