Der Konflikt zwischen Anwohnern und der Thommen AG schwelt schon seit Jahren. Hier die Anwohner, die sich über Lärm und Staub aufregen; dort das Recyclingunternehmen, das seinen Sitz seit 1954 am Standort hat und in den letzten Jahren viel Geld in Schutzmassnahmen investiert hat.

Vor zwei Jahren gipfelte der Konflikt in einer Petition: Über 500 Einwohner – rund zehn Prozent der Bevölkerung – verlangten eine massive Reduktion der Emissionen.

Nun gibt es neues Wasser auf die Mühlen der Anwohner. Ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Gutachten kommt zum Schluss, dass die Thommen AG die Grenzwerte für Lärm teilweise überschreitet.

Durchgeführt wurden die Messungen im vergangenen Herbst im Umkreis des Firmenareals nahe des Bahnhofs: an der Allmendgasse, dem Widhagweg sowie im Guggeregge. Das Unternehmen war über die Messungen nicht informiert.

Grenzwert bestenfalls erreicht

Die Auswertung der Daten zeigt: Der Grenzwert wird bestenfalls nicht überschritten. Am Guggeregge beträgt der Pegel genau die maximal erlaubten 65 Dezibel. Am Widhagweg aber sind es 67 Dezibel, an der Allmendgasse gar 68 Dezibel.

Zumindest am Widhagweg dürfte sich die Situation seither verbessert haben. Das zumindest glaubt Patrick Härtsch, Geschäftsleitungsmitglied der Thommen AG. Am Widhagweg habe zum Zeitpunkt der Messung die Wand aus zusammengepressten Autokarossen entlang der Südgrenze des Areals gefehlt. «Diese wurde zwischenzeitlich wieder errichtet und wird so stehen gelassen. Wir gehen davon aus, dass so der geltende Grenzwert wieder eingehalten werden kann», sagt Härtsch.

Schwieriger gestaltet sich die Situation bei der Allmendgasse. Eine Untersuchung 2014 hat gezeigt, dass für eine Reduktion des Lärms die Schutzwände um mehrere Meter erhöht werden müssten. «Diese Massnahme wurde vorgeschlagen und vom Gemeinderat abgelehnt», sagt Härtsch. Gemeindepräsidentin Sibylle Lüthi bestätigt dies auf Anfrage. Ein Grund sei gewesen, dass die Schutzmauer somit über zehn Meter hoch geworden wäre.

«Wir suchen in Zusammenarbeit mit Experten jetzt nach weiteren Lösungen und werden Vorschläge – sobald vorhanden – dem Gemeinderat unterbreiten», sagt Härtsch.

Ein Wegzug als Lösung

Auch das kantonale Departement für Bau, Verkehr und Umwelt hat Messungen durchgeführt. Schwerpunkt hier: der Staubniederschlag und die Feinstaubbelastung. Die Untersuchungen zeigen, dass die Immissionsgrenzwerte zwar eingehalten werden. Zwischen 10 und 40 Prozent der Belastung aber würden durch die Thommen AG verursacht, heisst es in einem Bericht. «Dieser Anteil ist keineswegs alarmierend, aber doch so hoch, dass er nicht ignoriert werden sollte.» Der Kanton empfiehlt daher, «weitere Anstrengungen zur Reduktion von Staubemissionen zu unternehmen».

Härtsch betont, dass «verschiedene Optionen zur weiteren Reduktion von Emissionen geprüft» würden. Eine Option, die allerdings kostspielig und planungsaufwendig ist: ein Umzug ins Industriegebiet. Gespräche zwischen der Gemeinde und dem Unternehmen laufen.

Gemeindepräsidentin Lüthi macht keinen Hehl daraus, dass dies die vom Gemeinderat favorisierte Lösung wäre. Entsprechend will die Behörde im Umgang mit der Thommen AG «die Verhältnismässigkeit wahren», wie Lüthi sagt.

Sprich: Am alten Standort sollen keine Millioneninvestitionen gefordert werden, wenn bereits ein Umzug in Sicht ist. Die Anwohner wollten sich gestern nicht zum Thema äussern.