Geschniegelt sitzt er im Untergeschoss des Gloria-Theaters und hält Small-Talk mit den Kinder-Reportern der Uni-Hochrhein. Der Journalist betritt den Raum, unterbricht den Plausch und ruft ihm die unsägliche 117. Minute im Sommer 2014 in Erinnerung, die das WM-Aus der Schweizer Fussball-Nati besiegelte: «Wir haben im Achtelfinale den Argentiniern bis zum Schluss Paroli geboten. Umso mehr tat es weh, so kurz vor dem Elfmeter-Schiessen die Segel strichen zu müssen», sagt Ottmar Hitzfeld zu seinem letzten Spiel als Trainer der Schweizer Fussball-Nati.

Genug in Erinnerungen geschwelgt: Hitzfeld steht heute im Gloria-Theater auf der Bühne, um zum Thema «Was können wir vom Fussball lernen?» Fragen von neugierigen Reportern der Kinderuni Hochrhein – getragen von den Gemeinden Stein und Bad Säckingen – zu beantworten. «Ich finde dass Format klasse. Ich kann dadurch auf das eingehen, was die Kinder auch wirklich interessiert. Das ist bei einem Einzelvortrag nicht immer der Fall», erklärt Hitzfeld, der wenige Minuten später auf einem FC-Bayern-München-Thron unter tosendem Applaus der vielen jungen Kinderhände auf der Bühne Platz nimmt.

«Herr Hitzfeld, haben Sie als Spieler schon einmal eine rote Karte bekommen?», fragt ein Kinder-Reporter. Hitzfeld antwortet: «Nein, ich war Stürmer und bin eher der gewesen, der gefoult wurde. Ich habe mich immer aufgeregt, wenn der Schiedsrichter ein Foul an mir nicht gepfiffen hat. Einmal so sehr, dass ich dem Schiedsrichter einen Schneeball hinterhergeworfen habe. Zum Glück hat er es nicht gesehen.»

Ein anderer Kinder-Reporter will wissen, wie Hitzfeld Fussball-Profi wurde. «Wenn man etwas wirklich will, dann muss man Eigeninitiative zeigen», sagt Hitzfeld und erzählt eine Anekdote, wie er als 22-Jähriger den Sprung zum FC Basel schaffte: «Weil der FC Basel nicht auf mich zukam, habe ich den damaligen Trainer, Helmut Benthaus, einfach angerufen – der stand damals im Telefonbuch – und einen Termin für ein Probetraining ausgemacht.

Immer wieder weitermachen

«Fussball und das Leben weisen unzählige Parallelen auf», sagt Hitzfeld. Es ginge darum, sich an Regeln zu halten, sich in ein soziales Umfeld einzufügen und respektvoll mit seinen Mitspielern und dem Gegner umzugehen. In seiner Zeit als Trainer sei es ihm deswegen auch wichtig gewesen, seine Spieler menschlich weiterzuentwickeln und aus einer Menge Stars eine funktionierende Einheit zu bilden. «Nicht immer einfach bei so ausgefallen Typen wie Kahn, Matthäus oder Basler», sagt er.

In seinem Schlusswort gibt Hitzfeld sein Rezept für einen erfolgreichen Lebensweg den Kindern an die Hand: «Es braucht Ehrgeiz, Fleiss und Spass an der Sache. Und wie bei einer Niederlage nach einem Match, heisst es: Immer wieder aufstehen und weitermachen.»