Am Anfang stand ein warmes Bier – seit gestern sind Turner im Einsatz. «Wir waren an einem Turnfest und uns wurde ein warmes Bier serviert, da haben wir gewitzelt und gesagt, dass könnten wir viel besser», beschreibt Markus Kern die Anfänge einer rund vierjährigen Mammutorganisation, der er als OK-Präsident vorsteht. Bald nach der Rückkehr von besagtem Turnfest konkretisierte sich die Idee.

Der TV Gansingen tat sich mit den turnenden Vereinen aus dem Mettauertaler Ortsteil Wil zusammen. Die ersten Abklärungen begannen. Wo im Mettauertal gibt es einen geeigneten Festplatz? Wer könnte im Organisationskomitee mitarbeiten? «Diese beiden Fragen waren bis heute mit die schwierigsten», so Markus Kern. Und sein Vizepräsident Andi Vögeli ergänzt: «Aber wir haben Helfer gefunden. 12 fürs OK, 27 fürs Sub-OK und ich wir dürfen heute sagen, dass alle am richtigen Ort eingesetzt sind.»

Zehn Hektaren, viel Handarbeit

Auch einen Austragungsort haben die Organisatoren gefunden. Im Bossenhaus, auf dem Berg. Abgelegen. Wenn man als Gast mit dem Auto zum Festgelände fährt, ist man auf die Wegweiser angewiesen. Zehn Hektaren gross ist das Areal, auf dem die Spielfelder für Faustball, Schnurball oder Korbball stehen. Das Turnzelt. Die Sprung- und Wurfanlagen. Und natürlich auch das riesige Festzelt, die Kafistube und die Bar.

Die Bar ist dabei das einzige Gebäude, welches immer im Bossenhaus steht. Alle anderen Gebäude und Anlagen wurden in den vergangenen Wochen aufgebaut. «Wir haben das Gelände mit GPS vermessen, mit einer Walze planiert, Kabel gezogen, Rasen angesät und gemäht, gemäht, gemäht», beschreibt Markus Kern, «ohne die Unterstützung der Erne AG Bauunternehmung mit Material, Werkzeug und Maschinen wäre das Bergturnfest nicht möglich gewesen.»

Ferien fürs Bergturnfest

Und auch nicht ohne die Unterstützung von zahlreichen Helfern. Vom OK haben viele für den Aufbau und den Abbau in der kommenden Woche drei oder vier Wochen Ferien genommen. Allein während der drei Festtage leisten rund 800 Helfer 1300 Einsatz-Schichten zu je sechs Stunden. «Dass ganze Mettauertal ist auf den Beinen, der Anlass ist das Thema Nummer eins», so Markus Kern, «und man spürt einen ganz speziellen Geist und Zusammenhalt.» Ein Geist, der es dem Organisationskomitee erlaubt, zu delegieren. «Das mussten wir erst lernen», gibt Markus Kern zu. Schliesslich soll das Bergturnfest Mettauertal/Gansingen für alle ein unvergesslicher Anlass werden: «Wir wollen nicht nur Europa League spielen, sondern Champions League.»

Und so herrscht auch ein gewisser Perfektionismus. Sogar auf dem Absprungbalken der Weitsprunganlage prangt das Logo des Bergturnfests. Die Teilnehmer haben dank guter Beziehungen und eines Sponsors die Möglichkeit, in einem «Dusch-Truck» mit Einzelkabinen zu duschen. Und für die Zuschauer gibt es Shuttlebusse aus Gansingen, Mettauertal und Leibstadt, sowie eine eigene Postautolinie. Wer trotzdem selber zum Festgelände fahren will, kann das tun. «Allerdings nur von Wil her, die Zufahrt aus Leibstadt ist gesperrt», so Andi Vögeli. Und die Parkplätze im Bossenhaus sind begrenzt.

Höhepunkt im Turnjahr

Seit gestern stehen am Bergturnfest Mettauertal/Gansingen Turner aus den beiden Kreisturnverbänden Fricktal und Brugg sowie Gastsektionen im Einsatz. Der Anlass zieht in der Turnszene. Insgesamt werden rund 4700 Turnerinnen und Turner antreten, davon rund 1500 Jugendliche. «Wir haben nun Teilnehmer aus jedem Schweizer Kanton, aber wir mussten sogar Anmeldungen ablehnen», erklärt Markus Kern, «irgendwann kommt jedes Festgelände an seine Grenzen.» Auch Martin Waldmeier vom Präsidium der Turnbehörde der Kreisturnverbände Fricktal und Brugg zeigt sich in seinem Grusswort im umfangreichen Festführer überwältigt von der Anmeldeanzahl und er betont: «Das Bergturnfest ist für die meisten Vereine der Höhepunkt im Vereinsjahr.»

Ein Höhepunkt ist das Bergturnfest auch für die Gemeinden Gansingen und Mettauertal. Peter Weber, Gemeindepräsident von Mettauertal schwärmt von der wunderbaren Lage des Wettkampfgeländes und schreibt im Grusswort: «Ich freue mich sehr, dass die turnenden Vereine von Wil und Gansingen miteinander einen Sortanlass in dieser Grössenordnung organisieren. Sein Amtskollege Mario Hüsler aus Gansingen doppelt nach: «Einmal mehr organisieren ein paar Ideallisten, zusammen mit ganz vielen Helfern, mit dem Bergturnfest ein Mega-Event fürs Dorf und die Region.» Die Ideallisten werden heute und morgen den ganzen Tag auf den Beinen sein. Jeweils ab 7 Uhr beginnt der Festbetrieb, um 8 Uhr beginnen die Wettkämpfe. Und da viele Teilnehmer auf dem Festgelände im Zelt übernachten, dürfte auch am Abend für ordentlich Stimmung gesorgt sein.

Stolz und Sorgen

Können die Organisatoren ihr Bergturnfest überhaupt geniessen? Oder sind Anspannung und Arbeit zu gross? «Wenn alles so reibungslos weiterläuft, wie beim Aufbau, werden wir das Fest auch etwas geniessen können», so OK-Präsident Markus Kern. Und weiter: «Bis jetzt war alles gut durchdacht, darauf dürfen wir sicher ein wenig stolz sein. Aber wir fragen uns ständig, was wir noch vergessen haben könnten.»

Der ganz grosse Stein werde deshalb allen erst am Sonntagabend vom Herzen fallen, wenn das Bergturnfest unfallfrei und ohne Zerstörungen oder Vandalismus über die Bühne gegangen ist. Und dann werden die Organisatoren sicherlich auf «ihren» Grossanlass anstossen. Mit einem kühlen Bier, versteht sich.