Möhlin

Kritisierte Pfarrerin erhält Rückendeckung

Wolfgang Sereinig äusserte am Rednerpult Kritik an Pfarrerin Christiane Bitterli.

Wolfgang Sereinig äusserte am Rednerpult Kritik an Pfarrerin Christiane Bitterli.

Wolfgang Seiring übte an der reformierten Kirchgemeindeversammlung Kritik an der Pfarrerin, doch die Anwesenden teilten diese nicht.

Wenn die Atmosphäre etwas aufgeheizt ist, kann ein Gewitter wunderbar reinigen, auch zwischenmenschlich. So im Rahmen der reformierten Kirchgemeindeversammlung in Möhlin am Mittwoch unter der Leitung des Interimspräsidenten der Kirchenpflege, Roland Blattner. Dabei ging es unter anderem um die angebliche Unzufriedenheit mit der Arbeit von Pfarrerin Christiane Bitterli.

Was war geschehen? Im November des vergangenen Jahres trat Wolfgang Seiring als Präsident der Kirchenpflege zurück. Wegen privater Gründe, wie er zu diesem Zeitpunkt angab. Doch vor gut einer Woche ging er über einen Bericht sowie einen Leserbrief in der Lokalzeitung an die Öffentlichkeit. Darin wirft er Pfarrerin Bitterli einen schlechten Umgang mit ihren Gemeindemitgliedern vor, einige würden sich überhaupt nicht mehr wohl fühlen. Sogar Kirchenaustritte wären deshalb im Gespräch. Dies sei auch der wirkliche Grund seines Rücktritts gewesen und deshalb wolle er an der Kirchgemeindeversammlung den Antrag stellen, die Zukunft der reformierten Kirche ohne Pfarrerin Christiane Bitterli zu gestalten. Sie solle gehen – noch vor den Wiederwahlen 2018. Wegen des Amtsgeheimnisses könne er jedoch keine Interna nennen.

Vorwurf: Pfarrerin grüsst nicht

Soweit die Vorgeschichte. Pfarrerin Bitterli arbeitet seit 17 Jahren in der Gemeinde Möhlin. Beschwerden, die an sie herangetragen wurden, gab es bisher nicht. Derzeit ist sie für vier Wochen in einem Sabbatical, auch um ihr Diplom abzuschliessen – eine Zusatzausbildung zu ihrem akademischen Abschluss über Kranken-und Altersheimseelsorge. Von den Anschuldigungen erfuhr sie erst aus der Zeitung und aufgrund des Sabbaticals war sie auch an der Kirchgemeindeversammlung nicht anwesend.

Wie angekündigt stellte Seiring zwei Anträge. Da weder der Umgang von Pfarrerin Bitterli mit der Kirchenpflege noch mit den Gemeindemitgliedern stimme, solle die Zusammenarbeit noch vor der Wahl 2018 beendet werden. Er unterstrich dazu, dass von mehreren Seiten an ihn herangetragen wurde, dass sie nicht grüsse und bei bestimmten Anlässen, etwa bei Beerdigungen, nicht anwesend war. Konkrete Angaben gab es nicht. Zum anderen regte er an, dass über die Aufteilung der 150 Stellenprozente zwischen den beiden Pfarrerinnen bei einer Neueinstellung auch neu entschieden werden solle. Dieser Antrag zur Abstimmung im Herbst an der nächsten Versammlung konnte aus kirchenrechtlichen Gründen gar nicht eingebracht werden.

In seinem zweiten Antrag ging es um das Pfarrhaus, in dem die Familie seit 16 Jahren wohnt. Es solle eine Kommission gebildet werden, wie dieses zukünftig kostengünstiger und besser genutzt werden könne. Bis auf ganz wenige Stimmen wurde dieser Antrag mit grosser Mehrheit zurückgewiesen.

In der sich anschliessenden, wohltuend sachlichen Diskussion ergab sich ein total anderes Bild zur Arbeit von Pfarrerin Bitterli. Ihr wurde eine ausgezeichnete, mitfühlende Tätigkeit bescheinigt, auch von den angeblich unzufriedenen Senioren. Und als völlig inakzeptabel wurde der Weg benannt, die angebliche Problematik ohne vorherigen Kontakt mit der Pfarrerin in der Zeitung auszutragen. Aber auch der ehemalige Kirchenpflegepräsident Seiring wurde gelobt für seine Hilfsbereitschaft.

Im persönlichen Gespräch mit der az betonte Interimspräsident Blattner nochmals, dass es zu seiner Zeit im Gremium nie ein Thema gewesen sei, dass Pfarrerin Bitterli gehen solle. Negative Äusserungen zu ihrer Arbeit kenne er nicht, die Zusammenarbeit sei gut, unterschiedliche Meinungen würden zivilisiert und konstruktiv besprochen.

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