Laufenburg

Kosovare muss drei Jahre in den Knast – er vergewaltigte seine Frau

Ein Kosovare wird wegen Vergewaltigung verurteilt. Symbolbild

Ein Kosovare wird wegen Vergewaltigung verurteilt. Symbolbild

Eine junge Frau behauptet, von ihrem Mann vergewaltigt worden zu sein. Er streitet alles ab. Am Ende aber spricht ihn das Bezirksgericht Laufenburg in allen Punkten schuldig: Drei Jahre muss er ins Gefängnis – und der Frau eine Genugtuung zahlen.

Schwer wiegen die Vorwürfe, die im vollbesetzten Saal im Bezirksgericht Laufenburg gegen den Beschuldigten im Raum stehen: mehrfache Vergewaltigung. Doch zunächst die Vorgeschichte: Der 25-jährige arbeitslose Kosovare, der auf der Anklagebank sitzt, lernt Anfang 2010 seine künftige Ehefrau im Kosovo kennen. Dort heiratet das Paar ein Jahr später. Nach zwei weiteren Jahren zieht sie zu ihm in die Schweiz und wohnt dort mit dem Bruder ihres Mannes und dessen Frau sowie mit dem Schwiegervater gemeinsam in einer Dreieinhalbzimmerwohnung.

Die Stimmung kippt im Sommer 2013: Laut Aussage der Ex-Frau wurde ihr im Haushalt das Leben zur Hölle gemacht: «Mein Ex-Mann hat gesagt, dass er meine Familie im Kosovo umbringt, wenn ich nicht mache, was er sagt» und ergänzt, dass sie mit ihrer Familie nur in Anwesenheit des Ehemannes telefonieren durfte.

Der Oberstaatsanwalt schildert, wie der Angeklagte und seine Familie gezielt ein Klima des «physischen und psychischen Terrors» schufen, dem die Ehefrau hilflos ausgeliefert war. Erst die Flucht ins Frauenhaus konnte sie aus dieser entsetzlichen Lage befreien.

Schwere Vorwürfe

Konkret beschuldigt der Oberstaatsanwalt in seiner Anklage den Kosovaren in drei Punkten: Der häuslichen Gewalt habe er sich schuldig gemacht, weil er seine Frau «geohrfeigt, getreten, an den Haaren gezogen und an die Wand gestossen hat». Sexuelle Nötigung liegt vor, weil er sie «gegen ihren Willen zum Oralverkehr gezwungen hat». Am schwerwiegendsten: Der Beschuldigte soll seine Frau dreimal vergewaltigt haben, indem er sie «an den Armen festhielt und entgegen ihrem klar geäusserten Willen in sie eindrang». «Ich halte vier Jahre unbedingte Freiheitsstrafe für angemessen», so die Forderung des Oberstaatsanwalts.

Der Angeklagte streitet dabei immer wieder die einzelnen Vorwürfe ab: «Das stimmt nicht!» Lediglich, dass er seine Ehefrau einmal als «Tomatenkopf» bezeichnete, gibt er zu.

Die Anwältin des Opfers schilderte, wie es ihrer Mandatin unmöglich war, sich den sexuellen Übergriffen zu entziehen: «Aufgrund der permanenten Drangsalierungen und der Bedrohungen gegen sie und das Leben ihrer Familie fehlte ihr die Kraft, und sie liess es einfach über sich ergehen.»

Ihre Mandatin habe starke Schmerzen, Hämatome und Blutungen erlitten. In der Folge sei sie traumatisiert gewesen und habe Depressionen und Angstzustände bekommen. Deswegen fordert die Anwältin der Zivilklägerin 15 000 Franken Genugtuung.

«Ich verstehe es nicht, wieso man sich nach einer Vergewaltigung zwei Monate bis zur Anzeige Zeit lässt und dann noch beim Ehemann bleibt», argumentiert der Verteidiger des Angeklagten und ergänzt, dass sich die Zivilklägerin in diesen zwei Monaten ein «unhaltbares Lügengerüst» zu Lasten seines Mandanten aufgebaut hätte, damit ihr Aufenthaltstatus in der Schweiz im Falle einer Verurteilung verlängert werden würde. «Die Zivilklägerin hat mehrmals unterschiedliche Aussagen bei der Polizei gemacht. Sie ist unglaubwürdig», betont der Strafverteidiger.

Urteil: drei Jahre Gefängnis

Der Gerichtspräsident erwiderte in seinem Urteil: «Die meisten Vergewaltigungen finden im häuslichen Kontext statt. Diese Opfer machen einen inneren Kampf durch. Weil die Dauer dieses Kampfes bei den Opfern individuell ist, variiert auch der Zeitraum bis zur Anzeige. Deshalb dürfen wir den Zeitraum von der Tat bis zur Anzeige nicht per se als Indikator für die Wahrheit der Aussage des Opfers verwenden.»

Nachdem das Gericht die Aussagen des Opfers «im Kern für konstant und plausibel» befand, sprach es den Angeklagten in allen Punkten schuldig. Das Urteil: drei Jahre unbedingte Freiheitsstrafe und eine Genugtuung von 8000 Franken an seine Ex-Frau.

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