Rheinfelden

Kunst im alten Grundbuchamt: Leben für leere Räume

Ursula Nachbur stellt im alten Grundbuchamt Bilder und Skulpturen aus. yzo

Ursula Nachbur stellt im alten Grundbuchamt Bilder und Skulpturen aus. yzo

Ursula Nachbur stellt ihre Kunst im ehemaligen Grundbuchamt aus. «Ich glaube, dass es ein Bedürfnis für kurzfristige Nutzung von Räumen gibt», findet sie. Für die Besucher ist es zudem ein nostalgischer Blick in die Vergangenheit.

«Die Beleuchtung ist ideal», sagt Ursula Nachbur. Die hohen Fenster lassen viel Licht in das ehemalige Grundbuchamt an der St. Martinsgasse in Rheinfelden. Vor zwei Wochen hat sich die Künstlerin mit ihren Bildern, Skulpturen und Installationen im Erdgeschoss des Hauses eingerichtet.

Dass sie den grossen Raum nutzen darf, ist für sie ein Glücksfall – an dem sie nicht ganz unbeteiligt war. Ihre beharrliche Suche nach einer geeigneten Lokalität ist es gewesen, die zum Erfolg führte. Über einige Enttäuschungen zwar, aber die hätten wohl dazugehört, meint sie.

«Viele Räume in Rheinfelden stehen leer – und das über längere Zeit», sagt Nachbur. Räume, die zwischen dem alten und dem noch bevorstehenden neuen Zweck nicht genutzt werden. «Ich finde, solche Lokalitäten sollten viel mehr zwischengenutzt werden.» Das komme nicht nur den Nutzern selbst, sondern auch der Stadt zugute.

Ihre Anfragen bei etlichen Liegenschaftsbesitzern stiess allerdings nicht auf dieselbe Meinung. «Einigen war der Aufwand für eine Zwischennutzung schlicht zu viel», sagt Nachbur. Andere hätte sie zwar für die Idee gewinnen können, aber dann sei es an den Bedingungen gescheitert, die gestellt worden waren.

Zwischennutzung ist gefragt

«Und dann ging plötzlich alles so reibungslos und schnell, dass ich mich heute noch darüber wundere», sagt sie. Die Aargauer Kantonalbank, Besitzerin des alten Grundbuchamtes, war nach einem Telefonat von ihrem Anliegen überzeugt. «Zwei Tage später hatte ich die Schlüssel für diesen Raum, den ich bis zum 20. Dezember für die Ausstellung nutzen darf.»

Seither sei sie bereits von mehreren Leuten angesprochen worden, die ihre Idee der Zwischennutzung leerstehender Räume aufgreifen wollten. «Ich glaube, dass es ein Bedürfnis für kurzfristige Nutzung von Räumen gibt», sagt Ursula Nachbur.

Nicht nur von Kunstschaffenden, sondern auch von Menschen, die eine Geschäftsidee realisieren wollten, ohne sich gleich zu Beginn auf längerfristige Mietverträge einzulassen. «Oft braucht es einfach nur den Mut, zu fragen», weiss die Künstlerin aus Erfahrung.

Der Nebeneffekt

Ein Effekt, der die Nutzung eines lange verschlossenen Raumes bei den Besuchern auslöst, ist für die Künstlerin besonders interessant. Es ist der fast schon nostalgische Blick in dessen Vergangenheit.

«Es kommen Menschen in die Ausstellung, die sich noch ganz genau erinnern können, wie dieser Raum eingerichtet war, als er noch als Schalterhalle der Kantonalbank diente», sagt Ursula Nachbur.

Ja sogar, wie die Angestellten hiessen und welche Funktion sie innehatten. Sie hat Verständnis für das Bedürfnis der Leute, einen Blick in Räume zu werfen, die vor vielen Jahren einmal zum Alltagsleben in Rheinfelden gehörten. Dass sie ihre Kunst hier ausstellen darf, empfindet Ursula Nachbur als Bereicherung.

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