An der Generalversammlung der Raiffeisenbank Wegenstettertal Mitte März rumorte es. Der Verwaltungsrat orientierte über Pläne für eine Fusion mit der Raiffeisenbank Möhlin – und rief damit den Zuzger Schulpflegepräsidenten und Anwalt Jascha Schneider auf den Plan. Dieser forderte eine Konsultativabstimmung, um den Puls der Basis zu spüren. Der Puls schlug fusionskritisch. Nur gerade 16 der 384 anwesenden Genossenschafter sprachen sich für die Pläne des Verwaltungsrates aus.

Für Schneider Grund genug, in der Öffentlichkeit einen Marschhalt zu fordern. Wenn die Gespräche mit Möhlin nicht auf Eis gelegt würden, behalte er sich vor, eine ausserordentliche Generalversammlung mit Neuwahlen des Verwaltungsrates zu beantragen, so Schneider damals gegenüber der Aargauer Zeitung. Das Gleiche teilte er dem Verwaltungsrat auch per Einschreiben mit.

Verhandlungen unterbrochen

Ende letzter Woche kam es nun zum Gespräch zwischen Schneider, seinem Vertrauensmann, der als Banker tätig ist, sowie dem Verwaltungsrat der Raiffeisenbank Wegenstettertal und Vertretern von Raiffeisen Schweiz. «Im Laufe des Gesprächs wurde mir mitgeteilt, dass die Verhandlungen derzeit auf Eis liegen», so Schneider.

Gegenüber der az wollte Hansruedi Neuenschwander, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Wegenstettertal, diesen Sachverhalt weder bestätigen noch dementieren. Auch weitere Fragen wollte er nicht beantworten. «Wir werden zuerst die Genossenschafter mit einem Brief informieren», so Neuenschwander.

Den Info-Brief hat der Verwaltungsrat auch Jascha Schneider in Aussicht gestellt. Eine Mail an Schneider, die im Anschluss an das Gespräch vom Aktuar des Verwaltungsrates verschickt wurde und die der az vorliegt, bestätigt auch den Unterbruch der Gespräche: «Wie erwähnt sind die Fusionsgespräche seit der Generalversammlung auf Eis gelegt», heisst es darin.

Start für Meinungsbildungsprozess?

Schneider hat im Rahmen des Gesprächs noch weitere Einsichten gewonnen. Die Argumentation des Verwaltungsrates, die Fusion sei wegen Richtlinien der Finanzmarktaufsicht Finma nötig, sei unzutreffend. «Es gibt keine konkreten Dokumente der Finma oder Einschränkungen des Revisionsberichts, die auf eine Fusion drängen», so Schneider, «die Finma hält der Raiffeisenbank Wegenstettertal nicht die Pistole auf die Brust.»

Raiffeisenintern aber gebe es eine Strategie, die auf grössere Banken hinarbeite und mehr Gewicht auf die Vermögensverwaltung lege. «Legitim» sei dies, so Schneider, «aber die Raiffeisenbank Wegenstettertal ist eine ‹Häuslebauer-Bank› ohne Grossanleger, ich sehe in dieser Fusions-Strategie keinen Vorteil für unsere Genossenschafter.»

Er fordert nun, dass «noch vor den Sommerferien ein Meinungsbildungsprozess gestartet wird». Möglich, dass auch diese Forderung umgesetzt wird. In der Mail des Verwaltungsrates heisst es jedenfalls: «Zu gegebenem Zeitpunkt möchten wir mit unseren Genossenschaftern in einen persönlichen Dialog treten.» Affaire à suivre.