Auf Einladung der Bibliothek Wittnau gastierte mit enormen Erfolg der bekannte Schweizer Komiker Simon Enzler in der vollbesetzten Turnhalle Wittnau. Das Publikum kam an diesen Abend ganz auf seine Kosten und amüsierte sich köstlich.

Mit einer gewaltigen Portion Schalk in den Augen und Lachfalten im Gesicht nahm Enzler vom ersten Moment an scharfzüngig und sprachwitzig zweideutige Situationen des Alltags aufs Korn. Gekonnt virtuos setzte er dabei seine umwerfende Mimik und Gestik ein, gab selbst den unscheinbaren Dingen eine urkomische Note. Mit herrlicher Ironie legte er den Finger in menschliche Befindlichkeiten und Widersprüche, brachte gnadenlos fröhlich Engstirnigkeit, Heuchelei und Scheinheiligkeit ans Tageslicht.

Enzler liess sich selbst dabei nicht ungeschoren, als er seine wunderbare Wohnung im Appenzeller Land – dieser Region mit den vielen Briefkästen – anbot. Ein Migrant käme da nicht unbedingt infrage, denn es sei ja bekannt, dass die kein festes Einkommen haben. Dass weiss er von seiner Putzfrau aus Eritrea; sozial nicht abgesichert kommt sie kaum über die finanziellen Runden.

Von Appenzellern und Moslems

Cholerisch und wild mit den Armen fuchtelnd erklärte er, warum er sich über den Islam entgegen dem Zeitgeist ganz und gar nicht aufregen kann. Denn irgendwie ahnt er Parallelen. Ein Moslem lasse über den Glauben nicht mit sich reden und der Appenzeller sei genau so stur. Und so ging es munter spöttisch weiter. Der Komiker dachte laut nach über Geiz und Mitgefühl der Menschen insgesamt und im speziellen der Kirchgänger sowie die teils grotesken Inhalte der Opferstöcke. Er lotete Spendenbereitschaft, Entwicklungshilfe, die irren Widersprüche zwischen Strombedarf und Naturschutz aus und zog mit kühnen Schwung einen Bogen zwischen einer Trompete – auf Englisch trump(et) – hin zum Bundeshaus.

Als sein Radio plötzlich den Dienst quittierte, meinte er mit trockenem Humor: «Nun hat man wohl den Öffentlich-Rechtlichen noch vor der Billag-Abstimmung den Garaus gemacht.» Nachdenklich philosophisch erklärte er die ungeheuer befreiende Wirkung des Fluchens. Fluchen sei gesund und leistungssteigernd.

Sinnieren über Klettverschlüsse

Skeptisch betrachtete er seinen «Eurokill», jenes neue Produkt zur schadstofffreien Beseitigung von Insekten, um am Ende seine uralte Fliegentätsche als wesentlich effektiver einzusetzen. Ein Extragag war dann, als Enzler das so vernichtete Viehzeug in den «Eurokill» warf. Er sinnierte über Klettverschlüsse, Fortschritt und der dabei noch zum Einsatz kommenden Hirnmasse, lieferte während dreier Stunden nonstop eine Parade vom Feinsten.

«Primatsphäre» ist das erste Soloprogramm von Simon Enzler. Auf der Bühne ist der 42-Jährige seit 15 Jahren unterwegs, erhielt im In-und Ausland viele Auszeichnungen und Preise.