Rasant und präzise wandern die Finger über die schwarzen und weissen Tasten der Klaviatur. Hämmer schleudern gegen Saiten, Töne fliegen durch die Luft und verschmelzen zu einer harmonischen Melodie.

Die 26-jährige Pianistin Kathrin Schmidlin sitzt in ihrem Wohnzimmer in Möhlin auf dem Schemel vor dem Steinway-Flügel, der dort schon zu ihrer Kindheit stand und auf dem sie die ersten Tasten gegriffen hat: «Mit fünf Jahren habe ich hier angefangen herumzuklimpern», sagt sie. Die Begeisterung und das Talent für das Piano hat die junge Musikerin auch von ihrer Mutter vererbt bekommen, die Klavier studierte und ihre Tochter bis zum zwölften Lebensjahr unterrichtete.

Musik verbindet

«Mit zwölf Jahren hatte ich meinen ersten Wettbewerb und bin knapp an den Preisrängen vorbeigeschrammt», erzählt Schmidlin, die daraufhin von der Jury gesagt bekommt: «Du hast Potenzial. Es ist ratsam, wenn du den Lehrer wechselst.» Gesagt, getan und die musikalische Ausbildung beginnt: 2003 wird sie Schülerin an der Musikakademie in Basel. Nach der Matur folgt der Bachelor of Arts an der Zürcher Hochschule der Künste. Anschliessend ein Master of Performance an der Musikhochschule in Nürnberg. «Während meines Studiums in Zürich habe ich unglaublich viele Kontakte und Freundschaften zu Kommilitonen aus Belgien, Dänemark und den USA geknüpft, die bis heute anhalten. Denn die Begeisterung für die Musik verbindet über Grenzen hinweg», sagt die junge Pianistin.

Intensiv, anstrengend, lehrreich und schön sei die Studienzeit gewesen. An Spitzentagen wurde zwischen fünf und sechs Stunden geübt. Drei bis vier Stunden sind Standard gewesen: «Wenn man so lange sitzen muss, dann geht das unglaublich in den Rücken», sagt Schmidlin und fügt hinzu, dass sie zur Stärkung der Muskulatur auch schon mal den ein oder anderen Sit-up machen muss. Gerade beim Masterstudium in Nürnberg sei der Anspruch sehr hoch gewesen: «Die Studentinnen aus Osteuropa und Korea sind unglaublich diszipliniert gewesen und hatten ein extremes Niveau. Das motiviert einen dann schon, besser zu werden, um mithalten zu können.»

Ritual gegen Lampenfieber

«Mein Wunsch ist es, so oft wie möglich zu konzertieren», sagt die Pianistin, die bereits rund 80 Konzerte auf ihrem Buckel hat. Dabei träumt sie von Auftritten in den grossen Konzerthäusern: «Das Stadtcasino in Basel oder die Tonhalle in Zürich. Das wär schon was.» Eine gesunde Nervosität ist vor ihren Auftritten immer noch vorhanden. «Mein Ritual ist, dass ich vor jedem Konzert einen Mars-Riegel esse und alleine sein muss», sagt die Pianistin. Doch: «Wenn ich einmal angefangen habe zu spielen, dann stellt sich ein gewisser Automatismus ein.»

Dennoch muss die Konzentration über die volle Distanz aufrechterhalten bleiben: «Man kommt bei einem Konzert schon ins Schwitzen. Wenn man aber kurz nach dem Konzert in die beglückten Gesichter des Publikums schaut und man Applaus bekommt, ist das das Schönste überhaupt», sagt Schmidlin.

Als negativsten Moment beschreibt die Pianistin das Vorspielen in einem Orchester für einen Auftritt in der Philharmonie Luxembourg: «Der Pianist ist ausgefallen und ich habe die Anfrage bekommen, für ihn einzuspringen. Ich habe mich riesig gefreut.» Beim Vorspielen vor versammeltem Orchester verpasste sie aber ihre Einsätze und wurde deswegen nicht genommen: «Das war mir furchtbar unangenehm. Ich war sehr traurig und habe die Lehre gezogen, zukünftig beim Vorspielen 150 Prozent vorbereitet zu sein.»

Interaktion mit dem Publikum

Momentan absolviert Schmidlin einen Master in Musikpädagogik an der Hochschule für Musik in Basel und unterrichtet 15 Schüler an der Musikschule in Möhlin in Klavier: «Wichtig ist, dass die Kinder einen spielerischen Zugang bekommen. Ich will keine strenge Lehrerin sein, die den Kindern trockene Theorie einbläut.» Dabei liebt sie vor allem die Herausforderung, auf die unterschiedlichen Charaktere einzugehen: «Jedes Kind ist anders – von introvertiert bis total ausgeflippt.»

Ihr grosses Vorbild ist die argentinische Pianistin Martha Argerich: «Sie stellt sich voll in den Dienst der Musik», sagt Schmidlin. Um das Niveau der Argentinierin zu erreichen, braucht die Möhlinerin jedoch noch einige Übungsstunden, wie sie selbstkritisch zugibt. Wichtig ist der jungen Pianistin vor allem die Interaktion mit dem Publikum: «Es liegt mir am Herzen. Ich will es in das Konzert miteinbeziehen.» Und so wird Schmidlin bei ihrem kommenden Konzert die Werke von Beethoven, Bartók, Schubert und Chopin moderieren und den Zuhörern näherbringen, bevor sie in die Tasten greift.

Klavierabend mit Kathrin Schmidlin:

Samstag, 21. Mai, 20 Uhr,

Aula Bezirksschule Möhlin.