Eiken

Kirche thematisiert Missbrauch und setzt dabei auf Sensibilisierung

Rita Wismann referierte zum Thema «Nähe und Distanz».

Rita Wismann referierte zum Thema «Nähe und Distanz».

Die Jugendseelsorge veranstaltete eine Weiterbildung zum Thema «Nähe und Distanz» in der katholischen Kirche.

Spätestens seit der Gründung des Gremiums «Sexuelle Übergriffe in der Pastoral» 2002 durch die Schweizer Bischofskonferenz wird das Tabuthema sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche mit grosser Sorgfalt behandelt. Prävention in den Bistümern Basel und
St. Gallen gibt es bereits seit 2000.

Es wurden Fachgruppen eingerichtet, verpflichtende Kurse zum Thema «Nähe und Distanz» für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaffen, Wege für Meldefälle ausgearbeitet und es gibt einen Genugtuungsfond.

Die Jugendseelsorge Fricktal unter Leitung von Simon Hohler hatte im Gemeindesaal der katholischen Kirche Eiken zu diesem Thema einen Kurs für Jugend- und Pastoralmitarbeiter, Katecheten, Sakristanen und Sekretärinnen organisiert. Referentin und Leiterin dieses Kurses war die Theologin und Fachperson für das Thema «Nähe und Distanz» im Bistum Basel, Rita Wismann.

Das Ziel war, noch mehr Sensibilisierung für das Thema zu erreichen, auf Fragen einzugehen, wie: Was ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Nähe und Distanz? Wo beginnen Grenzverletzungen? Was sind die Unterschiede zwischen harmlos, grenzverletzend, übergriffig und strafrechtlich? Ausserdem ging es darum, Präventions- und Schutzmassnahmen auf allen Ebenen aufzuzeigen. Rita Wismann hatte dazu viele fiktive Fallbeispiele mitgebracht, zu denen es sehr lebhafte Diskussionen gab.

Es ist nicht immer einfach, die Grenzen zu erkennen

Wie erkenne ich Anzeichen von sexuellen Übergriffen? Wie unterscheidet man zwischen normalem, zwischenmenschlichen Miteinander und Grenzüberschreitungen? Wie sieht ein verantwortlicher Umgang damit aus? Nicht immer ist es einfach, Grenzen zu erkennen und zu definieren.

Rita Wismann zeigte deutlich auf, was unter Grenzverletzungen zu verstehen ist, arbeitete dabei auch kulturelle Unterschiede heraus, ebenso wie variabel wahrgenommene Situationen von Mensch zu Mensch. Nicht immer einfach sei es, die Balance zwischen Bagatellisierung und Dramatisierung zu halten.

Bei der Arbeit mit Jugendlichen sei stets ohne Wenn und Aber ein klarer, professioneller und grenzwahrender Umgang durch Erwachsene angesagt, so Wismann. «Rühr kein Kind mehr an», sei allerdings nicht die Lösung – sondern Verantwortung und Reflexion des eigenen Verhaltens.

Prävention ist auf allen Ebenen enorm wichtig

Sexuelle Belästigung kann vielfältig sein durch Worte, Gesten und Taten und ist es immer dann, wenn dies durch eine Seite absolut unerwünscht, die Würde verletzend ist. Werden eigene sexuelle Ziele verfolgt ohne Zustimmung der anderen Person, spricht man ganz klar von sexueller Ausbeutung.

Bei Jugendlichen unter 16 Jahren auch dann, wenn eine angebliche Zustimmung vorliegt. Das muss angezeigt werden. Deshalb ist Prävention auf allen Ebenen enorm wichtig. Grenzen sind zu erkennen, eigene Kompetenz beim Umgang mit Nähe und Distanz unabdingbar, offene Gespräche sollten geführt, Transparenz und Feedbackkultur gepflegt werden. Aufmerksamkeit ist angesagt.

In der Gruppenarbeit wurden «heikle Situationen» besprochen. Zum Schluss waren konkrete Anlaufstellen zu erfahren sowie das für die Thematik geltende Strafrecht.

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