Möhlin
Kurioses anmutendes Material aus früheren Dorfzeiten

Im Rahmen des 100-jährigen Bestehens der Ortsbürgergemeinde fand am Sonntagnachmittag eine Zeitreise zurück bis ins 18. Jahrhundert statt. Der Dorfweibel proklamierte am Melihus wichtige Nachrichten.

Hans Christof Wagner
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Walter Hohler brachte bei seinem Auftritt als Dorfweibel vor dem Melihus die Zuschauer zum Schmunzeln. Linus Hüsser (links) hat über die Geschichte der Ortsbürgergemeinden geforscht.

Walter Hohler brachte bei seinem Auftritt als Dorfweibel vor dem Melihus die Zuschauer zum Schmunzeln. Linus Hüsser (links) hat über die Geschichte der Ortsbürgergemeinden geforscht.

Die Aktion stand im Zusammenhang mit den Feiern zum 100-jährigen Bestehen der Ortsbürgergemeinde Möhlin. Und eröffnete gleichzeitig die neue Ausstellung im Dorfmuseum Melihus.

Darin präsentiert der Museumsverein unter dem Motto «100 Jahre Ortsbürgergemeinde Möhlin - Gestern-Heute» Material aus alter Zeit, das dem heutigen Betrachter vor allem kurios erscheint.

Da wurden Menschen zu Geldstrafen verurteilt, deren Höhe heutigen Betrachtern lächerlich vorkommt. Argwöhnisch wachte die Ortsbürgergemeinde darüber, dass sich niemand auf ihre Kosten widerrechtlich bereicherte, vor allem nicht im Wald.

Der Vorwurf in einem Verfahren von 1863: «Ein Theilholz abgeführt, welches hätte sollen stehen bleiben zu Gunsten der Gemeinde».

Dabei ertappte die Obrigkeit durchaus auch angesehene Bürger als «Frevler», wie einen Gemeinderat von Möhlin oder gar Mathias Wüthrich, den Mitbegründer der Feldschlösschen Brauerei in Rheinfelden.

Der Dorfweibel, der am Sonntag vor dem Melihus rund 50 Anwesenden historische Dokumente vorlas, war Walter Hohler vom Kultur- und Standortmarketing der Gemeinde.

In Ermangelung einer Weibel-Uniform trat Hohler in einer historischen Feuerwehruniform auf, nachdem er mit dem Velo vorgefahren war. Auch den Helm nahm er nach Ankunft am Melihus umgehend ab. Nur die angeklebten Bärte blieben dran.

Hohlers Vortrag rief unter den Besuchern Heiterkeit hervor. Sorgten doch die altertümlichen Begriffe und die umständliche Amtssprache von damals für Lacher.

Das älteste Dokument, das Hohler vorlas, stammte aus dem Jahr 1763, zu einer Zeit, als die Gegend um Laufenburg und Rheinfelden noch gar nicht schweizerisch war, sondern zur Vorderösterreich gehörte und vom deutschen Freiburg aus regiert wurde.

Die Umstände dieser Epoche erklärte auch Historiker Linus Hüsser aus Ueken, Mitverfasser der Broschüre zur neuen Ausstellung im Melihus. Darin ist auch nachzulesen, dass sich Möhlin und Ryburg im 19. Jahrhundert heftig stritten bis hin zur versuchten Abspaltung Ryburgs von Möhlin im Jahr 1840.

Hüsser streifte die Geschichte der Ortsbürgerverfassungen - von ihren anfänglichen Aufgaben über die Debatte ihrer Auflösung bis zu heutigen Zeit. Hüsser teilte mit, dass die Ortsbürgergemeinden nach und nach Kompetenzen an die Einwohnergemeinden verloren hätten.

Und sich seit den 80er-Jahren vor allem um eines kümmerten: um die Förderung des kulturellen Lebens.

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