Bözen

Kupferhalsziegen: Vor kurzem bedroht, heute sehr beliebt

Erstmals hat im Aargau ein Kupferhalsziegen-Treffen der Stiftung Pro Specie Rara stattgefunden.

«Schauen Sie mal dieses Tier an! Diese Kupferhalsziegen sind doch einfach wunderschön», sagt eine Thurgauerin beim Scheuneneingang auf dem Moosmatthof von Ueli und Erika Barth in Bözen. Und tatsächlich, hier steht er: Der prächtige Geissbock der Familie Müller ist frisch gekämmt und begrüsst die Besucher am siebten Kupferhalsziegen-Treffen – dem ersten im Kanton Aargau – an diesem trüben Sonntagmorgen neugierig.

Die Gäste aus dem Thurgau halten seit einem Jahr Schwarzhals-ziegen und vor wenigen Wochen gab es zum ersten Mal Junge. Sie sind nach Bözen gekommen, um sich mit anderen Züchtern auszutauschen.

Bestand verzehnfacht

Die Nachfrage nach Kupferhals-Ziegen scheint seit neustem wieder zu wachsen. Das war nicht immer so. «Im Jahr 2006 gab es in der Schweiz nur noch 28 Tiere», sagt Philippe Ammann, Leiter des Tierbereichs bei Pro Specie Rara. Er ist mit seinem Notebook ein gefragter Mann. Ammann führt nämlich das Herdenbuch der Kupferhalsziegen und weiss, welche Tiere gute Genträger sind und welche Paarungen am meisten Erfolg versprechen.

In den letzten acht Jahren hat sich der Tierbestand fast verzehnfacht. «Aktuell sind wir bei rund 250 Kupferhalsziegen, wobei viele Jungtiere gar noch nicht gemeldet wurden. Ich habe soeben die beiden Gitzi dort in der Ecke im Herdenbuch erfasst», so Ammann.

«Wir sprechen vom Walliser-Geissen-Komplex. Zu diesem gehören die Schwarzhals-, die Kupferhals- und die weissen Gletschergeissen», fährt Philippe Ammann fort. Schwarz sei das dominante Gen und so bestand während Jahrzehnten ein Konsens, dass nur die Schwarzhalsziege rassenrein und im Herdenbuch zu führen sei.

Kupferfarbige Ziegen wurden, weil sie als minderwertig galten, jeweils schnell geschlachtet.

Historische Dokumente aus dem Jahr 1938 belegen aber, dass die Kupferhalsziege im Wallis sehr verbreitet war. Ammann begann für sie ein eigenes Herdenbuch zu führen. Es sei auch ein Wiederbesinnen auf die alte Vielfalt, sagt er. Die Kupferhalsziege sei heute vor allem eine Hobby-Geiss und auch bei jungen Züchtern sehr beliebt.

Nachfrage steigt in Deutschland

Ursula Hofstetter begann mit zwei Ziegen in Bühler AR. Sie hatte einen Hang voller Brombeeren, dem sie nicht richtig Meister wurde. Die Kupferhalsziegen sind sehr gebirgstauglich und brachten Ordnung in das Dornen-Wirrwarr.

Aus zwei wurden elf Ziegen und Hofstetter zog vor eineinhalb Jahren in den Schwarzwald. Dort sei die Nachfrage so gross, dass sie das Böckchen bereits vor der Geburt verkaufen konnte. Eingetragen werden die Tiere übrigens weiterhin im Herdenbuch der Pro Specie Rara.

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