Frick

Kolumbien: Aus Fricktaler Projekt wurde eine politische Bewegung

Mit einfachsten Mitteln bauten Frauen 1994 in einem Armenviertel eine eigene Schule. Damals erhielten sie erstmals finanzielle Hilfe aus dem Fricktal. Aus dem Projekt in Kolumbien ist eine politische Bewegung geworden.

Bosa, das Armenviertel im Süden der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Die Endstation für die Flüchtlinge vom Land, die – vertrieben von Guerilla-Kämpfern oder Paramilitär – in der Stadt auf eine bessere Zukunft hoffen und sie nicht finden. Bosa, der Ort aber auch, wo eine Gruppe Frauen für das Recht ihrer Kinder auf Ausbildung, Ernährung und Gesundheit kämpft und sich nicht unterkriegen lässt. Auch dank finanzieller Hilfe aus dem Fricktal funktioniert das Projekt Adico.

Angefangen hatte alles mit der Idee von Ines Garcia, einer Frau aus Bosa. Sie wollte die Kinder von berufstätigen Frauen im Armenviertel in einem Kinderhütedienst betreuen. Schon bald aber war der Hütedienst zu klein und die ältesten Kinder kamen ins Schulalter.

Frauen sind die treibende Kraft

Mit einfachsten Mitteln bauten die Frauen 1994 deshalb eine Schule. Damals erhielten sie erstmals finanzielle Hilfe aus dem Fricktal – Adico war geboren. Organisiert hatte die Hilfe der damalige Fricker Pfarrer Franz-Xaver Süess. Dank der Fricktaler Unterstützung wurde in Bosa ein «Collegio» gebaut. «Heute besuchen Schüler vom Kindergarten-Alter bis hin zum Maturanden die Schule», sagt Süess. Auch ein Gesundheitszentrum mit Arzt, Zahnarzt und Psychologen gibt es. Seit diesem Jahr können zudem behinderte Kinder die Schule in integrativem Unterricht besuchen.

Adico hat inzwischen 80 Angestellte und ist zur politischen Bewegung geworden. Ines Garcia ist seit vier Jahren Teil der «Alcaldia», dem Stadtrat Bosas. «Ein kleines Wunder», sagt Süess. Ein Wunder, das die Frauen an anderen Orten in Bogotá wiederholen möchten, um so die Existenz der Schule und der Bewegung zu sichern. Dies trotz aller Widrigkeiten. Denn: «Auch das Armenviertel ist kein heiliger Ort. Wer Erfolg hat, weckt Neid», sagt Süess. Und nicht nur das. Täglich müssen die Frauen bei der Regierung für ihr Projekt kämpfen, aktuell geht es um die Schulgelder.

Dank für die langjährige Treue

Im Mittelpunkt von Adico steht nach wie vor die Gemeinschaft der Frauen. «Sie wussten, dass ihnen niemand helfen wird, ausser sie helfen sich selber. Und sie wussten, dass
sie eine Veränderung in der Welt nur in der Gemeinschaft erreichen können», ist Süess überzeugt und: «Die Frauen werden weiterkämpfen.» Bei seinem jüngsten Besuch in Bosa hat er sich davon überzeugen können.

Kleinere finanzielle Beiträge werden zwar weiterhin nach Bosa fliessen, das Projekt Adico stehe in Kolumbien aber auf eigenen Beinen, sagt Süess. Ihm bleibt der Dank. «Der Dank für die Treue und Unterstützung über all die Jahre. Und die Botschaft aus Kolumbien, dass die Freundschaft zum Fricktal auch ohne finanzielle Unterstützung bestehen bleibt.»

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