Oeschgen
Kirchenschatz mit Kelchen, Monstranz und altem Reliquienkreuz

Gemäss dem Motto der diesjährigen Europäischen Tage des Denkmals hiess es am Wochenende an vielen Orten im Aargau, darunter auch im Fricktal: «Zu Tisch» und zwar in der Pfarrkirche in Oeschgen. Auf dem Altar wurde der Kirchenschatz präsentiert.

Walter Christen
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Edith Hunziker von der Kantonalen Denkmalpflege Aargau zeigt hier den kleineren der beiden Schönauer Messkelche aus dem Oeschger Kirchenschatz. – Foto: chr

Edith Hunziker von der Kantonalen Denkmalpflege Aargau zeigt hier den kleineren der beiden Schönauer Messkelche aus dem Oeschger Kirchenschatz. – Foto: chr

Mit grossem finanziellem Aufwand und persönlichen Anstrengungen haben die Leute in Oeschgen ihre neue Kirche gebaut. Anfang März 2011 wurde die alte romanische Kirche von 1302/1304 abgerissen und Weihnachten 2011 bereits im neuen Gotteshaus gefeiert. Am 23. Mai 1912 segnete der Bischof die römisch-katholische Kirche Cosmas und Damian. Abgebrochen werden musste übrigens die frühere Kirche, weil sie einsturzgefährdet war.

Die beiden Schönauer Kelche und in der Mitte die prächtige Strahlenmonstranz
8 Bilder
Edith Hunziker von der Kantonalen Denkmalpflege Aargau zeigt den Oeschger Kirchenschatz
Gemeindeleiter Bernhard Lindner mit dem Weihrauchfass
Der Oeschger Kirchenschatz
Detail von der Monstranz
Detail von einem Messkelch
Das Weihrauchschiffli
Das Reliquienkreuz

Die beiden Schönauer Kelche und in der Mitte die prächtige Strahlenmonstranz

Walter Christen

Wertvolles Kirchengut

Der Aargau erforscht, inventarisiert, schützt, pflegt und sichert das kulturelle Erbe der Vorfahren in ihrem gewachsenen Zusammenhang. Zuständig dafür ist die kantonale Denkmalpflege, wo Edith Hunziker die Kunstdenkmäler-Inventarisation leitet. Sie war es denn, die einem kleinen, aufmerksamen Publikum den Kirschenschatz in Oeschgen präsentieren konnte, sehr zur Freude von Gemeindeleiter Bernhard Lindner, der im Anschluss zur Agapefeier mit der Austeilung von Brot und Wein einlud.

Die Kostbarkeiten auf dem Altar in der römisch-katholischen Kirche in Oeschgen bestehen aus zwei Schönauer Messkelchen und einer prächtigen Strahlenmonstranz (Monstranz kommt vom lateinischen Wort monstrare, zeigen). In einem der Sonnenscheibe nachgebildeten Strahlenkranz zeigt die Monstranz die Hostie (der Ausdruck Hostie bedeutet Opfergabe und bezeichnet in den Kirchen der katholischen Tradition des Westens das zur Eucharistie beziehungsweise zum Abendmahl verwendete Brot).

Kelche sind Stiftungen der Schönauer

Die schlichte Pfarrkirche bewahrt mit dem Hochaltar und den beiden Seitenaltären sowie einigen Einzelfiguren die Herzstücke der barocken Ausstattung von der Vorgängerkirche auf. Eine Besonderheit sind dabei die im Kirchenschatz gehüteten wertvollen Messkelche aus dem 17. Jahrhundert, die von den Freiherren von Schönau-Oeschgen gestiftet wurden.

«Man wusste bisher nicht sehr viel über die beiden Schönauer Kelche. Die Aufgabe der Denkmalpflege war es, herauszufinden, von wem sie gestiftet wurden, wann das war und woher sie stammen», erklärte Edith Hunziker. Auf dem kleineren der beiden Kelche wurden zwei Wappen entdeckt, die auf eine Entstehung in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts deuten. Zu sehen ist ferner das Wappen von der Ehefrau Otto Rudolfs von Schönau mit einem Löwenmotiv. Das Ehepaar hatte den Kelch gestiftet. Der grössere Kelch ist jüngeren Datums und ebenfalls eine Gabe der Herren von Schönau.

Monstranz mit Schaugefäss

Bei der Strahlenmonstranz, die von einem Waldshuter Künstler um 1720/1730 stammen könnte, fällt das herzförmige Ostensorium (Schaugefäss) auf, von einem Rankenwerk umschlossen, in das teilvergoldete Silbertreibarbeiten und Glasflussperlen eingesetzt sind. Diese Monstranz ist wohl das schönste Objekt im Oeschger Kirchenschatz, der aber noch weitere interessante Objekte enthält, welche an Festtagen in Gottesdiensten in Gebrauch sind und jedesmal eine Augenweide für Festbesucher, Fachleute und interessierte Kirchgänger sind. Da wären einmal die Messkelche von Pfarrer Leo Schmid (1916–1976) und von Kaplan Josef Zundel (1906–1988). Des Kaplans Primizkelch steht in der Sakristei der Kirche. In der Mitte ist er mit einem kugelförmigen Nodus (lateinisch: Knoten, Verdickung) aus grünem Alabaster versehen.

Reliquienkreuz und Weihrauchgeschirr

Dann zeigte Edith Hunziker ein dunkel gebeiztes Kreuz mit Silberbeschlag. Es handelt sich um ein Reliquienkreuz, welches im oberen Bereich eine Reliquie von Niklaus von Flüe enthält, während die Reliquie im unteren Fach abhanden gekommen ist. Eine Reliquie (lateinisch reliquiae, Zurückgelassenes, Überbleibsel) ist ein Gegenstand religiöser Verehrung, besonders ein Körperteil oder Teil des persönlichen Besitzes eines Heiligen.

Zur Ausstattung des Oeschger Kirchenschatzes dürfen sicher auch das kleine Weihrauchschiffli und das an Ketten hängende Weihrauchgefäss gezählt werden, von Gemeindeleiter Bernhard Lindner präsentiert.