Wölflinswil
Kraftwerkbetreiber und Biologe sind gegen den Windpark Burg

Sie können den Plänen für den Windpark Burg bei Kienberg und Oberhof nicht viel abgewinnen: Martin Steiger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Energiedienst Holding AG, Laufenburg, und Johannes Jenny, Geschäftsführer der Pro Natura Aargau.

Walter Christen
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Referenten beim Verein Pro Burg in Wölflinswil: Martin Steiger (links) und Johannes Jenny. – Fotos: chr/az

Referenten beim Verein Pro Burg in Wölflinswil: Martin Steiger (links) und Johannes Jenny. – Fotos: chr/az

Martin Steiger, der Vertreter vonseiten der Wasserkraftwerkbetreiber, vertrat in seinem Referat im Wölflinswiler «Ochsen», zu dem der Verein Pro Burg eingeladen hatte, den Standpunkt, dass die Produktion von elektrischer Energie umweltverträglich und auch effizient sein muss.

Er verwies dabei auf die Nutzung der Wasserkraft am Beispiel der Anlagen am Hochrhein zwischen dem Rheinfall und Basel. Bei kleineren Windkraftanlagen – beim Windpark Burg ist die Rede von etwa fünf Windrädern – sei hingegen die Effizienz nicht zuletzt durch die geringe Kapazität zu hinterfragen, zumal die Schweiz kein eigentliches Windland sei, wie Martin Steiger bemerkte. «Ob die Wind- oder die Wasserkraft ökologisch besser dastehen, darüber kann man letztlich geteilter Meinung sein», betonte der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Laufenburger Energiedienst Holding AG.

Seit Bestehen des Vereins Pro Burg sei es den Mitgliedern ein Anliegen, nicht nur entschieden gegen den geplanten Windpark Burg anzutreten, sondern auch breit über die ganze Thematik Energie, Landschaft, Flora und Fauna zu informieren, erwähnte Förster Werner Habermacher, Präsident des inzwischen rund 300 Mitglieder zählenden Vereins.

Wasserkraft – heute und morgen

Wie der Präsident weiter festhielt, könne Martin Steiger sehr kompetent über eines der Themen Auskunft geben, mit dem sich alle täglich beschäftigen, nämlich der Energie. «Die Bedeutung der Wasserkraft heute und morgen» konnte denn der Referent auch eindrücklich und spannend den rund 60 Versammelten näher bringen. Dabei ging er nicht nur auf die Art und Weise der Stromgewinnung und des ganzen Umfeldes ein, sondern auch auf die Speichermöglichkeiten der Energie.

Dabei schilderte er die gegenwärtige Situation der Pumpspeicherwerke: «Wenn wir uns im Zeichen der Energiewende von der Kernenergie und auch von fossilen Energieträgern lösen und stärker auf regenerative Energien setzen wollen, so muss es Lösungen geben, den Strom speichern zu können. Dabei ist die bekannteste Stromspeichermöglichkeit, die sich auch bewährt hat, das Pumpspeicherkraftwerk.»

Doch die Preissituation am Strommarkt, wie sie sich in den letzten paar Jahren entwickelt habe, mache es den Kraftwerken immer schwieriger, ihre Pumpspeicheranlagen betreiben zu können. Denn die Grundlast- und die Spitzenlast-Preise würden immer weiter aufeinander zugehen.

Wenn es um die künftige Entwicklung der Nutzung von Wasserkraft gehe, stelle sich die Frage, was diesbezüglich noch alles bewerkstelligt werden könne, so Martin Steiger. Das Bundesamt für Energiewirtschaft habe im Jahr 2012 eine umfassende Studie veröffentlicht.

Daraus gehe hervor, dass in der Schweiz noch 1530 GWh (Gigawattstunden) an neuer Wasserkraft realisiert werden könnten. Dies aber bereits nach grossen Abstrichen mit einem Korrekturfaktor von 1400 GWh: Bestimmungen des Gewässerschutzgesetzes mit den Auflagen für die Erhöhung der Restwassermengen in den betreffenden Gewässern wirken sich dabei aus.

Dies habe dann zur Folge, dass sich die Nutzung für ein Wasserkraftwerk reduziere. «Das ist gut für die Fische, aber halt weniger für die Stromproduktion», sagte Martin Steiger. Dies schon fast als Überleitung zum Thema von Johannes Jenny: «Der Juraschutz aus der Sicht von Pro Natura Aargau».

Der Schutz von seltenen Pflanzen und Tieren ist nach Angaben des Biologen und Geschäftsführers von Pro Natura Aargau ein wesentliches Anliegen dieser Organisation. Dazu gehört unter anderem der Schutz von Auen und Flusslandschaften. Da besteht ja schon ein gewisses Konfliktpotenzial zwischen Energieproduktion (Kraftwerke) und dem Schutz der Natur. Jenny hielt in seinen Ausführungen fest: «In Zukunft wird vermehrt auch der Nichtgebrauch von Energie noch an Bedeutung gewinnen und ins Zentrum gerückt.»

Damit sich die Zuhörerinnen und Zuhörer im «Ochsen»-Saal eine Vorstellung dessen machen konnten, führte Jenny als Beispiel die Heizwasserpumpen in den Gebäuden an: «Wenn man diese Anlagen richtig dimensionieren und einstellen würde, hätten wir den Winterstrom des Atomkraftwerks Mühleberg, und im Sommer brauchen wir Mühleberg nicht».

«Keine Opferung der Landschaft»

Was die Windenergie mit dem Beispiel des Windparks Burg anbelangt, meinte Johannes Jenny: «Wir sollten nicht die Landschaft opfern – wir haben dafür keinen Gegenwert.» Die Pläne für den Windpark auf dem Jura werden also nicht nur in der Energiebranche kritisch verfolgt, sie begeistern auch den Biologen nicht.

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