Die Ansage hatte es in sich: «Das nächste Jahr wird ein bombastisches Jahr», sagte Philipp Weiss, Betreiber von Fricks Monti, vor einem Jahr im azInterview. «Es kommen derart gute Filme ins Kino, dass alle Rekorde der letzten 20 Jahre gebrochen werden.»

Weiss bekam (fast) recht: 2015 war ein bombastisches Kinojahr – wenngleich auch nicht sämtliche Rekorde gebrochen wurden. Filme wie der neue James Bond «Spectre», «Minions» oder die Fortsetzung von «Star Wars» sorgten dafür, dass die Kinos ein fettes Plus verzeichnen konnten. Schweizweit stiegen die Zuschauerzahlen gegenüber 2014 um rund 12 Prozent, in Fricks Monti waren es sogar 18 Prozent.

«Das zeigt, dass das Kino eine Zukunft hat – allen Unkenrufen zum Trotz», freut sich Weiss. Natürlich könne man die Filme auch zu Hause anschauen. «Aber das ist nicht das Gleiche», so Weiss. «Die Menschen wollen ausgehen, andere Menschen treffen und miteinander etwas erleben.»

Guter Jahrgang 2016

Philipp Weiss, der Fricks Monti zusammen mit Martina Welti seit 1992 führt, gibt dem Kinojahrgang 2015 ein «hervorragend». Und er ist sich sicher: «Das Kinojahr 2016 wird ähnlich gut.» Dafür sollen Filme wie «The Hateful Eight» von Quentin Tarantino, «Ice Age 5» oder «Inferno» mit Tom Hanks sorgen.

Jährlich kommen an die 600 Filme in die Kinos; Philipp Weiss kann in seinem Saal rund zehn Prozent davon zeigen. «Die grosse Schwierigkeit für ein Kino mit nur einer Leinwand ist es, auf die richtigen Titel zu setzen», sagt er. «Man darf nichts verpassen, was laufen könnte.» Da helfen ihm zwar seine 25 Jahre Branchenerfahrung. «Überraschungen erlebe aber auch ich immer noch.» So erwartete er von der Filmkomödie «Irrational Man» von Woody Allen einiges – doch der Film floppte völlig.

Auf Trends schnell reagieren

Gerade auch, weil nicht alles vorhersehbar ist, legt Weiss sein Programm stets von Woche zu Woche fest. «So kann ich auf Trends reagieren.» Im Rückblick auf das Kinojahr 2015 lassen sich neun Trends erkennen:

• Das Stadt-Land-Gefälle: In den Städten ziehen vor allem Science-Fiction-und Fantasy-Filme, auf dem Land sorgen Familien- und Kinderfilme für hohe Frequenzen. In Fricks Monti haben es mit «Schellen-Ursli», «Heidi» und den «Minions» gleich drei Familienfilme in die Top 5 geschafft (siehe Tabelle).

• Die Macht der Mächtigen: Mit den Top 5 verbuchte Philipp Weiss 48 Prozent aller Eintritte. Die restlichen 52 Prozent verteilen sich auf 55 Filme. «Es ist gerade für kleine Kinos matchentscheidend, dass sie auf die richtigen Filme setzen.»

• Der Schweizer Film lebt: Mit «Schellen-Ursli» und «Heidi» haben es zwei Schweizer Produktionen in die Topseller geschafft. «Damit habe ich nicht gerechnet», sagt Weiss. Für ihn ist aber klar: «Der Schweizer Film kann sich sehen lassen.»

• Film ab – für die Werbung: «Im letzten Jahr ist die ganze Werbebranche auf den Kinozug aufgesprungen», freut sich Weiss. Die Zahl der Werbeplatzierungen im Vorspann der Filme hat sich nahezu verdoppelt.

• Die Grosseltern kommen: Vor 20 Jahren gingen Kinder am liebsten alleine ins Kino. Heute werden sie oft von ihren Eltern und Grosseltern begleitet. «In Jugendfilmen sitzen nicht selten mehr Erwachsene als Kinder», sagt Weiss.

• Der Blick zum (Fussball-)Himmel: Im Open-Air-Kino verzeichnete Weiss im letzten Jahr 50 Prozent mehr Besucher als 2014. «Das lag neben den Filmen am guten Wetter», sagt Weiss – und daran, dass keine Fussball-EM oder -WM stattfand. In diesem Jahr kicken die besten Teams in Frankreich um den EM-Titel. «Ich habe den Start des Open-Air-Kinos deshalb um eine Woche nach hinten verschoben.»

Die Pause bleibt

• Mach mal Pause: In den Städten verzichten inzwischen viele Kinos auf die Pause im Film – auch, um an einem Abend mehr Filme pro Saal zeigen zu können. Auf diesen Zug will Weiss nicht aufspringen. «Wir pflegen die Pause – und die Zuschauer schätzen dies.»

• Alles inklusive: Seit die digitale Technik in den Kinosälen Einzug gehalten hat, gibt es von der Bildqualität her keine Unterschiede mehr zwischen den Kinos. Sehr wohl aber bei den Preisen: «Als Landkino sind wir günstiger», sagt Weiss, «und wir erheben keine Zuschläge für 3-D oder Überlängen.»

• Vorwärts in die Zukunft: Die 3-D-Technologie wird weiter verbessert. Mittelfristig glaubt Weiss nicht an grosse Innovationen. Langfristig hingegen dürfte das Kino in eine neue Dimension eintauchen. «Vielleicht werden 2030 die Figuren dank holografischen Effekten wirklich durch den Raum laufen, vielleicht wird dann der Schein zum Sein.»