Effingen
Kunst unter Donnerklang und Hagelschlag

Die Natur übernahm gestern mit Vehemenz den Lead bei «Kunst Klang Natur» auf den Jurahöhen bei der Sennhütte ob Effingen. Die Ausstellung verfolgt zwei Ziele: Die Natur soll die Wahrnehmung der Künstler schärfen und die Kunst die Sicht der Besucher.

Sabine Altorfer
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Immer den orangen Pfeilen nach Kunstwerk 1 bis 8
10 Bilder
Wolkenkunst über dem Jurapark
Daniel Schwarz Skulptur 'Weitblick'
Das übergrosse Vogelhäuschen 'Lockvogel' von Susi und Samy Kramer
Susi Kramer in ihrem Vogelhäuschen
Vernissagegäste auf dem Rundgang zu Kunst Klang Natur
Künstler Christian Kunter wartet in der FunkInstallation auf die Stimmen aus Ouagadougou
Das Gewitter zieht auf über dem Jurapark
Bunte, aber ungefährliche Neophyten von Theo Huser
An der Vernissage von «Kunst Klang Natur» im Jurapark wurde die Kunst vom Wetter arg bedrängt

Immer den orangen Pfeilen nach Kunstwerk 1 bis 8

Emanuel Freudiger

Kaum hatte das az-Trio den äussersten Punkt des Parcours, das Labyrinth von Agnes Barmettler, erreicht, brachen aus den schwarzen dramatischen Wolken nicht nur Blitz und Donner sondern auch grober Hagelschlag und Regen. Die Schirme wurden umgestülpt, die Schuhe mit Wasser gefüllt und die Zelt-Installation von Christian Kuntner auf der Hügelkuppe musste einen Härtetest im Sturmwind bestehen.

Die Machtdemonstration der Natur dauerte nur kurz und es schien, als könne das Vernissage-Programm fortgesetzt werden. Doch kaum war das Apéro-Glas beim «Ohr» von Pesche Panero und David Riganelli gefüllt, wurden die urchigen Töne aus dem überwachsenen Klang-Kunstwerk von neuem Donner übertönt und das Apéro-Zelt vom Sturm kurzerhand weggefegt. Bei der Sennhütte drängten sich die Menschen unter den Vordächern und dem offenen Zelt, der Sturzregen füllte die Pfannen in der improvisierten Küche, an Musik auf der Freiluft-Bühne war nicht zu denken.

Dabei hatte das Sommersonnenwende-Kunstfest so herrlich begonnen! Im Sonnenschein spielen sich Max Lässer und sein Überlandorchester bei der Sennhütte ein, es duftet nach Pasta und Kleinbus um Kleinbus voll Neugierige treffen ein für die Eröffnung von «Kunst Klang Natur».

Die Ausstellung im Jurapark habe zwei Ziele, sagt Geri Hirt, der abtretende Präsident des Vereins Dreiklang: «Die Natur soll die Wahrnehmung der Künstler schärfen und die Kunst die Sicht der Besucher.» Denn schliesslich hat der Jurapark eine Leistungsvereinbarung mit dem Bund, sich um Natur und Kultur zu kümmern.

Kunstwerke für den Ort

Um die Kultur kümmern die Kuratorinnen Sadhyo Niederberger und Cornelia Ackermann sowie elf Künstlerinnen und Künstler - alle aus der Region oder mit der Region verbunden. Sie haben für die Hügel und Wälder acht massgeschneiderte Kunstwerke kreiert. Poesie und Feinheit, zuhören und beobachten sind die verbindenden Themen.

Im Bauwagen, der zur begehbaren Camera obscura umfunktioniert wurde, sensibilisieren uns Kathrin Siebenhaar und Jacqueline Weiss fürs genaue Schauen. Marianne Engels «Lockung» ist eine Hommage an die kleinen Tiere im Wald und «Lockvogel» von Susy und Samy Kramer vermittelt den Besucherinnen und Besuchern Vogelhäuschen-Feelings. Wer sich auf dem einstündigen Rundgang zwischen Wiesen, Wäldern und reifenden Kornfeldern auch auf die Borde und Hecken achtet, wird neben den einheimischen Pflanzen Eindringlinge beobachten: Nicht nur die beängstigenden Neophyten, die auf der Liste des Amtes für Landwirtschaft stehen, sondern freche, poetische und verspielte Unterarten. Sie stammen von Theo Huser und setzen bunte Merkpunkte.

Kunst Klang Natur. Jurapark. Ausgangspunkt Sennhütte ob Effingen, bis 2. September. www.jurapark-aargau.ch