Der Kanton Aargau will seine touristischen Attraktionen bessern vermarkten und stellt dazu an 67 Orten entlang der Kantonsstrassen Hinweisschilder auf. 5 der gut 40 Motive zeigen Fricktaler Attraktionen: Neben einem Landschaftsbild, das mit zwei verschiedenen Schriftzügen verwendet wird, sind die Holzbrücke in Stein, die Buschberg-Kapelle in Wittnau und das Stift Olsberg abgebildet.

Die Auswahl der Sujets sorgt bei Kommunikationsprofis für Stirnrunzeln. Am deutlichsten wird Christoph Grenacher: «Auf den Täfeli ist eine Bildli-Schweiz abgebildet, die weder Lust noch Entdeckungsfreude weckt.»

Am Auswahlverfahren der Sujets und der Standorte beteiligt war der Planungsverband Fricktal Regio. Verbandspräsident Christian Fricker stört die Pauschalkritik «vom hohen Ross». Er sagt: «Wer es besser kann, soll sich für einen Auftrag bewerben.»

Christian Fricker, das Urteil von Kommunikationsprofis und Fotografen zu den neuen Hinweistafeln fällt vernichtend aus. Von «popeliger Tourismuswerbung», «fehlenden Emotionen» und «Bildli-Schweiz» ist die Rede. Teilen Sie diese Einschätzung?

Christian Fricker: Nein, die teile ich so nicht. Der Kanton hat eine lobenswerte Initiative der touristischen Förderung ergriffen. Ich mag es nicht, wenn man danach vom hohen Ross herab so pauschal urteilt. Wer es besser kann, soll sich für einen Auftrag bewerben.

Wie empfinden Sie die Sujets?

Die Sujets sind vielleicht nicht ungewöhnlich, dafür zeitlos. Nichts wirkt nach wenigen Jahren so altbacken wie etwas, das heute als topmodern gilt. Das Design der Tafeln bezieht sich auf die Tafeln an den Autobahnen. Es war richtig, im Sinne der Wiedererkennung dieselbe grafische Gestaltung zu wählen.

Ziel ist es, mit den Tafeln «Werbung für die schönen Regionen und das kulturelle und touristische Angebot» zu machen. Kann dies mit diesen Bildern gelingen?

Die Bilder sind schön. Die Landschaft mit den Kirschbäumen gefällt mir sehr gut, diese Tafel ist gelungen. Über das Bild der Holzbrücke mit Blick nach Bad Säckingen kann man sich streiten. Die Idee ist aber gut: Das Fricktal hat Verbindungen über die Landesgrenzen hinaus und schlägt Brücken. Die Anzahl der Tafelsujets ist fürs Fricktal wohl zu gering. Wenn die fünf Tafeln ein Anfang zu mehr sind, sehe ich das positiv.

Fehlen aber nicht, wie es die Profis monieren, Menschen, die einen motivieren, anzuhalten?

Menschen sehe ich in diesem Kontext nicht, wenn die Tafeln 20 Jahre halten sollen, wie der Kanton das postuliert. Ein menschliches Gesicht verändert sich und somit altert auch ein solches Bild. Als Tourist erkennt man ja nicht die Menschen, die hier wohnen, sondern die baulichen oder kulturellen Sehenswürdigkeiten.

Hand aufs Herz: Würden Sie anhalten, wenn Sie an einem solchen Hinweisschild vorbeifahren?

Ja, ich habe beispielsweise kürzlich in der Ostschweiz ein Bild gesehen, das für Werdenberg wirbt. Dieses Städtchen kennt man, die Tafel erinnert einen daran, wie schön es ist, und es animiert zum Anhalten. Über die Buschberg-Kapelle kann man diskutieren. Für mich steht sie aber für die kleinen Kostbarkeiten oder die Kraftorte, die das Fricktal eben auch bietet.

Die Sujet- und Standortwahl erfolgte laut Kanton gemeinsam mit Fricktal Regio.

Die Sujetwahl war sehr begrenzt. Logisch hat sich Fricktal Regio für mehr eingesetzt, doch hatte der Kanton sein Konzept. Und dieses hat seine Gründe: Man kann und will die Strassen nicht mit Tafeln vollpflastern. Man fährt daran mit 120 oder 80 Kilometern pro Stunde vorbei und hat den Bruchteil einer Sekunde Zeit, das Wichtigste aufzunehmen. So war der Spielraum bei Sujets und Standorten für Fricktal Regio beschränkt.

Fricktal Regio war also eingebunden?

Ja. Aber die Standortwahl war weitgehend vorgegeben: an der Kantonsgrenze, an der Grenze zum Fricktal oder anderen markanten Punkten. Damit man sieht: «Jetzt bist du im Fricktal.» Dieser Grundsatz stimmt.

Das Fricktal bekommt 5 der gut 40 Sujets. Ist das genug?

Nein, mir fehlt insbesondere eine Tafel für den Saurierfundort Frick. Diesen Wunsch hat die Gemeinde Frick auch klar deponiert. Auch schöne Städtchen, die das Fricktal bietet, kamen nicht zum Zug: die Bezirkshauptorte Laufenburg und Rheinfelden.

Wenn Sie die Wahl gehabt hätten: Welche Sujets hätten Sie gewählt?

Beispiele hat Henri Leuzinger genannt: der Fricker Dino, das Herznacher Bergwerk. Den Fricker Dino hat die Gemeinde Frick mit Unterstützung von Fricktal Regio beim Kanton vor einem Jahr eingegeben. Die Tafeln sollen an der Autobahn zu stehen kommen. Er wurde uns als Sujet zugesichert. Ich gehe davon aus, dass dieses Versprechen noch eingelöst wird.

Sie sagten eingangs, Sie ärgere die Kritik vom hohen Ross. Was wünschen Sie sich?

Alles in allem wünschte ich mir, dass Urteile so abgegeben würden, wie das die drei jungen Leute Nina, Lorenz und Dominik getan haben im AZ-Artikel. Wenn man die Gesetzgebung im Verkehr kennt, weiss man, wie restriktiv normalerweise Werbung entlang von Strassen gehandhabt wird. Als Auftraggeber würde ich mich sonst langsam fragen, ob solche kostspieligen Initiativen überhaupt erwünscht seien. Aber das ist ja der Reiz unserer Demokratie, dass jeder seine Meinung sagen kann.