Mit grosser Neugier und Vorfreude versammelten sich am Mittwochnachmittag wissbegierige Kinder vor dem Saalbau in Stein-Säckingen. Die vierte und vorerst letzte Vorlesung mit dem Thema «Was ist schön? Und wer bestimmt das?» der Ethnologin Prof. Dr. Bettina Beer lockte wieder hunderte Nachwuchsakademiker in die Kinderuni Hochrhein.

Mit Notizheft und Schreibzeug ausgerüstet wuselten die Kleinen aufgeregt vor dem Eingang umher und warteten darauf, Einlass zu finden. Fröhliches Geschrei und Gelächter erfüllte den Vorplatz, die Eltern standen bei strahlendem Sonnenschein mit einem wachsamen Auge im Hintergrund und unterhielten sich miteinander.

Kinderunis gibt es schon seit längerer Zeit in grösseren Städten wie Basel, Bern und Zürich. Sie sollen Kindern zwischen acht und zwölf Jahren einen Blick hinter die Kulissen einer Hochschule ermöglichen. In kurzen und kindgerechten Vorträgen bringen die Dozenten den Kleinen wissenschaftliche Themen näher und erklären interessante Phänomene innerhalb der Natur.

Fortsetzung im Oktober

Da man diese Möglichkeit auch den Kindern aus der ländlichen Region nicht vorenthalten wollte, wurde im Sommer 2013 die Kinderuni Hochrhein gegründet. Auf die Idee von Helmar Burkhart hin, Professor für Informatik an der Universität Basel, sollte sich das Angebot aber nicht nur auf einen Standort beschränken, sondern erstmals auch grenz- und länderüberschreitend wirken.

Abwechslungsweise organisieren nun die Gemeinden Stein für die Schweiz und Bad Säckingen für Deutschland die Vorlesungen und stellen Räumlichkeiten zur Verfügung.

«Eine Fortsetzung der Vorträge ist für Oktober geplant», erklärt Rolf Däubler. Das erste Semester sei vielversprechend angelaufen und auf viel positive Resonanz gestossen. Däubler ist Umweltbeauftragter der Stadt Bad Säckingen und wie viele andere der anwesenden Erwachsenen ein ehrenamtlicher Helfer.

Erkennbar sind er und die anderen an den einheitlichen Hemden mit dem aufgedruckten, pinkfarbenen Kinderuni-Logo. «Auch dank EU-Geldern liess sich dieses einmalige Projekt verwirklichen», sagt Däubler, «die Städte beidseits des Rheins suchen trotzdem noch Sponsoren.»

Konzentration und Gelächter

Es ist 15 Uhr und Unterrichtsbeginn. Die Eltern bleiben draussen und die Türen des Saalbaus schliessen sich. Die Dozentin Beer tritt nach der Ansprache von Burkhart, dem Rektor der Kinderuni, nach vorne und begrüsst die Kinder. Augenblicklich wird es still im Saal und gespannt verfolgen die vielen Augen den Vortrag der Gastprofessorin. Die Ethnologin der Universität Luzern versucht zu erklären, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen auch unterschiedliche Definitionen von Schönheit haben.

Was für uns in der Schweiz und Europa als schön gelte, würde man zum Beispiel im Sudan als abstossend empfinden – und umgekehrt. Sie erwähnt an dieser Stelle die Tellerlippen der sudanesischen Frauen, bei denen die Unterlippe mit immer grösseren Tellern immer weiter gedehnt wird. Was bei uns Ekel auslöst, gilt dort als Zeichen von Schönheit und Fruchtbarkeit.

Als die PowerPoint-Präsentation ein Bild zweier indigener südamerikanischer Kinder zeigt, deren Gesichter mit schillernden Farben angemalt wurden, macht sich im Saal hörbar Verwunderung breit. Beim Anblick von drei japanischen Yakuza-Mitgliedern und ihrer tätowierten Rücken, die farbige Drachen zeigen, kennen die Kinder kein Halten mehr und schallendes Gelächter bricht aus. Auf die Frage der Dozentin hin, was sie denn schön fänden, antworten einige Mädchen und Buben: «grosse Augen», «lange Haare» oder «ein freundliches Lächeln».

Nach der etwa halbstündigen Vorlesung hatten die Kinder noch die Möglichkeit, Fragen an die Dozentin zu richten, was sie auch sehr gerne taten. Freudig, wie sie den Saal betreten hatten, verliessen sie ihn anschliessend auch wieder, um unten beim Empfang ihre persönliche Urkunde in Empfang zu nehmen.

Die beiden Studentinnen Kaia Plate und Eva Luetkens waren begeistert von dem Anlass und meinten: «Sicher kommen wir wieder an die Kinderuni!»