Kaiseraugst

Kirchgemeinde fällt Grundsatzentscheid: Antenne kommt nicht in den Kirchturm

Die Swisscom wollte im Turm der römisch-katholischen Kirche in Kaiseraugst eine 5G-Antenne installieren.Bild: chr (26. September 2014)

Die Swisscom wollte im Turm der römisch-katholischen Kirche in Kaiseraugst eine 5G-Antenne installieren.Bild: chr (26. September 2014)

Die Römisch-Katholische Kirchgemeinde fällt einen Grundsatzentscheid gegen das Vorhaben des Mobilfunkanbieters Swisscom.

Nur zu gerne hätte die Swisscom den Segen der Römisch-Katholischen Kirchgemeinde von Kaiseraugst erhalten. Der Mobilfunkanbieter hatte sich vor einigen Monaten mit der Anfrage an die Kirchenpflege gewandt, ob es möglich sei, im Kirchturm der Kirche St.Gallus und Othmar eine Mobilfunkanlage mit dem Leistungsstandard 5G zu installieren. Dank der guten Lage im Turm der fast 120-jährigen Kirche könnte die Netzabdeckung im Dorf verbessert werden, argumentierte das Unternehmen. Und: Es kämen Mieteinnahmen von rund 7500 Franken pro Jahr in die Kirchenkasse.

Für die Kirchenpflege durchaus interessante Argumente. Aber: «Wir wussten um die Brisanz der Thematik und wollten den Entscheid nicht alleine fällen», sagt Präsidentin Angelika Müller. Da waren zum einen die Diskussionen, die ähnliche Vorhaben andernorts ausgelöst hatten. Etwa in Alpnach im Kanton Schwyz, wo der Kirchenrat bereits einen entsprechenden Mietvertrag mit dem Mobilfunkanbieter unterschrieben hatte – wenig später aber unter Druck der Kirchgemeinde zurückkrebsen musste. Da war zum anderen aber auch das Wissen um den Widerstand im eigenen Dorf. Im Sommer hatten über 600 Personen die Petition «5G-Moratorium» unterschrieben.

Die Kaiseraugster Kirchenpflege entschied vor diesem Hintergrund, an der Kirchgemeindeversammlung einen Grundsatzentscheid zur Antenne einzuholen. Am Donnerstagabend nun fand die Versammlung statt. Und der Entscheid fiel deutlich aus: Mit 36 zu 14 Stimmen bei wenigen Enthaltungen wurde die Mobilfunkanlage abgelehnt. In der Diskussion wurden vor allem zwei Kritikpunkte laut. Einerseits Unsicherheiten, was die Gesundheitsverträglichkeit der 5G-Technik betrifft. Andererseits aber auch ethische Bedenken, den Kirchturm für diesen Zweck zu vermieten.

Die Swisscom sucht einen anderen Standort

«Wir akzeptieren diesen Entscheid so», sagt Angelika Müller. Und: Mit einem Referendum rechnet sie nicht. Das Thema Mobilfunkantenne im Kirchturm dürfte also vom Tisch sein. Damit sind auch die allfälligen Mieteinnahmen hinfällig. «Es wäre zwar schön gewesen, über diese zusätzlichen Mittel zu verfügen. Aber wir sind nicht darauf angewiesen», so Müller.

«Wir bedauern den Entscheid, aber akzeptieren ihn», sagt auch Swisscom-Sprecherin Annina Merk. Es sei ein Paradox, dass die Bevölkerung «immer und überall kommunizieren will und der Datenverkehr weiterhin massiv steigt», aber Mobilfunkanlagen gleichzeitig auf Widerstand stossen. Die Swisscom hält am Vorhaben fest, eine neue Antenne zu bauen. «Deshalb suchen wir nun einen neuen Standort, um das Gebiet besser zu versorgen», so Merk.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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