Oeschgen
Kunstwerke, die ihren letzten Schliff erst durch das Feuer bekommen

Oeschgen Das 12. Keramikfestival ist Geschichte. Was bleibt, sind der noch bis 1. Juni zu besichtigende Keramikweg im Dorf und viele Eindrücke vom letzten Wochenende.

Peter Schütz (Text und Fotos)
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Viel Publikum
6 Bilder
Oeschgen Feuerbrand
Feuerbrand in Oeschgen
Faszinierendes Feuer
Die Stele von Mathies Schwarze brennt
Alles muss genau kontrolliert werden

Viel Publikum

Susanne Hörth

Besonders und im wahrsten Sinn des Wortes ins Gedächtnis eingebrannt hat sich der Feldbrand von Samstagabend. Das Spektakel auf einer Wiese nahe der Sissle lehnte sich an die über tausend Jahre alte Tradition des afrikanischen Feldbrandes an. Wer Lust hatte, sich mit dem Material «Ton» zu beschäftigen und zu modellieren, konnte dies für fünf Franken das Kilo Ton tun. Im Preis inbegriffen war das Vorbrennen und natürlich das Brennen am offenen Feuer – ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis.

Zu verdanken war es dem Grundgedanken des Keramikers, Lehrmeisters und Festivalmachers Mathies Schwarze, dem viel daran liegt, das über 5000 Jahre alte Handwerk des Töpferns einem breiten Publikum näher zu bringen. Dass es ihm gelungen ist, machte das Interesse am Feldbrand am Samstag deutlich. Als um 19 Uhr die Feuer angezündet wurden, hatte sich eine grosse Menge um den Platz mit den acht Feuerstellen versammelt. Der Rauch war schon vom Kaisterberg aus zu sehen. Die Feuer wurden mit Stroh genährt, sodass von den zu brennenden Gefässen kaum etwas zu sehen war.

Da und dort ragte die Öffnung oder der verzierte Bauch eines Kruges aus dem verkohlten Stroh heraus. Nur eine aus schön geformten Gefässen bestehende hohe Säule blieb immer sichtbar und brannte am längsten. Wer sich in der Nähe der Feuer bewegte, konnte getrost auf eine Jacke verzichten. Denn bei 1000 Grad Hitze wurde einem ziemlich warm. Abkühlung gab es erst in der Festwirtschaft in der offenen Scheune von Marta Müller, wo die Männerriege Oeschgen mit Frauen und Partnerinnen sich mächtig ins Zeug legten.

Acht Feuerstellen

Insgesamt befanden sich 150 Objekte in den acht Feuerstellen. Was die Flammen aus ihnen gemacht hat, war aber erst am Sonntagmorgen, wenn die Glut erkaltet war, zu sehen. Klar war am Samstag nur so viel: «Die Stücke bekommen eine Zeichnung von den Flammen», erklärte Mathies Schwarze. Durch den Ascheanflug erhielten die Objekte ihren endgültigen Charakter, abgekratzt oder gereinigt wurde nichts. Das war ja der Reiz der Aktion: Der Natur quasi den letzten Schliff überlassen. Als Mathies Schwarze den Platz mit den Feuerstellen überquerte, wurde er gefragt, ob es den Feldbrand nächstes Jahr wieder geben wird. Schwarzes Antwort blieb geheimnisvoll: In dieser Form nicht, «es wird etwas anderes geben». Es bleibt also spannend.