Seit gut einem Jahr führt die Gemeinde Kaiseraugst einen Vergrämungskampf gegen die Krähen in der Siedlung Liebrüti. Schätzungen gehen von einigen hundert Vögeln aus, die dort in Baumwipfeln leben – und die Anwohner mit ihrem Gekrächze um Schlaf und Geduld bringen. Die Gemeinde hat bereits verschiedene Massnahmen umgesetzt, um die Krähen zu dezimieren oder zu vertreiben (die AZ berichtete). Allerdings: Der Kampf gegen die Krähen erweist sich als schwer.

Die meisten Massnahmen haben bisher nur beschränkt oder sogar gar keine Wirkung gezeigt. Das muss die Gemeinde eingestehen. So sagt Gemeindeschreiber Roger Rehmann etwa zu den mehrmals durchgeführten Vertreibungsflügen durch Falken: «Die Krähen sind sehr gut organisiert. Einzelne Krähen beobachten die Falkenflüge von den Dächern der Hochhäuser aus und rufen nach Beendigung der Flüge den Schwarm zurück.»

Einzelne Vögel vergrämt

Auch Krähenfallen auf den Hausdächern würden von den Vögeln «schlau umgangen», wie es Rehmann ausdrückt. Lokal gewirkt hätte die Massnahme der Liebrüti-Verwalterin Varioserv, auf den Dachrändern eines Hochhauses künstliche Dornen, sogenannte Vogelspikes, anzubringen. Diese hindern die Vögel daran, an den Dachrändern zu sitzen und die Umgebung zu beobachten – und sich so sicher zu fühlen. Die Wirkung beschränkt sich allerdings auf das einzelne Wohnhaus, das mit Spikes bestückt wurde.

Zumindest als «erfolgreicher» als die praktisch wirkungslosen Falkenflüge bezeichnet Rehmann die Baumschnittaktion der Varioserv. Im Spätsommer des vergangenen Jahres wurden mehrere Baumkronen im Quartier zurückgeschnitten. «Diese Massnahme hat bewirkt, dass sich die Schlafkolonien verteilt haben», sagt er. Ausserdem seien so auch einige Krähen vergrämt worden, «sodass die Gesamtzahl geschrumpft ist – jedoch nicht in der gewünschten Anzahl», so Rehmann. Gleiches gilt für die Bejagung der Vögel. Der Gemeinderat hatte die Jagdgesellschaft damit beauftragt, die Krähen abzuschiessen. In den ersten Monaten wurden immerhin 80 Krähen abgeschossen. Aber: «Da die Massnahme auf den Gemeindebann begrenzt ist und in den Wohnsiedlungen nicht geschossen werden kann, ist diese Massnahme auf Kaiseraugster Boden nahezu wirkungslos», sagt Rehmann. Der Bestand habe immerhin nicht zugenommen.

Die Lösung in Zofingen – eine Eule:

Erfolgreiche Zofinger Uhu-Attrappe

Erfolgreiche Zofinger Uhu-Attrappe

Anfang 2018 hat Zofingen den Krähen den Kampf angesagt und zwar mit einem Plastik-Uhu. Die Attrappe scheint ihre Aufgabe vollends zu erfüllen. (April 2018)

Weitere Massnahmen angedacht

Rund 10'000 Franken hat Kaiseraugst mittlerweile in die Bekämpfung der Krähenplage investiert. «Der Gemeinderat ist der Ansicht, dass diese Massnahmen respektive dieser Aufwand zur Reduktion der Lärmproblematik gerecht sind und hofft, dass die weiteren Massnahmen den Bestand in der Liebrüti entscheidend reduzieren und gleichzeitig die Lärmplage nicht einfach in weitere Quartiere verlagert wird», sagt Rehmann. Noch gibt die Gemeinde den Kampf nämlich nicht auf. 15'000 Franken hat sie in diesem Jahr dafür budgetiert.

Angedacht sind weitere Massnahmen. So wurde im Quartier bereits ein Brutkasten für Wanderfalken montiert. In Absprache mit dem Flughafen Zürich ist die Gemeinde ausserdem daran, den Einsatz eines sogenannten Falkenmultikopters aufzugleisen. Diese Attrappe verscheucht am Flughafen erfolgreich Vogelschwärme. Ende März findet in Bern ausserdem ein nationaler Erfahrungsaustausch bezüglich Saatkrähen statt. Eine Delegation aus Kaiseraugst wird daran teilnehmen. Die Verantwortlichen erhoffen sich vom Erfahrungsaustausch mit anderen Gemeinden und Städten neue Ideen, sagt Rehmann.