Wallbach
Kindergarten wird Flüchtlingswohnung: Das passt nicht allen Stimmberechtigten

Die Gemeindeversammlung entschied über grosse Kredite. Am meisten zu reden gab dabei der kleinste: Ein Baukredit zum Umbau des alten Kindergarten in eine Flüchtlingswohnung.

Nadine Böni
Drucken
Teilen
Das Untergeschoss des alten Kindergarten-Gebäudes kann zu einer Wohnung umgebaut werden.

Das Untergeschoss des alten Kindergarten-Gebäudes kann zu einer Wohnung umgebaut werden.

Nadine Böni

«Heute müssen wir viel Geld haben.» Der Satz entfuhr der Wallbacher Gemeinderätin Jris Pümpin Reiffer, als sie vor die Gemeindeversammlung trat, um Traktandum 6 vorzustellen. Da hatten die 71 anwesenden Stimmberechtigten bereits die Jahresrechnung (mit einem Minus von 328 000 Franken), den Kredit für die Flachdachsanierung bei Schulhaus und Mehrzweckhalle (760 000 Franken) und den Zusatzkredit für den Hochwasserschutz am Rhein (250 000 Franken) genehmigt. Alle Entscheidungen fielen mit deutlichem Mehr.

Flüchtlinge im Kindergarten

Traktandum 6, «Baukredit von 120 000 Franken für den Umbau alter Kindergarten in eine Wohnung», sorgte dann für die längsten Diskussionen. Der Gemeinderat sieht vor, an der Bodenmattstrasse 21 eine Drei-Zimmer-Wohnung einzurichten. In den Räumlichkeiten im Erdgeschoss ist heute eine Abteilung des Kindergartens untergebracht, die im Sommer allerdings in den Neubau zieht. Die baulichen Eingriffe sollen auf das Notwendigste beschränkt werden, erklärte Pümpin Reiffer. «Es ist hier möglich, mit relativ wenigen Mitteln zu einer Wohnung zu kommen.»

Die Wohnung ist für eine Flüchtlingsfamilie vorgesehen. «So wären wir gewappnet, sollten der Gemeinde weitere Flüchtlinge zugeteilt werden», sagte Pümpin Reiffer. Im Obergeschoss des Gebäudes besteht bereits eine Mietwohnung. Aktuell wohnen darin zwei Flüchtlingsfamilien.

Die Gemeindeversammlung teilte diese Meinung nur partiell. So wurde etwa kritisiert, dass es im Dorf auch Alternativen gäbe, sprich: andere Wohnungen, die für Flüchtlinge gemietet werden könnten. «Mit 120 000 Franken könnte man die Miete für einige Jahre bezahlen», meinte ein Stimmberechtigter. Auch wurde angemerkt, dass es durchaus Interessenten für die Räumlichkeiten an der Bodenmattstrasse gäbe. Interessenten, die wohl die kindergerechte Einrichtung übernehmen würden, wie aus der Diskussion klar wurde – ohne, dass sich der Sprecher detailliert zu seinem Vorhaben äussern wollte.

Rückweisungsantrag abgelehnt

Zum Diskussionsthema wurde in diesem Zusammenhang dann auch die Abstimmung vom Sonntag. Zur Erinnerung: Die Aargauer haben den Gegenvorschlag zur Krippengesetz-Initiative angenommen. Dieser sieht vor, dass sich die Aargauer Gemeinden an den Kosten für Kinderkrippen und Mittagstische beteiligen. «Wäre es nicht besser, die Wohnung zu behalten, damit sie dereinst für ein Kinderbetreuungs-Angebot genutzt werden kann?», lautete die Frage aus der Versammlung.

Jris Pümpin Reiffer betonte, dass der Gemeinderat erst abwarten wolle, was der Regierungsrat in dieser Angelegenheit entscheide. «Die Aargauer Regierung gibt die Richtlinien vor, die Gemeinde regelt anschliessend die Details», so die Gemeinderätin. Ausserdem sei man nicht auf die Räumlichkeiten an der Bodenmattstrasse angewiesen, wenn es um Kinderbetreuung gehe: «Wir haben im Schulhaus Räumlichkeiten im Rohbau, die genutzt werden könnten und ausserdem eine auf eine grosse Anzahl Personen ausgerichtete Kücheninfrastruktur», so Pümpin Reiffer.

Ein Rückweisungsantrag für das Geschäft wurde von der Versammlung mit 41:22 Stimmen verworfen. Anschliessend liess Gemeindeammann Paul Herzog über den Kreditantrag abstimmen. Mit 44 Ja- zu 22 Nein-Stimmen entschieden sich die Anwesenden nach der gut halbstündigen Diskussion, den Umbau des alten Kindergartens zu einer Wohnung zu genehmigen.

Aktuelle Nachrichten