Gansingen/Oberhofen
Kraftvolle und kreative Arbeit mit 220 Millionen Jahre alten Steinen

Im Steinbruch Röt baut André Obrist den in der Schweiz einzigartigen rot-gelben Sandstein ab. Im Sommer hat er den Steinbruch als Kulisse für das Freilichttheater sMarei zur Verfügung gestellt.

Susanne Hörth
Merken
Drucken
Teilen
André Obrist in Steinbruch Röt vor einem «gebohrten» Sandstein.
6 Bilder
Im Steinbruch Röt wird der einzigartige, rot-gelbe Sandstein abgebaut.
In den Sandsteinwänden haben sich über Millionen Jahre hinweg Salzkristallandschaften gebildet.
Salz- und Kalkablagerungen auf dem Sandstein.
Steinbruch Röt
Extra für die Adventsausstellung hat André Obrist einen Pizzaofen aus Sandstein gefertigt.

André Obrist in Steinbruch Röt vor einem «gebohrten» Sandstein.

Susanne Hörth

Die gelb-roten Felswände mit den dunklen Rissen ragen senkrecht nach oben, heben sich deutlich vom neblig-trüben Hintergrund ab. Es ist ruhig im Steinbruch Röt in Gansingen. Kein Brummen von schweren Maschinen - Baggern und Staplern, kein von Menschenhand erzeugtes Hämmern ist zu vernehmen. «Die Nässe der vergangenen Tage hat ein Schaffen hier unmöglich gemacht», so André Obrist und erklärt weiter, dass die Arbeiten von Ende November bis April im Steinbruch sowieso ruhen.

In dieser Zeit wird der abgebaute Stein im Sägewerk verarbeitet. André Obrist gehört der Steinbruch mit dem in der Schweiz einzigartigen rot-gelben Sandstein. Bereits in vierter Generation baut er den in der weit über die Region wie auch im benachbarten Deutschland sehr begehrten Sandstein im steilen Gebiet, oberhalb von Gansingen ab.

Der Steinbruch Röt hat im Sommer viel Medienpräsenz erhalten. Die Familie Obrist hat das wild-romantische Gelände, mit den geraden Felswänden gratis als Kulisse für das Freilichttheater sMarei zur Verfügung gestellt. Eine äusserst grosszügige Geste gegenüber den Theatervereinen Hottwil und Gansingen. Schliesslich wird der Steinbruch normalerweise aktiv bewirtschaftet. Es freut den Besitzer umso mehr, dass die traumhafte Kulisse einen wichtigen Teil zum grossen Erfolg des Freilichtspektakels beigetragen hat.

Kultur, insbesondere in und aus dem Tal liegt André Obrist am Herzen. Das beweisen er und seine Frau Franziska zurzeit ein weiteres Mal mit dem Vorbereiten einer Adventsausstellung. Diese findet nicht im Steinbruch, sondern in dem im Steinsägewerk in Nachbarort Oberhofen. Dort werden zurzeit nicht nur grosse Steinplatten mit Unterstützung der grossen, mit wassergekühlten und Diamantblättern ausgestattete Gattersäge bereit und nach Kundenwünschen in Form gebracht.

Unter den geschickten Händen von Steinmetz André Obrist und seinem Mitarbeiter Paul Thoma entstehen aus dem Sandstein derzeit auch kleine Blumenbrunnen, Kerzenständer, Stelen für adventliche Gestecke und vieles mehr. Insgesamt zehn Kunstschaffende aus dem Tal werden vom 30. November bis 2. Dezember ihre unterschiedlichen Werke im Steinsägewerk präsentieren.

Zurück im Steinbruch, der Nebel hat sich nicht wirklich gelichtet, übt der Ort eine magische Ausstrahlung aus. An einer der senkrechten Wände sind regelmässige Rillen erkennbar. Dazu erklärt André Obrist. «Die Gewinnung von Sandsteinblöcken erfolgt durch ein Bohrsystem. In Abständen von 10 Zentimetern müssen linienmässig Löcher eingebohrt werden. Durch Eintrieb von Keilen wird der Block dann abgetrennt.» Für das Heben und Abtransportieren der bis zu 12 Tonnen schweren Blöcke sind die Maschinen da. Nicht alles, was der Steinbruch hergibt, kann verwendet werden. «Wir haben normalerweise zwischen 30 bis 35, aber manchmal auch bis zu 50 Prozent Abfall», macht André Obrist deutlich, dass nur solche Stücke verwendet werden können, die keine grünen Adern, keine Risse, sonstige «Fehler» oder gar grossflächige Kalkablagerungen ausweisen.

Letztere präsentieren sich teils als gleich quadratmetergrosse, äusserst faszinierende Kalkkristalllandschaften. Ideal für Gartengestaltungen. Was vom Stein nicht verwendet wird, muss wieder zurück in den Steinbruch gebracht werden. Für den Steinabbau braucht es die Bewilligung des Kantons. André Obrist hat erst kürzlich eine neue Abbaugenehmigung für die nächsten 20 Jahre erhalten. Die damit zusammenhängenden Vorschriften sind gross. Nicht verwendbare Steine müssen zurückgebracht werden. Verlangt werden zudem ökologischen Ausgleichsmassnahmen.

Für Obrist ein grosses Ärgernis, mit Zeit und Kosten verbunden sind illegale Abfallentsorgungen. Die reichen von Baustellenschutt, über alte Reifen bis hin zu Haushaltsabfällen. Die Freude über die Kraft und Kreativität erfordernde Arbeit im Steinbruch wie im Sägewerk überwiegt. Unter anderem daran zu erkennen, wenn André Obrist voller Stolz über eine leicht raue, gelb-roten Sandsteinoberfläche streicht.