Laufenburg
Kritik nach Brand im «Schützen»: Opfer fühlt sich im Stich gelassen

Nach dem Brand im ehemaligen «Schützen» in Laufenburg gibt es Kritik an der Stadt: Die Brandopfer fühlen sich im Stich gelassen. Stadtammann Herbert Weiss kann dies nicht nachvollziehen. «Eine Versicherung für den Hausrat abzuschliessen, liegt in der Verantwortung des Besitzers», sagt er.

Dennis Kalt
Merken
Drucken
Teilen
Dutzende Einsatzkräfte sicherten die Brandstelle an der Winterthurerstrasse in Laufenburg.
8 Bilder
Das ehemalige Hotel Schützen in Laufenburg geriet im Januar in Brand.
So sieht der «Schützen» am Tag danach aus.
Russ an den Wänden zeugen vom Feuer.
Aus den oberen Stockwerken, wo Sozialwohnungen untergebracht sind, mussten mehrere Personen gerettet werden.
Brand im «Schützen» Laufenburg (15.01.2018)
Der Verkehr musste grossräumig umgeleitet werden.
Es kam zu langen Rückstaus.

Dutzende Einsatzkräfte sicherten die Brandstelle an der Winterthurerstrasse in Laufenburg.

Nadine Böni

Mehr als 100 Kräfte der Feuerwehr kämpften vor zweieinhalb Wochen gegen die Flammen im ehemaligen Hotel Schützen an. Es entstand ein Sachschaden von rund 650 000 Franken. Mehrere Personen erlitten Rauchgasvergiftungen. Beim Brand der Liegenschaft wurde das meiste Hab und Gut der Bewohner zerstört und die Wohnungen sind nicht mehr bewohnbar.

Die AZ weiss, dass sich bei einigen Brandopfern das Gefühl der Hilflosigkeit breitmacht. Sie fühlen sich auch von der Stadt im Stich gelassen. «Hausrat, Elektrogeräte, Kleidung – alles kaputt. Weder Gemeinde noch Opferhilfe will oder kann uns helfen», lautet ein Kommentar der Freundin eines Betroffenen.

Stadtammann Herbert Weiss kann dies nicht nachvollziehen. «Eine Versicherung für den Hausrat abzuschliessen, liegt in der Verantwortung des Besitzers. Zudem hat die Stadt allen eine Ersthilfeunterstützung zur Verfügung gestellt.» Auch seien mit der Betreuung durch das Sozialamt weitere Massnahmen angeboten worden. Zu der Ersthilfeunterstützung der Stadt gehörte auch, dass man die Zivilschutzanlage zur Übernachtung bereitstellte. Während nach dem Brand die Mehrheit der Bewohner bei Bekannten untergekommen ist, haben drei die Nacht in der Zivilschutzanlage verbracht.

Finanzielle Unterstützung

«Am Tag nach dem Brand haben wir einigen der Opfer eine finanzielle Notüberbrückung gegeben, damit diese sich notwendige Sachen wie Nahrung und Kleidung kaufen konnten», sagt Tamara Hochuli, Co-Leiterin der Sozialdienste Laufenburg-Stein. Insgesamt musste die Institution vier Brandopfern bei der Wohnungssuche helfen. Während ein Paar bereits eine Wohnung in Stein beziehen konnte, sind zwei weitere Einzelpersonen provisorisch in einem Bed and Breakfast sowie einer Notunterkunft untergebracht. «Für diese Personen sind wir gerade dabei, eine Anschlusslösung zu suchen», sagt Hochuli.

Was wird aus der Brandruine?

Was nun aus dem ehemaligen Hotel Schützen werden soll, dazu kann der Besitzer der Liegenschaft, die Nahro AG, bislang noch keine Auskunft geben. Um dies zu beraten, trifft sie sich demnächst zu einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung.

Eine Korrespondenz mit der Stadt nach dem Grossbrand fand jedoch bereits statt. «Gemäss bisheriger Information plant der Eigentümer, die Liegenschaft leicht zu sanieren», so Stadtammann Herbert Weiss, der die Bauverwaltung beauftragt hat, die Gespräche mit der Nahro AG zur Zukunft des ehemaligen Hotel Schützen aufzunehmen. «Wir sind zwar leider nicht Eigentümer, wünschen uns aber eine Totalsanierung mit modernen und zeitgemässen Wohnungen», sagt Weiss.

Bereits am Morgen nach der Tat starteten die Brandermittlungen der Polizei. Laut Fiona Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, liegen die Ergebnisse der Brandermittlungen noch nicht vor. Auch der mutmassliche Täter, ein 24-jähriger Sozialhilfeempfänger, der in der Liegenschaft gewohnt hat und derzeit in Untersuchungshaft sitzt, bestreitet nach wie vor den Tatvorwurf. Kommt es zum Prozess gegen ihn, muss er bei einem Schuldspruch für die Straftat der qualifizierten Brandstiftung mit einer Mindeststrafe von drei Jahren rechnen.